Eine Stadtkarte gegen sexuelle Belästigung.

Das indische Portal Safecity ermöglicht es, sexuelle Belästigungen auf einer Online-Karte einzutragen, um Orte sicherer zu machen. Dafür wurde die Initiative von der United Nations Alliance of Civilizations (UNAOC) und der BMW Group mit dem Intercultural Innovation Award ausgezeichnet. Wir haben mit Gründerin ElsaMarie D’Silva gesprochen.

Hallo Elsa, online über sexuelle Belästigung zu berichten – das erinnert an Social-Media-Kampagnen wie #MeToo.
#MeToo ist wichtig, weil es die Thematik der sexuellen Belästigung in die Öffentlichkeit trägt. Aber Twitter strukturiert die Daten nicht so, dass allgemeine Rückschlüsse gezogen werden können. Unser Portal Safecity erlaubt es, die Aussagen der belästigten Personen – der überaus größte Teil darunter sind Frauen – Orten zuzuordnen und andere statistische Aussagen über einen langen Zeitraum zu treffen. Mittlerweile verzeichnet Safecity mehr als 11.000 Meldungen aus über 50 Städten in Indien, Kenia, Kamerun und Nepal. Die hohe Zahl an Rückmeldungen und unsere Aufbereitung der Daten hat grundlegende Auswirkungen.

Welche zum Beispiel?
Wenn wir verlässliche, gut strukturierte Daten auf der Website gesammelt haben, können wir zum Beispiel Stadtverantwortliche damit konfrontieren, wo ihre Stadt besonders unsicher ist. Zeigen die Daten, dass in bestimmten Straßenzügen die sexuelle Belästigung zunimmt, können wir den Druck erhöhen, mehr Polizei zu schicken oder mehr Straßenbeleuchtung zu installieren. Ein anderes Beispiel sind Schulen. In besonders unsicheren Gegenden gehen wir gezielt auf Lehranstalten zu, damit das Thema sexuelle Belästigung verstärkt im Unterricht thematisiert wird.

Warum haben Sie das Projekt initiiert?
Sexuelle Belästigung vor allem gegen Frauen ist überall auf der Welt ein Thema. Indien hat dabei leider eine unrühmliche Führung übernommen. Ich lebe in Indien, ich kenne die Probleme hier und ich war überzeugt, dass ich aktiv werden muss.

Sie hatten die Möglichkeit in der Luftfahrt weiter Karriere zu machen. Ist es Ihnen schwergefallen, jetzt ein sozial engagiertes, aber finanziell unsicheres Projekt zu übernehmen?
Ich hatte das Gefühl, damit einen wichtigen Beitrag im Leben vieler Menschen leisten zu können. Auch, wenn wir damals noch kein Geld zur Verfügung hatten. Das kam erst nach und nach durch Stiftungen und CSR-Abteilungen internationaler Unternehmen.

War es schwer an Fördergelder zu kommen?
Wenn du ein gutes Produkt hast, das Menschen wirklich weiterhilft, dann unterstützen das viele Unternehmen. Denn sie wollen und müssen eine Mitverantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen übernehmen. Allerdings musst du erst einmal an die richtigen Kontakte in den Firmen kommen. Dabei helfen die Preise sehr weiter, die wir gewonnen haben. Vor zwei Jahren sind wir mit dem Intercultural Innovation Award ausgezeichnet worden, der von der United Nations Alliance of Civilizations (UNAOC) und der BMW Group vergeben wird. Wir sind ziemlich stolz, dass wir unter 1.200 Bewerbern aus aller Welt den 2. Platz erreicht haben. Das hat uns eine Menge der entscheidenden Kontakte gebracht. So wurden wir beispielsweise zum Global Media Forum nach Deutschland eingeladen und konnten weiteren Netzwerken beitreten.

Sollten Unternehmen über die Vergabe von Fördermitteln hinaus noch andere Möglichkeiten nutzen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen?
Aber sicher! Unternehmen beschäftigen mehr und mehr Frauen. Denn es ist erwiesen, dass heterogene Teams kreativer und besser arbeiten. Allerdings müssen Unternehmen auch sicherstellen, dass Frauen ihre Arbeit machen können, ohne etwa von Kollegen belästigt zu werden. Wir brauchen also interne Aufklärungs-Workshops, ein offenes Betriebsklima, in dem man solche Probleme ansprechen kann, und generell mehr Investitionen in unternehmensinterne Diversität.