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Humanoider Roboter AEON montiert Batteriemodule in der Produktion im BMW Group Werk Leipzig.
Unternehmen 09.03.2026 7 MIN

Premiere in Leipzig:
BMW Group setzt humanoide Roboter erstmals in Deutschland ein.

Ein Teammitglied, das nie müde wird, schwere Teile trägt und komplett aus Hightech besteht – humanoide Roboter in der Produktion stehen für einen Technologiesprung: Die BMW Group führt ein Pilotprojekt im Werk Leipzig durch, holt damit die sogenannte Physical AI nach Europa – und treibt im neuen Kompetenzzentrum das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik weltweit voran. Der erste Roboter-Einsatz im US-Werk Spartanburg? Bereits ein Erfolg. Ein spannender Blick in die Produktion der Zukunft.

Mensch trifft Maschine:
AEON startet im BMW Group Werk Leipzig.

Im BMW Group Werk Leipzig läuft der Alltag im gewohnten Takt, bis plötzlich ein neuer Kollege auftaucht: mit menschenähnlichem Körper, aber aus Metall und Elektronik – an den Beinen keine Füße, sondern zwei Rollen. Sein Name: AEON. Ein humanoider Roboter, dessen Job klar definiert ist: nicht Menschen ersetzen, sondern entlasten. AEON übernimmt monotone Handgriffe, bringt Material an die Fertigungslinie und weicht Hindernissen auf seinem Weg präzise aus. Er ist 1,65 Meter groß, wiegt 60 Kilogramm und rollt im Einsatz mit bis zu 2,5 Metern pro Sekunde durch die Halle. Was nach Science-Fiction-Film klingt, macht die BMW Group jetzt Schritt für Schritt zur Realität.

Mit dem Start des Pilotprojekts im Werk Leipzig setzt das Unternehmen erstmals humanoide Roboter in der Produktion in Deutschland ein. Hinter dieser vermeintlichen Zukunftsvision steckt eine klare Strategie: KI soll nicht im Serverraum bleiben, sondern dort wirken, wo sie den größten Unterschied macht – mitten in der Fertigung.

KI mit Körpereinsatz:
Wie aus Daten Bewegung werden.

Physical AI ist bei der BMW Group die Verbindung von digitaler KI mit realen Maschinen und Robotern. KI-Agenten treffen Entscheidungen, lernen aus Daten und steuern Roboter, die diese Intelligenz in physische Bewegung umsetzen.

Milan Nedeljković, Mitglied des Vorstands der BMW AG.
Digitalisierung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktion – hier in Europa und weltweit. Die Symbiose aus Ingenieurskompetenz und künstlicher Intelligenz eröffnet in der Produktion vollkommen neue Möglichkeiten.
Dr. Milan Nedeljković
Produktionsvorstand der BMW AG

Diese Verbindung beginnt nicht beim Roboter, sondern in der Architektur dahinter. Die BMW Group hat ihr Produktionssystem in den vergangenen Jahren konsequent auf ein einheitliches IT- und Datenmodell umgestellt. Früher getrennte Datensilos fließen heute in eine gemeinsame Plattform, auf der Informationen konsistent, standardisiert und jederzeit verfügbar sind.

Vom Testlabor an die Linie:
Wie Physical AI in die Produktion kommt.

So entsteht die Grundlage dafür, dass digitale KI-Agenten anspruchsvolle Aufgaben autonom und in komplexen Umgebungen übernehmen – von der virtuellen Fabrik mit digitalen Zwillingen über KI-gestützte Qualitätsprüfungen bis hin zur Intralogistik mit autonomen Transportlösungen. In Verbindung mit Robotern entsteht daraus Physical AI: intelligente, lernfähige Systeme, die direkt auf dem Shopfloor wirken.

„Unser Anspruch ist es, Technologieführer zu sein und neue Technologien frühzeitig in die Produktion zu integrieren. Pilotprojekte helfen uns dabei, den Einsatz von Physical AI – also KI-gestützten, lernfähigen Robotern – unter realen industriellen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln“, sagt Michael Nikolaides, Leiter BMW Group Produktionsnetzwerk und Logistik.

Digitalisierung und KI sind damit kein schmückendes Beiwerk, sondern zentrale Bausteine der BMW iFACTORY – und Voraussetzung für eine Produktion, die flexibel, effizient und zukunftsfähig bleibt.

