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BMW während der Zeit des Nationalsozialismus.

In der Zeit des Nationalsozialismus wandelte sich BMW von einem Mobilitätsunternehmen zu einem Rüstungsunternehmen und wurde zu einem der wichtigsten Unternehmen in der deutschen Kriegswirtschaft. Motorräder und Automobile wurden weiterhin produziert, die Flugmotorensparte trug aber den Großteil des Unternehmensumsatzes. Im Zuge der Aufrüstung wurden neue Standorte erbaut und die Produktion massiv ausgeweitet. Im Krieg setzte die Unternehmensführung ohne moralische Skrupel Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ein, um die geforderten Produktionszahlen zu erreichen. Diese mussten unter grausamen Bedingungen schuften und viele starben an Hunger und Erschöpfung. An diesen Ereignissen trägt BMW einen erheblichen Teil der Verantwortung und hat sich bei diesem Verbrechen schuldig gemacht. BMW hat sich deshalb u.a. an Entschädigungszahlungen beteiligt und diesen dunklen Teil der eigenen Geschichte in zwei wissenschaftlichen Dissertationen untersuchen lassen. Die BMW Group setzt sich aktiv für eine offene und freie Gesellschaft und ohne Diskriminierung ein.

BMW R 75 Wehrmachtsgespanne

BMW R 75 Wehrmachtsgespanne.

Wandel zum Rüstungsunternehmen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 änderte sich das Geschäftsumfeld für BMW fundamental. Durch die energisch betriebene Aufrüstungspolitik des Dritten Reiches wandelte sich BMW zu einem der wichtigsten Unternehmen der deutschen Rüstungsindustrie. Um den vermehrten Auftragseingang für Flugmotoren und die Aufrüstung der Luftwaffe zu verschleiern, wurde der Flugmotorenbau von BMW 1934 in die BMW Flugmotorenbau GmbH ausgegliedert. Diese hundertprozentige Tochtergesellschaft war als GmbH nicht in demselben Maße wie eine AG zur Veröffentlichung ihrer Finanzen verpflichtet, sodass der enorme Zuwachs der Flugmotorensparte nicht in den Bilanzen der BMW AG auftauchte.

Die vom Reichsluftfahrtministerium (RLM) geforderten Stückzahlen konnte das Unternehmen allerdings nicht in seinen zwei bestehenden Werken München und Eisenach, zusätzlich zu der dortigen Produktion von Motorrädern (München) und Automobilen (Eisenach), liefern. Deshalb wurden 1936 bzw. 1937 die Werke München-Allach (heute MTU Aero Engines) und Eisenach-Dürrerhof mit erheblicher finanzieller Beteiligung des Reiches durch die staatliche Luftfahrtkontor GmbH errichtet. Beide Werke wurden von Beginn an als Schatten- bzw. Waldwerke geplant und dementsprechend getarnt.

Mit dem Auslaufen der Fertigung des flüssigkeitsgekühlten Flugmotors BMW VI 1937 wurde BMW neben der Siemens-Tochter Brandenburgische Motorenwerke GmbH (BRAMO) zu einem Hersteller von rein luftgekühlten Flugmotoren (BMW 132, ab 1940 auch BMW 801). Im Zuge dieser Festlegung auf luftgekühlte Motoren entstand 1938 eine Entwicklungskooperation mit BRAMO, die 1939 in den Kauf der BRAMO durch BMW mündete. Durch diesen Kauf gelangte BMW in den Besitz der Berliner Werke Spandau und Basdorf. Die Produktion des Bramo 323 „Fafnir“ wurde bis 1943 fortgesetzt.

1940 wurden die bestehenden Werke durch das Werk Zühlsdorf, welches dem Werk Basdorf gegenüber lag, ergänzt. Beide Werke wurden 1941 in der Niederbarnimer Flugmotorenwerke GmbH, Berlin zusammengeführt.

BMW fertigte in allen Werken Flugmotoren, die höchsten Produktionszahlen stammten dabei aus den Großserienwerken Allach und Dürrerhof.

 

Luftbildaufnahme des BMW-Werks Dürrerhof (Eisenach).

