Tausche Parkplatz gegen Lebensraum.

Ein Projekt in Berlin stellt Bewohnern einen nachhaltigen und individuell zusammenstellbaren Mobilitäts-Mix zur Verfügung, als attraktive Alternative zum selten genutzten eigenen PKW. Zum Wohl von Lebensqualität und dem Erhalt von Mobilität in der wachsenden Stadt.

In Berlin gibt es ein Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“. Entstanden ist der Satz bereits vor rund 350 Jahren, als in der deutschen Hauptstadt Kartoffeln als Grundnahrungsmittel eingeführt werden sollten und sich die Berliner diesem Gericht verweigerten. Sie stellten schlicht fest: Ich esse nur das, was ich immer esse! Als sie die Kartoffel dann aber näher kennenlernten, sollten nur noch wenige Jahrzehnte vergehen und das Knollengewächs wurde in Deutschland zum Nationalgericht.

Die Geschichte ist deshalb interessant, weil sich die Skepsis gegenüber Neuerungen (nicht nur in Deutschland) bis heute erhalten hat. Das betrifft beispielsweise auch den Bereich der Mobilität: Hier gilt meist: Jedem Haushalt sein Fahrzeug! Alternativen werden kaum in Anspruch genommen. „Mobilitätsverhalten ist erlerntes Verhalten. Die meisten Menschen sind nicht gewillt, ihre eigene Einstellung zum Privat-PKW ohne einen Impuls von Außen infrage zu stellen“, erklärt Frank Hansen vom Center of Competence Urban Mobility der BMW Group. Im Center of Competence engagieren sich BMW Experten gemeinsam mit Städten und Kommunen für die Ausgestaltung urbaner Mobilität von Morgen.

In dem weltweit bislang einmaligen Projekt „Neue Mobilität Berlin“ (NMB) arbeiten Frank Hansen und sein Team gemeinsam mit Institutionen wie der Berliner Technischen Universität, zahlreichen Mobilitätsanbietern und der Stadt daran, Menschen die Möglichkeit zu geben, weiterführende und nachhaltigere Mobilitäts-Erfahrungen zu machen. Denn „erst wenn die Bewohner verschiedene Angebote ausprobiert und bewertet haben, können wir gemeinsam mit den Städten den nächsten Schritt gehen und eine sinnvolle, jeweils ‚passende‘ Infrastruktur vor Ort zur Verfügung stellen. So ist im Rahmen des Projekts beispielsweise geplant, einen Carsharing-Stellplatz in unmittelbarer Nähe von Bewohnern einzurichten, die ihren PKW abschaffen. Auch die Ladeinfrastruktur soll massiv ausgebaut werden.

Wie dringend das ist, zeigt ein Blick auf den Berliner Stadtteil Charlottenburg, wo das Langzeitprojekt vor zwei Jahren angelaufen ist: Hier leben schon heute bis zu rund 25.000 Menschen auf einem Quadratkilometer, Tendenz steigend. Ein nicht unerheblicher Teil der knappen Lebensflächen wird von mehr und mehr (eigenen) PKWs zugeparkt. Dabei wird ein großer Teil dieser Fahrzeuge selten wirklich gebraucht.

Allerdings können sich bislang nur Wenige mit dem Gedanken anfreunden, sich von einem eigenen Auto zu trennen und beispielsweise Sharingdienste zu nutzen. Ein Grund dafür: Weil Erfahrungen fehlen, fehlt auch die Nachfrage. Auch deshalb würden sich nachhaltige Angebote oft nur schleppend entwickeln, vermutet Hansen. Das Projekt hat deshalb vor allem das Ziel, „multimodale Mobilität“, also das Bereitstellen und Nutzen von Fortbewegungsmitteln je nach Situation und Laune, erlebbar zu machen. Nur so können Anfangshürden abgebaut, Begeisterung geweckt und wichtige Grundsteine für weniger persönliche PKWs auf den Straßen wachsender Großstädte gelegt werden.

Eine aktuelle Aktion dazu ist die „Sommerflotte 2018“ der NMB, bei der Fahrzeugbesitzer wie Gisela Burda ihr Auto für einen Monat stehen lassen und dafür kostenfrei ihren individuellen Mobilitätsmix nutzen. Vom BMW i3, der ihr über das BMW Carsharing-Angebot DriveNow zur Verfügung steht, bis zum E-Roller und zu verschiedensten Fahrrädern – inklusive unterstützender Apps mit Buchungs- und Ortungsfunktion. Denn so können die Tester schnell und quasi gleich „um die Ecke“ auf die Angebote ihrer Wahl zugreifen. „Im Rahmen der Kampagne bin ich zum ersten Mal mit einem Elektrofahrzeug gefahren. Technische Ausstattungen wie beispielsweise die Bremstechnik im BMW i3 haben mich nicht nur fasziniert, es hat auch schlicht Spaß gemacht, nachhaltig mobil zu sein und keine Parkräume mit dem eigenen Fahrzeug vollzustellen“, betont Burda. „Für viele Projektteilnehmer ist das Angebot offensichtlich ein ‚Augenöffner‘. „Es zeigt, wie bequem neue Formen der Mobilität sein können“, ergänzt Hansen.    

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Gisela Burda und Frank Hansen.