Elektrisch über den Verkehr hinweg.

Das wär’s doch: Mit dem Elektro-Roller oder -Fahrrad einfach über das Verkehrschaos hinweg zu sausen. Wie diese Vision aussehen könnte, zeigt das in China entwickelte Hochstraßenkonzept „BMW Vision E³ Way".

Was ist, wenn in den Städten so gar nichts mehr geht? Wenn konventionelle Mobilitätskonzepte und der öffentliche Nahverkehr an ihre Grenzen stoßen und selbst für die wendigen, umweltfreundlichen elektrischen Zweiräder kaum noch Platz bleibt? Ganz einfach: Es braucht andere, unkonventionelle Lösungen – wie beispielsweise das Hochstraßenkonzept „BMW Vision E³ Way", das in der chinesischen Millionenmetropole Shanghai als Kooperation von der Tongji Universität und dem BMW Technology Office entwickelt wurde.

Hinter der kompliziert klingenden Vision stecken vor allem drei Ideen – oder eben auch drei „E“s, die für „elevated", „electric" sowie „efficient" stehen. Das heißt, durch die Verwendung von Hochstraßen über die bisherigen Straßen („elevated") schafft das Projekt zusätzlich Verkehrskapazität. Dabei sind die Hochstraßen oder auch „Skyways“ explizit nur für Zweiräder mit Elektroantrieb zugelassen („electric"). Die einfachen, modular und deshalb kostengünstig zu bauenden Hochstraßen schaffen eine schnelle sowie direkte Verbindung zwischen wichtigen Verkehrsknotenpunkten und sind damit die perfekte Alternative für Berufspendler auf einer Strecke von bis zu 15 Kilometern. Damit ist die Nutzung der Skyways nicht nur hinsichtlich der Kosten, sondern auch hinsichtlich der Fahrzeit sehr effizient („efficient“).

Emissionsfrei und sicher.

Mit den heutigen Radwegen hat das visionäre Konzept allerdings nicht mehr viel gemein: Die Fahrbahn ist überdacht, damit sie auch bei Wind und Wetter genutzt werden kann. Das Dach könnte mit Solarzellen ausgestattet werden und zusätzlich das Regenwasser sammeln, mit dem sich in heißen Städten wie Shanghai die Stecke tagsüber kühlen ließe.

Wer kein eigenes, für den Skyway zugelassenes Fortbewegungsmittel besitzt, kann sich an der Trasse ein Fahrzeug leihen. Und das lohnt sich. Denn die Hochtrasse ist über Rampen und Schleusensysteme an das normale Straßennetz, U-Bahnstationen oder andere Verkehrsknotenpunkte angebunden und macht das tägliche Pendeln nicht nur schneller, sondern auch sicherer. Eine automatische Geschwindigkeitsregulierung bis maximal 25 Kilometern pro Stunde soll das Unfallrisiko zusätzlich senken.

Das Besondere an dem entwickelten Konzept ist, dass die dafür vorgesehenen  Mobilitätslösungen auf zwei Rädern, wie E-Bikes oder das BMW Motorrad X2 City, bereits existieren. Es bliebe also nur noch, die neue Verkehrsebene zu realisieren – und für diese würde man nicht einmal zusätzliche Flächen benötigen. Durch den Einsatz automatisierter Videoüberwachungssysteme, künstlicher Intelligenz und die Integration in Smart City Ecosystems ließe sich der Verkehrsfluss zudem permanent optimieren.

Für Markus Seidel, der das BMW Group Technology Office in China leitet, ist der Vorteil des Konzepts, dass es sich grundsätzlich für jede Mega-City anwenden ließe. „In China werden im Jahr 2050 mehr als eine Milliarde Menschen in Städten leben“, sagt er. „Da wird das Land schon bald zum globalen Inkubator vieler Mobilitätsinnovationen.“

“Es ist unser Ziel, Nachhaltigkeit und neue Mobilitätskonzepte in den Städten voranzutreiben und zu einer höheren Lebensqualität beizutragen. Wir nutzen neue Technologien und unsere Kreativität um innovative Wege zu gehen – so auch mit dem Konzept „BMW Vision E³ Way“ bestätigt Dr. Gerd Schuster, Bereichsleiter Forschung, Neue Technologien, Innovationen bei der BMW Group.

Das Interesse anderer Megametropolen dieser Welt dürfte Shanghai auf jeden Fall sicher sein.