Luftbildaufnahme des BMW-Werks Dürrerhof (Eisenach).

Aus der Luft ist die Ausführung als Waldwerk gut zu erkennen.

BMW Werk Allach

BMW Werk Allach (München).

Neben der Lage am Waldrand diente auch der Anstrich der Produktionshallen der Tarnung.

Diese enorme Expansion des Unternehmens lässt sich auch aus den Geschäftszahlen ablesen: 1933 wurde bei 6.514 Mitarbeitern ein Umsatz von 35,56 Mio. RM erzielt, 1939 erreichte man einen Umsatz von 275,5 Mio. RM bei einer Mitarbeiterzahl von 26.918. Diese Zahlen sollten sich bis 1944 nochmals auf einen Umsatz von 750 Mio. RM und 56.213 Mitarbeiter steigern.

Die Produktion konzentrierte sich dabei auf die Flugmotoren BMW 132, Bramo 323 „Fafnir“ und den Doppelsternmotor BMW 801. Darüber hinaus wurde ab 1944 das Strahltriebwerk BMW 003 produziert. Neben den Flugmotoren produzierte BMW für die Wehrmacht Motorräder, wie die BMW R 75, und von 1938-1940 den Einheits-PKW BMW 325. Mit der staatlich verordneten Produktionseinstellung von Automobilen 1941 wurde BMW zu einem reinen Rüstungskonzern.

Fertigung von BMW 801

Fertigung von BMW 801 Flugmotoren.

Fremd- und Zwangsarbeit.

Mit der durch staatliche Rüstungsaufträge befeuerten Konjunktur entstand in Deutschland ab Mitte der 1930er Jahre ein enormer Arbeitskräftemangel. Um diesem zu begegnen, ging man dazu über auch Frauen einzustellen, obwohl dies der nationalsozialistischen Ideologie widersprach. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges führte zu einer weiteren Verschärfung der Situation, als viele Mitarbeiter zur Wehrmacht einberufen wurden. Um weiterhin die Produktionsvorgaben erfüllen zu können, wurden Ende 1939 erste polnische Kriegsgefangene in Eisenach eingesetzt. Darüber hinaus versuchte BMW Arbeiter aus den besetzten Gebieten oder aus verbündeten Ländern anzuwerben. Hierbei wurden besonders Arbeiter aus Westeuropa mit technischen Vorkenntnissen bevorzugt. Diese sogenannten „Fremdarbeiter“ hatten den deutschen Arbeitern vergleichbare Rechte und Anspruch auf soziale Leistungen.

Arbeiter aus West- und Südeuropa wurden meist besser behandelt und bezahlt als Polen oder sogenannte „Ostarbeiter“. Die Arbeits- und Lebensbedingungen unterschieden sich dabei je nach Herkunft erheblich. Aber auch die „Fremdarbeiter“ verloren im Laufe des Krieges ihre Rechte und Vergünstigungen, sodass der Übergang zur Zwangsarbeit schleichend erfolgte. Sämtliche Zwangsarbeiter hatten unter mangelhafter Verpflegung als auch unzureichender Unterbringung zu leiden, was sich im weiteren Kriegsverlauf noch drastisch verschlimmerte.

KZ-Häftlinge in Allach

KZ-Häftlinge in Allach.

Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau in der Endkontrolle der Flugmotorenfertigung in Allach. Die eingesetzten KZ-Häftlinge waren in einem eigens errichteten KZ-Außenlager interniert.

Ab 1941 wurden Strafgefangene der SS und ab 1942 KZ-Häftlinge bei BMW eingesetzt. Die Werke Allach und Dürrerhof besaßen hierzu eigene KZ-Außenlager. Ende 1944 waren rund 29.000 Zwangsarbeiter bei BMW beschäftigt, mehr als 50 Prozent der gesamten BMW Belegschaft. Ohne diesen massiven Einsatz von Zwangsarbeitern wäre eine Serienfertigung nicht möglich gewesen. Sie mussten bis zu 12h am Tag arbeiten und besonders die „Ostarbeiter“ und KZ-Häftlinge hatten selbst bei nichtigen Vorfällen jederzeit mit Drangsalierung und Gewalt bis hin zum Tod zu rechnen. Die Todesraten unter den „Ostarbeitern“ und den KZ-Häftlingen lag deshalb signifikant höher als bei anderen Gruppen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verließ ein Großteil der überlebenden Zwangsarbeiter das zerstörte Deutschland. Mit ihrem Weggang verblasste auch weitgehend die Erinnerung an die erlittenen Schrecken und die an ihnen begangenen Verbrechen. BMW verdrängte wie die meisten deutschen Unternehmen lange die eigene Verantwortung an diesem Teil der Firmengeschichte.

