Ein Mann führt das Ladekabel der Wallbox in seinen BMW i3

Smarter Zug für Zug.

Nicht nur die Metropolen, auch mittelgroße Städte rüsten sich für die Zukunft und überarbeiten ihre Mobilitätskonzepte. Mithilfe der BMW Group und weiterer Unternehmen wird die Schweizer Stadt Zug gerade zur Smart City.

Die Stadt Zug entspricht in vielen Bereichen dem, was man sich unter einem alpenländischen Idyll vorstellt. Am Rand der Schweizer Berge gelegen, zwei Seen, wundervolle Kirschbäume und eine lebenswerte, mittelalterliche Kernstadt. Ein Wahrzeichen ist der Zyttum, von dem aus man eine mitreißende Aussicht auf das Umland hat. Aber Zug hat auch ein lebendiges und geschäftiges Zentrum. Nicht zuletzt geringe Unternehmenssteuern und eine gut ausgebildete Bevölkerung haben die 120.000-Einwohner-Stadt zu einem Anziehungspunkt für Wirtschaft und Industrie gemacht.

Auch V-Zug ist hier ansässig. Mitten in der Stadt produziert das Unternehmen Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Herde, Kühlschränke oder Dunstabzüge. Die Nachfrage ist so hoch, dass das Unternehmen, für das derzeit rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, deutlich wachsen will. Die Frage ist nur: Wohin? Denn der Platz ist begrenzt. Die einzig mögliche Variante ist das aufwendige Bauen in der Vertikalen und das Verlegen neuer Produktionsanlagen in ein mehrgeschossiges Gebäude, das nun in Angriff genommen wird. Ein zentrales Problem aber wird dadurch nicht gelöst: Wie soll die geschätzt um das Dreifache anwachsende Belegschaft an den Arbeitsplatz kommen, ohne die Stadt durch weiteren Verkehr zu belasten?

Ein Konsortium aus vier Unternehmen arbeitet derzeit gemeinsam mit Zug an einer Lösung. Ihr Konzept: Sie wollen die Stadt zu einer Smart City machen. Exemplarisch für all die anderen mittelgroßen Städte in der Schweiz, die mithilfe von Elektromobilität und Digitalisierung ihre zunehmenden Verkehrsprobleme in den Griff bekommen wollen. Neben V-Zug arbeiten das Beratungsunternehmen Deloitte, der Technologiekonzern SAP und die BMW Group intensiv an der konkreten Umsetzung der Vision einer „datengetriebenen und nachhaltigen Stadt der Zukunft“. Nun zeichnen sich erste Erfolge ab.

„Bei der Weiterentwicklung von Zug zu einer Smart City geht es zwar um nahezu alle öffentlichen Bereiche wie Gesundheit, Verwaltung oder Gebäude- und Energiemanagement. Vor allem aber bei der Mobilität von morgen hat unser Konsortium bereits deutliche Fortschritte erzielt“, erklärt Vanessa Reiser, Spezialistin New Mobility und Digital Services bei der BMW Schweiz AG. Einiges davon werde bereits im Herbst dieses Jahres „auf die Straße“ gebracht.

Dreh- und Angelpunkt dabei ist der Neubau von V-Zug und der erwartete Zuwachs an Mitarbeitern, von denen die meisten pendeln. Zusätzlich zu Produktionsanlagen und Dienstleistungsgebäuden für Forschungsinstitute und Start-ups soll ein smartes Parkhaus entstehen. Dafür stellt die BMW Group nicht nur 30 BMW i3 zur Verfügung. Die E-Fahrzeuge können und sollen auch in besonderer Weise genutzt werden: „Sie werden im Doppelbetrieb arbeiten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von V-Zug können sie abends für die Fahrt nach Hause und morgens für die Fahrt zum Arbeitsplatz nutzen. Untertags stehen sie dann allen Bewohnern und Touristen im Public-Car-Sharing-Betrieb zur Verfügung“, sagt Reiser. Um die BMW i3 und weitere Fahrzeuge möglichst optimal auszunutzen, werden zusätzlich Angebote für ein „Carpooling“ etabliert. Damit können sich beispielsweise Pendler, die eine ähnliche Fahrstrecke haben oder Bewohner, die eine Einkaufstour planen, ein Fahrzeug teilen. Sie sparend damit nicht nur Energie, sondern auch Platz auf den Straßen ein. Ein Zug-weites intelligentes Parkraummanagement wird ein zügiges und komfortableres Parken ermöglichen.

Koordiniert werden alle Angebote über eine von SAP entwickelte Plattform, in der Schritt für Schritt weitere Mobilitätsmöglichkeiten integriert werden. Dazu gehört beispielsweise eine optimale Verknüpfung von Automobilen, E-Bikes oder E-Scootern mit Vorschlägen zum Fahrweg und zum Parken und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Alle Services für eine nachhaltige und komfortabele Mobilität können bequem per App genutzt werden. Parallel zu diesen und weiteren Mobilitätsangeboten werden nach und nach aber auch zusätzliche Dienstleistungen etwa zur Gesundheitsvorsorge, zur Verwaltung, dem Energiemanagement oder dem Meldewesen integriert. Eine dafür benötigte Infrastruktur mit Datenbanken, Sensoren im öffentlichen Raum und intelligenten Vernetzungen ist bereits in Planung.