BMW i3 vor Windrädern

Die Summe der Möglichkeiten.

Mit Umsicht und intelligenten Konzepten können Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck an einzelnen Standorten deutlich minimieren. Markus Seidel, verantwortlich für Nachhaltigkeitsprojekte bei der BMW Group Forschung erklärt, wie das funktionieren kann.

Hallo Herr Seidel, die BMW Group hat in Garching bei München ein Forschungs- und Technologiehaus (FTH). Hier arbeiten Hunderte von Ingenieurinnen und Ingenieuren, Wissenschaftler und Forscher verschiedenster Fachrichtungen in Form eines großen „Think-Tanks“ gemeinsam an der Zukunft der Mobilität.

Der Begriff greift in unserem Fall zu kurz. Wir verstehen uns nicht nur als „Think-Tank“, sondern mehr noch als „Make-Tank“, denn neben zukunftsträchtigen Ideen und Konzepten geht es bei der BMW Group immer auch um die Frage, wie wir Innovationen so entwickeln, dass wir sie auf die Straße bringen können. Deshalb arbeitet das FTH bei vielen Zukunftsthemen auch mit Instituten, Hochschulen und sowie Start-ups zusammen.

Eines dieser zentralen Themen ist Nachhaltigkeit, das Sie sogar von zwei Seiten aus bearbeiten: Zum einen in Bezug auf Innovationen für künftige Fahrzeuge und Services der BMW Group. Und zum andern durch die Umsetzung sehr konkreter Maßnahmen bei Ihnen am Arbeitsplatz vor Ort in der Organisation.

Wir haben bei uns am Standort eine Situation, die vielen Unternehmen vertraut sein dürfte. Zum einen: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen jeden Tag zum Teil von weit her, müssen also regelmäßig fahren. Und zum anderen arbeiten wir in einem Gebäudekomplex, dessen Betrieb natürlich Heizenergie und Strom verbraucht. Vor rund einem Jahr haben wir uns vorgenommen, der „Leuchtturm“ in Sachen Nachhaltigkeit innerhalb der BMW Group zu werden. Ziel ist es, unseren CO2-Fußabdruck deutlich zu verringern und dabei Erfahrungen zu gewinnen, die wir dann an andere weitergeben können.

Wie gehen Sie dabei vor?

Zum einen können wir auf dem Vorzug aufbauen, dass unser Gebäude schon bei der Planung auf Nachhaltigkeit getrimmt wurde. Unser Gebäude ist gut isoliert und wir nutzen die Heizwärme einer Geothermie- sowie den Strom einer eigenen Photovoltaik-Anlage, die wir aktuell weiter ausbauen. Dazu kommen Einzelmaßnahmen, die sich in der Summe aber als sehr wirkungsvoll erweisen: So haben wir beispielsweise unser Lüftungskonzept geändert, um Energie zu sparen. Zudem wird das Licht automatisch abgeschaltet, wenn es nicht mehr gebraucht wird. So sparen wir jetzt schon den Jahresenergieverbrauch von über 25 Einfamilienhäusern ein. Außerdem achten wir auf den Rohstoffverbrauch und die Vermeidung von Abfällen. Einen ersten Erfolg haben wir alle täglich in der Hand: Kaffee aus Becher-Sharing-Systemen.

In Workshops haben Sie zudem erarbeitet, welche konkreten Vorteile Veränderungen bei der tagtäglichen Mitarbeiter-Mobilität bringen können …

… und das, ohne dass wir den Mobilitätskomfort einschränken müssen. Dieser Hinweis ist mir besonders wichtig, weil wir auf diese Weise deutlich mehr erreichen, als wenn wir Nachhaltigkeit verordnen würden. Es geht uns darum, intelligente Lösungen zu finden, die gerne genutzt werden. Das FTH ist prädestiniert dafür, weil hier viele Vordenker arbeiten, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auch in ihrer Freizeit beschäftigen. Deshalb fordern wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch immer wieder auf, eigene Überlegungen und Ideen einzubringen. Und die Vorschläge kommen dutzendweise. Mittlerweile veranstalten wir sogar Ideenwettbewerbe. Dazu kommen regelmäßige Kurzkonferenzen mit dem Top-Management, um Feedback zu den Ideen zu erhalten. Das motiviert zusätzlich.

Welche der Ideen sind bereits umgesetzt?

Wir setzen jetzt beispielsweise einen Null-Emissionsbus ein, um zwischen dem Forschungs- und Technologiehaus und dem Forschungs- und Innovationszentrum der BMW Group zu pendeln. Wir elektrifizieren unseren Fuhrpark und schaffen dazu Verbesserungen für das elektrische Laden von Mitarbeiterfahrzeugen  – beispielsweise durch eine deutliche Aufstockung der Ladestationen und mehr eigens dafür ausgewiesene Parkflächen. Denn wir gehen davon aus, dass Charge@Work generell ein Schlüsselerfolgsfaktor für das Thema Elektrifizierung ist. Für unsere Fahrradfahrer, die immer mehr werden, stehen Duschen und Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung. Und wir sind gerade dabei, ein Elektrofahrrad-Sharing-System zu pilotieren.

Welche grundlegenden Erfahrungen nehmen Sie mit?

Für die BMW Group ist klar, dass das Thema Nachhaltigkeit für unsere Premium-Fahrzeuge  und unsere Zukunft bedeutend ist. Deshalb wollen wir alle Aspekte rund um unser Kerngeschäft einbeziehen. Von der Rohstoffgewinnung bis zur Fahrzeugentsorgung, aber auch der Betrieb der Organisation selbst. Diese 360-Grad-Herangehensweise ist sehr wichtig. Leider stellen wir fest, dass viele Institutionen meist nur Einzelaspekte im Blick haben, statt des großen Ganzen. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung sind es meist nur Einzelprojekte, die gewürdigt werden und nicht die gesamtheitlichen Konzepte, obwohl sie eine hohe Gesamtwirkung haben. Dabei ist es das Zusammenspiel der Maßnahmen, das den Erfolg rechtfertigt. Wir wollen daran mitwirken, dass dieser Gesichtspunkt gerade bei Fragen der Nachhaltigkeit verstärkt in den Mittelpunkt rückt.