Anfang der 1980er Jahre begann BMW das Thema Zwangsarbeit mit dem Buch „Vor der Schallmauer“ von Horst Mönnich erstmals aufzuarbeiten. Seit Ende der 1990er Jahre ist BMW Gründungsmitglied der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, die Entschädigungen an Zwangsarbeiter zahlte und sich bis heute der Aufarbeitung der Vergangenheit widmet. Darüber hinaus ließ BMW die Verwicklung des Unternehmens im Nationalsozialismus und im Besonderen in die Zwangsarbeit von unabhängigen Wissenschaftlern in zwei Dissertationsprojekten untersuchen.

Ort der Erinnerung.

Ab Juni 2020 können Besucher des BMW Museum in München in einem eigenen Ausstellungsraum erfahren, wie sich BMW mit dem Thema Zwangsarbeit im eigenen Unternehmen auseinandersetzt. Der sogenannte „Ort der Erinnerung“ bietet umfassende Informationen, Bilder, Berichte und historische Dokumente, die die Rolle der Bayerischen Motoren Werke als Rüstungsbetrieb und den damit verbundenen Einsatz von Zwangsarbeitern thematisieren. Auf diesem Weg soll nicht nur dieses dunkle Kapitel der Firmengeschichte aufgearbeitet, sondern auch informiert und aufgeklärt werden, um vergleichbares Unrecht in Zukunft zu verhindern.

Einige der ausgestellten historischen Dokumente sowie weiterführende Informationen können auch im BMW Group Archiv eingesehen werden. 

Die BMW Group ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung sehr bewusst und leitet besonders aus diesem dunklen Teil der eigenen Geschichte einen Handlungsauftrag für das eigene gesellschaftliche Engagement ab. So ist die BMW Group seit 2011 Partner des UN Intercultural Innovation Awards, eines Preises in Zusammenarbeit mit der UN-Initiative Alliance of Civilization. Mit diesem Preis werden jährlich Projekte ausgezeichnet, die sich dafür einsetzen, dass die Gleichberechtigung von Frauen gestärkt wird, benachteiligten Kindern ein Zugang zu Bildung ermöglicht wird und besonders für Projekte die versuchen Ungleichheiten durch interkulturellen Dialog abzubauen. Denn nur wer Verständnis für sein Gegenüber hat, kann Ressentiments abbauen. Deshalb wurde im Dezember 2019 die gemeinnützige Organisation „180 Grad Wende“ aus Köln für ihr Engagement gegen Radikalisierung und Hass mit diesem Award ausgezeichnet.

In Deutschland unterstützt die BMW Group aktiv die Integration, z. B. mit dem Projekt „Work here!“. Hier unterstützt die BMW Group seit 2015 in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit Flüchtlinge mit mehrwöchigen Trainings in verschiedenen Abteilungen. So bekommen die Flüchtlinge eine Orientierung, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert und welche Dinge notwendig sind. Seit 2016 haben mehr als 500 Flüchtlinge an diesem Programm teilgenommen.

Diese Wertschätzung und Unterstützung von (kultureller) Vielfalt spiegelt sich auch innerhalb des Unternehmens selbst wieder: Allein an den deutschen Standorten arbeiten Mitarbeiter aus 124 Nationen zusammen. Mit der 2011 erfolgten Unterzeichnung der Charta der Vielfalt hat sich BMW außerdem dazu verpflichtet, ein Arbeitsumfeld frei von Vorurteilen zu schaffen. Damit sind die Unternehmenswerte von BMW keine leere Worthülse, sondern werden aktiv mit Leben gefüllt.