Muskelkraft aus Metall,
Mitdenken beim Menschen.

Roboter gehören bei der BMW Group seit Jahrzehnten zum Alltag. Klassische Industrieroboter schweißen, kleben, heben – hochpräzise, aber fest installiert und auf klar definierte Aufgaben beschränkt. Humanoide Robotik setzt genau hier an und erweitert dieses System gezielt dort, wo es für den Menschen den größten Nutzen bietet.

Die BMW Group versteht humanoide Roboter als wertschöpfende Ergänzung zur bestehenden Automatisierung. Ihr Potenzial liegt dort, wo Arbeit besonders einseitig oder belastend ist: bei monotonen Abläufen, in ergonomisch schwierigen Positionen oder in Bereichen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen.

Statt immer wieder das gleiche schwere Bauteil zu heben oder stundenlang in gebückter Haltung zu arbeiten, übernehmen Mitarbeitende stärker die Rollen, in denen ihre Stärken zählen: Prozesse verstehen, Abläufe steuern, Qualität sichern, neue Technologien in den Alltag integrieren.

Entwicklerin testet Roboterarme für präzise Handgriffe im „Center of Competence für Physical AI in Production“ der BMW Group.

Neues Center für KI und Robotik:
Hier entsteht die Produktion von morgen.

Damit das gelingt, bündelt die BMW Group ihre Kompetenz im „Center of Competence for Physical AI in Production“. Dort fließen Know-how zu KI und Robotik zusammen. Das Team bewertet Technologiepartner, entwickelt Pilotprojekte und begleitet sie vom ersten Konzept über Labor-Tests bis hin zum Einsatz im Werk und zur Pilotphase unter realen Bedingungen.

Das internationale Team aus Expertinnen und Experten treibt eigene Roboterforschung voran und integriert KI sukzessive in das bestehende Produktionssystem. So entsteht ein wachsender Baukasten an Physical-AI-Lösungen, den BMW Group Werke weltweit nutzen können – immer mit Blick darauf, wie er die Menschen vor Ort am besten unterstützt.

Humanoider Roboter AEON montiert Batteriemodule in der Produktion im BMW Group Werk Leipzig.

Bühne frei für Physical AI:
Werk Leipzig als Robotik-Reallabor.

In Leipzig startet nun das erste europäische Pilotprojekt mit einem humanoiden Roboter im BMW Group Produktionsnetzwerk – in Zusammenarbeit mit Hexagon, einem langjährigen Partner der BMW Group im Bereich Sensorik und Software. Hexagons Sparte Hexagon Robotics mit Sitz in Zürich ist auf Physical AI spezialisiert und hat im Juni 2025 AEON vorgestellt.

Die Einführung folgt einem klaren Takt: Zunächst bewertete das Team den Roboter theoretisch, anschließend liefen Tests im Labor. Im Dezember 2025 kam AEON erstmals im Leipziger Werk zum Einsatz. Ab April 2026 folgt ein weiterer Test, um die vollständige Integration für die Pilotphase ab Sommer 2026 vorzubereiten.

Herzstück ist der menschenähnliche Korpus von AEON. An ihn lassen sich unterschiedliche Hand- und Greifelemente oder Scan-Werkzeuge andocken. So kann der Roboter verschiedene Aufgaben übernehmen, ohne seine Grundstruktur zu verändern. Im Einsatz rollt er flexibel durch den Arbeitsbereich.

Kollaboration in der Produktion: Eine Mitarbeiterin und der humanoide Roboter AEON bewegen gemeinsam ein Bauteil im BMW Group Werk Leipzig.
Zukunft trifft Serie: Humanoider Roboter AEON vor einem roten BMW i4 Gran Coupé im BMW Group Werk Leipzig.

AEON lernt Serienproduktion:
Humanoider Roboter im Praxistest.

In Leipzig soll AEON zunächst in der Montage von Hochvoltbatterien und in der Komponentenfertigung unterstützen – überall dort, wo Wiederholung, Präzision und Ergonomie entscheidend sind. Wichtig ist dabei weniger eine einzelne Aufgabe als die Frage: Wie lässt sich die menschenähnliche Maschine sinnvoll in die Serienproduktion einbinden?

