Ein DriveNow BMW steht vor einem Wohngebäude

Teile, fahre und genieße.

Lange glich die Innenstadt Mailands einem Zentrum für ungesunde Luft und drohenden Verkehrsinfarkt. Heute ist damit Schluss: Die junge Generation Italiens setzt auf Carsharing als neue Mobilitäts-Bewegung – und verbreitet das Lebensgefühl in ganz Europa.

Wer den Video-Raum der Verkehrsüberwachung in der italienischen Stadt Mailand betritt, der sollte dazu die schwungvolle Italienische Sinfonie des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy hören. Denn die Klänge ihrer Streichern und Bläsern untermalen den Fluss der Bewegungen, die Passanten und Fahrzeuge auf ihrem täglichen Weg durch die italienische Stadt vollführen: Der eine parkt sein Auto auf einem der zunehmend freien Parkplätze und geht zu Fuß weiter, die andere hat sich über das frisch geparkte Fahrzeug bereits per App informieren lassen, steigt ein und macht den Parkplatz wieder frei – während sie in ein anderes Viertel der Metropole fährt. Es ist ein Kommen und Gehen - ein nahezu reibungsloser Übergang von einem Fortbewegungsmittel zum anderen.

Bestätigt werden diese malerischen Eindrücke durch die Statistik: Kaum ein Auto, das im Kerngebiet der Mailänder Innenstadt unterwegs ist, bleibt hier länger als 15 Minuten stehen. Immer scheint schon irgendjemand zu warten, um das Gefährt zu übernehmen. Es ist fast wie eine Choreographie, die die sprichwörtliche italienische Leichtigkeit in eine fließende Fortbewegung übersetzt.

Möglich ist das vor allem, weil in der Innenstadt Mailands Carsharing-Angebote genutzt werden. „Ein eigenes Auto zu haben, ist bei uns kein Statussymbol mehr“, sagt der ehemalige Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia. Stattdessen steht ein engmaschiges Netz aus Carsharing-Diensten zur Verfügung. Mit bald 1.500 Fahrzeugen einer der größten Anbieter ist SHARE NOW, das gemeinsame Carsharing-Angebot der BMW Group und der Daimler AG.

Dass die 1,4 Millionen-Stadt mittlerweile der Trendsetter bei nachhaltiger Mobilität ist, liegt auch an konsequenter städtischer Regulierung. Mailand war lange wegen seiner schlechten Luft verrufen. In der Nähe des Doms einen Espresso genießen, Renaissance-Meisterwerke in der Pinacoteca di Brera bewundern oder entlang der luxuriösen Schaufenster in der Via Monte Napoleone bummeln – all das war wegen der Abgase und der verstopften Straßen lange Zeit kein Vergnügen. Über Generationen hatten die meisten Mailänder wie selbstverständlich auf eine eigene Motorisierung gesetzt: Man war stolz auf sein eigenes Automobil. Und: Es durfte gerne einen älteren Verbrenner haben  – wenn es nur Stil hatte. Abgase hin oder her.

Vor sieben Jahren kam es dann zur „cesura“, zu einem bemerkenswerten Einschnitt in der Stadtentwicklung. Weil der zunehmende Individual-Verkehr die Innenstadt immer wieder kollabieren ließ, verhängte die Verwaltung eine City-Maut. Fahrer müssen seitdem jedes Mal, wenn sie in die Kernstadt fahren, Geld bezahlen. Anfang 2019 wurden die Regeln noch einmal verschärft: Im gesamten erweiterten Stadtgebiet dürfen nun keine Dieselautos mehr fahren, wenn sie keinen Partikelfilter haben. Auch alte Benziner sind nicht mehr erlaubt. Das schaffte Abhilfe gegen den Smog - und öffnete den Markt für Carsharing.

„Für Menschen, die nur für ein oder zwei Jahre nach Mailand kommen, lohnt es sich gar nicht, ein eigenes Auto zu besitzen“, sagt Andrea Leverano, Managing Director von SHARE NOW Italy. „Jüngere Erwachsene vermieten ihre Wohnung über AirBnB, während sie sich selbst für eine gewisse Zeit in anderen Städten auf der Welt im Coliving einmieten.“ Für die junge Generation der Mailänder, so Leverano, sei es völlig natürlich, diesen Sharing-Ansatz auch auf das Fortbewegungsmittel anzuwenden. „Mehr als 35 Prozent unserer Nutzer sind jünger als 30 Jahre, digital kompetent und international orientiert“, betont Leverano.

Auf diese neue Form der Bewegung hat sich SHARE NOW Italy eingestellt: Es gibt beispielsweise keine großformatigen Plakate mit PS-starken SUVs. Stattdessen informiert das Unternehmen verstärkt in sozialen Medien und weist dabei nicht nur auf die Vorteile des Carsharing an sich, sondern auch auf wichtige Serviceangebote hin. „Dazu gehört vor allem eine App, die wir permanent am Puls der Zeit halten“, sagt Leverano. „Wir legen Wert auf eine hohe Usability. Die wichtigen Informationen müssen mit wenigen Klicks gefunden werden. Ist ein Wagen gerade auf dem Weg, erwarten unsere Kunden die Positionsdaten in Echtzeit.“ Auch der ökologische Aspekt spielt bei SHARE-NOW-Kunden eine große Rolle. 20 Wägen im Fuhrpark fahren elektrisch - und werden verstärkt nachgefragt. Der Anteil an Elektro-Fahrzeugen wie dem BMW i3 oder dem MINI Electric wird konsequent ausgebaut. 

Leverano denkt aber noch weiter und über die Stadtgrenzen Mailands hinaus. „Weil unsere Zielgruppe mobil agiert, wechselt sie besonders häufig den Wohnort. SHARE NOW sollte dann  schon in der neuen Stadt verfügbar sein.“ Und auch auf Flughäfen stehen Fahrzeuge der Flotte zur Verfügung. „Dafür“, so Leverano, „brauchen die Fahrer in ganz Europa nur einen Account.“ Und sind die Carsharing Angebote mal noch nicht verfügbar, dann werden die jungen Kunden zu Markenbotschaftern in eigener Sache, hofft der Manager. „Junge Menschen nehmen kein Blatt vor den Mund: Sie werden von Politikern und der Stadtverwaltung mehr Möglichkeiten zum Carsharing einfordern.“ Schließlich profitieren selbst die, die den Service nicht nutzen.