Die Nachhaltigkeit eines Fahrzeugs entscheidet sich lange, bevor es auf die Straße kommt – und sie endet nicht mit der Nutzungsphase. Sie beginnt mit Konstruktionsentscheidungen, die Wiederverwendung und Recycling ermöglichen, setzt sich in der Materialauswahl und in den Produktionsprozessen fort und reicht bis in die Qualität des Umfelds, das die Kundinnen und Kunden im Fahrzeug erleben. Vier Beispiele zeigen, wie die BMW Group ihren ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus umsetzt: von der Demontagekompetenz und dem Batterie-Direktrecycling über die Innenraumluftqualität bis zum neuen BMW X5, in dem viele dieser Maßnahmen in einem Serienfahrzeug zusammenkommen.
Vom ersten Entwurf bis zum Recycling:
der ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz der BMW Group.
Woher kommt das Wissen,
wie man ein Auto zerlegt?
Das Recycling- und Demontagezentrum (RDZ) der BMW Group in Unterschleißheim bei München zerlegt seit 1994 Fahrzeuge – vor allem Vorserienautos und Einzelstücke aus Test und Entwicklung, die keine Straßenzulassung erhalten. Es geht dabei nicht um Entsorgung, sondern um Analyse. In einem modernen Fahrzeug stecken zwischen eineinhalb und drei Kilometern Kabel, überwiegend Kupfer; andere Bauteile sind reich an Aluminium, und im Katalysator finden sich Platin, Rhodium und Palladium.
Jeder Demontageschritt fließt zurück in die Konstruktion: Wie müssen Bauteile aufgebaut sein, damit sie sich wiederverwenden, reparieren, aufarbeiten oder sortenrein trennen lassen? Die einzelnen Schritte werden in einer herstellerübergreifenden Datenbank dokumentiert und mit Recyclingpartnern weltweit geteilt. Denn Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn die Betriebe am Ende des Prozesses Teile und Materialien wirtschaftlich zurückgewinnen können.
Wie finden Batterierohstoffe
zurück in neue Zellen?
Klassische Verfahren zerlegen gebrauchte Batteriezellen mit energieintensiven chemischen oder thermischen Prozessen in ihre Grundbestandteile. Im Kompetenzzentrum Batteriezellrecycling (Cell Recycling Competence Center, CRCC) in Salching in Niederbayern werden die Materialien stattdessen mechanisch aufbereitet und direkt in die Zellfertigung zurückgeführt. Das Zentrum verarbeitet Reststoffe aus der Batteriezellfertigung ebenso wie ganze Zellen aus der Pilotproduktion und gewinnt nach vollständiger Inbetriebnahme jährlich mehrere Dutzend Tonnen Batteriezellmaterialien zurück.
Diese Rohstoffe fließen direkt in das Cell Manufacturing Competence Center (CMCC) in Parsdorf. Drei bayerische Standorte bauen damit aufeinander auf: In München werden Zellen entwickelt, in Parsdorf pilotiert und skaliert, in Salching in den Materialkreislauf zurückgeführt. Betrieben wird das Kompetenzzentrum von Encory, einem Joint Venture der BMW Group und der Interzero Group. Das geistige Eigentum am Direktrecycling-Verfahren liegt jedoch vollständig bei der BMW Group. Langfristig wäre es denkbar, dass auch Zellhersteller das Verfahren in der Serienproduktion einsetzen.
Warum gehört die Innenraumluftqualität
zur Produktnachhaltigkeit?
Für die BMW Group sind Gesundheit und Wohlbefinden integraler Bestandteil der Produktnachhaltigkeit. Indem das Unternehmen schädliche Emissionen minimiert und hochwertige Materialien auswählt, nimmt es seine Verantwortung für die Gesundheit der Kundinnen und Kunden wahr. Die Innenraumluftqualität ist damit ein zentrales Element des ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatzes über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus: Emissionen aus Materialien beeinflussen mit Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, wie Insassen den Innenraum erleben. Deshalb werden Materialien, Bauteile und komplette Innenräume im eigenen Geruchslabor systematisch geprüft und bewertet.
Seit mehr als 25 Jahren setzt die BMW Group eigene Verfahren ein, um Emissionen und Gerüche im Fahrzeuginnenraum zu analysieren. Erkenntnisse aus Toxikologie, Gesundheitsforschung und Sensorik fließen laufend in die internen Standards ein. Auch die Geruchsgestaltung gehört dazu: Ziel ist ein authentischer, dezenter und hochwertiger Innenraumgeruch während auf künstliche Duftinszenierung bewusst verzichtet wird.
Wie lässt sich ganzheitliche Nachhaltigkeit
in einem Fahrzeug vereinen?