AEON wächst deshalb schrittweise in das bestehende System hinein – von der Batteriefertigung für Energiemodule bis zur Komponentenfertigung für Exterieur-Teile. Die Teams vor Ort testen, wie sich Arbeitsplätze anpassen lassen, welche Tätigkeiten sich gut eignen und wo der Roboter die größte Entlastung bringt. So entsteht ein Zusammenspiel, bei dem Technologie nicht übergestülpt wird, sondern gemeinsam mit den Mitarbeitenden Form annimmt.

Testlauf in Spartanburg:
30.000 BMW X3, 1,2 Millionen Schritte.

Vor AEONs Dienstantritt in Leipzig hat bereits ein anderer humanoider Roboter bewiesen, was Physical AI in der Fahrzeugproduktion leisten kann. Im BMW Group Werk Spartanburg (South Carolina, USA) startete 2025 ein Pilotprojekt mit dem Tech-Unternehmen Figure AI – der weltweit erste Einsatz humanoider Roboter in einem BMW Group Werk.

Der Roboter Figure 02 unterstützte dort innerhalb von zehn Monaten die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3. Fünf Tage pro Woche, jeweils zehn Stunden pro Schicht, entnahm und positionierte er Blechteile für den Schweißprozess. Über 90.000 Bauteile bewegte er in dieser Zeit, legte rund 1.250 Betriebsstunden und etwa 1,2 Millionen Schritte zurück.

Das Ergebnis: Figure 02 konnte präzise, wiederholgenaue Arbeitsschritte wie das millimetergenaue Positionieren von Komponenten zuverlässig ausführen. Gleichzeitig lieferte der Pilot wertvolle Erkenntnisse für den weiteren Ausbau von Physical AI in der Produktion. Dazu gehören angepasste Sicherheitskonzepte mit zusätzlichen Absperrungen und Trennwänden ebenso wie eine verbesserte 5G-Netzabdeckung in der Halle.

Humanoider Roboter Figure 02 im Einsatz im Karosseriebau US-amerikanischen BMW Group Werk Spartanburg.

Vom Labor in den Linienbetrieb:
Wie Figure 02 zum Kollegen wurde.

Der Übergang vom Labor in den echten Schichtbetrieb gelang schneller als erwartet. Bewegungsabläufe, die zunächst im Testumfeld trainiert wurden, liefen im Werk schnell stabil. Über standardisierte Schnittstellen band das Team Figure 02 in das BMW Smart Robotics-Ökosystem ein. So arbeitete der humanoide Roboter reibungslos mit bestehenden Systemen zusammen.

Für den Einsatz in der Testphase wählte das Projektteam in Spartanburg bewusst den Karosseriebau aus. Dort ist der Automatisierungsgrad bereits hoch, die Belegschaft kennt neue Technologien aus der Praxis und die Materialversorgung am Band läuft weitgehend über Smart Transport Robots. Frühzeitige Information über Ziele und Abläufe des Projekts sorgte für Transparenz – und aus der anfänglichen Neugier wurde schnell Akzeptanz: Schon bald war Figure 02 fester Bestandteil des täglichen Miteinanders in der Produktion.

Auf dieser Basis denken beide Partner weiter: Die BMW Group und Figure prüfen bereits, in welchen Einsatzfeldern der Nachfolger Figure 03 künftig zusätzlichen Mehrwert in der Produktion bringen könnte.

Mehr Entlastung, mehr Qualität, mehr Zukunft:
Was Physical AI bringt.

Ob in Spartanburg oder Leipzig: Im Zentrum der Physical-AI-Strategie der BMW Group steht der Mensch. Humanoide Roboter übernehmen monotone, körperlich belastende oder sicherheitskritische Tätigkeiten und schaffen Freiraum für das, was menschliche Arbeit ausmacht: Erfahrung, Urteilskraft und Kreativität im Umgang mit komplexen Prozessen.

So stärkt die BMW Group ihre Wettbewerbsfähigkeit und bleibt technologisch an der Spitze, ohne den Faktor Mensch aus dem Blick zu verlieren. Für Mitarbeitende zahlt sich das in besserer Ergonomie und zukunftsfähigen Jobs aus. Kundinnen und Kunden profitieren von einer flexiblen, stabilen und qualitativ hochwertigen Produktion. Und für die Gesellschaft zeigt das Beispiel, wie KI in der Industrie nicht gegen Menschen arbeitet, sondern gemeinsam mit ihnen die Produktion von morgen gestaltet.