Mit dem neuen BMW X5 überträgt die BMW Group ihren ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz konsequent auf weitere Fahrzeugderivate. Der Ansatz kommt über alle X5 Antriebsvarianten hinweg zur Anwendung und zielt darauf ab, den gesamten Lebenszyklus weiter zu optimieren und den CO₂e-Fußabdruck des Fahrzeugs zu minimieren – von Lieferkette und Produktion über die Nutzungsphase bis hin zum Recycling. Zentrale Hebel sind die gezielte Dekarbonisierung der Lieferkette, Effizienzsteigerung, erneuerbare Energien, Sekundärmaterialien sowie Produkt- und Prozessinnovationen. Die Wirkung zeigt sich in der erreichten CO₂e-Reduzierung: Im Rahmen der Produktentwicklung konnten die CO₂e-Emissionen der Lieferkette um rund 40 Prozent gesenkt werden.
Der Ansatz spiegelt sich auch im konsequenten Einsatz CO₂e-reduzierter und sekundärer Materialien. Rund 50 Prozent des im BMW X5 verbauten Flachstahls stammen aus Elektrolichtbogenöfen mit hohem Sekundärmaterialanteil, hergestellt unter Verwendung erneuerbarer Energien. Auch bei hoch beanspruchten Komponenten setzt der neue BMW X5 Sekundärrohstoffe ein, etwa bei Fahrwerksbauteilen aus Aluminium, die in Elektrolyse und Herstellung mit erneuerbaren Energien gefertigt werden. Für die Türen wird Aluminium verwendet, das zu 35 Prozent aus recyceltem, im Kreislauf geführtem Material aus dem BMW Presswerk Spartanburg besteht; das Ausgangsmaterial für das Garn der Dachhimmel-Oberware besteht zu 100 Prozent aus recyceltem PET. Beim batterieelektrischen BMW iX5 60 xDrive liegt die Sekundärrohstoffquote des Gesamtfahrzeugs bei rund einem Drittel, was einem Gewicht von rund 940 Kilogramm entspricht. In den Gen6-Batteriezellen des Hochvoltspeichers kommen sekundäres Kobalt, Lithium und Nickel zum Einsatz; im Vergleich zur Gen5-Zelle des BMW iX sinkt der CO₂e-Ausstoß pro Wattstunde um rund 28 Prozent. Zum Serienstart veröffentlicht die BMW Group einen TÜV-verifizierten Product Carbon Footprint für den BMW X5 einschließlich der zugrunde liegenden Berechnungsmethodik.
Wie die BMW Group Nachhaltigkeit
über den gesamten Lebenszyklus verbindet.
Diese vier Beispiele verdeutlichen einen Wandel von einzelnen Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu einem ganzheitlichen Ansatz über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus. Das Recycling- und Demontagezentrum liefert das praktische Wissen für Wiederverwendung, Reparatur und Recycling, während das Batterie-Direktrecycling den Kreislauf für wertvolle Zellmaterialien schließt. Ergänzt wird dies durch das Geruchslabor, das Gesundheit, Wohlbefinden und Premiumqualität im Fahrzeug sicherstellt – und den neuen BMW X5, in dem viele dieser Maßnahmen in einem Serienfahrzeug zusammenkommen.
Und trotzdem ist noch nicht alles gelöst. Hochwertige Materialkreisläufe brauchen passende Infrastruktur, tragfähige Geschäftsmodelle und Prozesse, die den Qualitätsanforderungen der Automobilindustrie genügen. Deshalb teilt die BMW Group ihr Demontagewissen mit Recyclingpartnern weltweit, entwickelt das Batterie-Direktrecycling für den künftigen Serieneinsatz weiter, prüft die Innenraumluftqualität systematisch und zeigt am neuen BMW X5 beispielhaft, wie diese Ansätze in einem Serienfahrzeug zusammenkommen.
Schon heute berücksichtigen die Fahrzeuge Nachhaltigkeit in Entwicklung, Produktion, Nutzungsphase und Recycling und zukünftige Generationen bauen darauf weiter auf.
Häufig gestellte Fragen
zur Nachhaltigkeit bei der BMW Group.
Beim Direktrecycling werden Batteriezellen und Produktionsreststoffe mechanisch aufbereitet, statt sie über energieintensive chemische oder thermische Prozesse in ihre Grundbestandteile zu zerlegen. Die zurückgewonnenen Materialien fließen direkt in die Zellfertigung zurück. Das spart Energie, Kosten und Rohstoffe.
Die 4Re-Strategie ist die Leitlinie der Kreislaufwirtschaft der BMW Group und beruht auf vier Schritten: Re:Think – Prozesse neu denken, Re:Duce – Ressourcen gezielt reduzieren, Re:Use – Materialien wiederverwenden und Re:Cycle – Rohstoffe zurückgewinnen. Sie prägt Entscheidungen vom Fahrzeugdesign über die Fertigung bis zu Recycling und Wiederverwertung.
Materialien und Oberflächen im Fahrzeug können Emissionen abgeben und Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit verändern, wie der Innenraum wahrgenommen wird. Weil die Insassen unmittelbar mit diesem Umfeld in Kontakt kommen, analysiert die BMW Group Emissionen und Gerüche seit mehr als 25 Jahren systematisch und versteht Gesundheit und Wohlbefinden als Teil der Produktnachhaltigkeit.