Schmelzofen

Recycling bei über 600 Grad.

Im BMW Group Werk im niederbayerischen Landshut werden jedes Jahr über 100.000 Tonnen Aluminium verarbeitet. Das Werk zeigt, dass ein nachhaltiger Umgang mit dem Leichtmetall möglich ist.  

Aluminium ist Rekordhalter unter den Metallen: Es war lange Zeit wertvoller als Gold. Und es kann nur unter Einsatz enormer Energiemengen gewonnen werden. Dafür aber ist es mit einer Dichte von rund 2,7 g/cm³ rund dreimal so leicht wie Eisen, korrosionsbeständig und hochgradig stabil. Kein Wunder also, dass Aluminium ein idealer Werkstoff ist für den Automobilbau.

Im BMW Group Werk im niederbayerischen Landshut in Deutschland wird Aluminium eingesetzt, um Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und weitere Komponenten für neue BMW Premiumfahrzeuge und Motorräder zu gießen. Wichtig ist der Einsatz von Aluminium-Bauteilen auch für die Weiterentwicklung der Elektromobilität. Denn mit Leichtbau-Konstruktionen kann das höhere Gewicht der Batterien von Elektroautos kompensiert werden. „Täglich verarbeiten wir rund 500 Tonnen Aluminium“, sagt Dr. Stefan Kasperowski, Standortleiter des BMW Group Werks Landshut. Das entspricht dem Gewicht von jährlich 25 Eifeltürmen.

Allerdings ist nicht nur die Produktion, sondern auch die Verarbeitung von Aluminium aufwändig und energieintensiv. Die BMW Group arbeitet deshalb immer wieder an Ideen und Konzepten, um eine möglichst nachhaltige Herstellung seiner Gussteile zu gewährleisten. Unter anderem haben die BMW Ingenieure bereits vor sechs Jahren einen „Closed Loop“ für Produktionsschrotte aus dem Gießereiprozess etabliert: An jeder Gießanlage werden die Reststoffe der verschiedenen Bauteile so gesammelt, dass sich die Materialien mit ihren individuellen Zusammensetzungen nicht vermischen. So kann entstehender Aluschrott leicht eingeschmolzen werden, um ihn dann wieder für die Herstellung der gleichen Bauteile zu verwenden. Rund die Hälfte des in Landshut verwendeten Aluminiums stammt aus einem solchen Kreislauf.

Hinzu kommen spezielle Sparmaßnahmen wie eine um fast ein Fünftel erhöhte Energieeffizienz der über 600 Grad heißen Schmelzöfen. Möglich wird dies unter anderem durch ein Verfahren, bei dem Schmelzgut und vor allem die Brennerluft vorgewärmt werden. Aber die Verantwortung bei der Verarbeitung eines so hochwertigen Werkstoffes wie Aluminium macht bei BMW nicht am Werkstor halt. „Wir legen beispielsweise großen Wert darauf, dass die Rohstoffe für unsere Produktion umweltbewusst, sozial verträglich und ethisch verantwortungsvoll abgebaut werden“, betont Standortleiter Kasperowski.

Das Nachhaltigkeits-Engagement der BMW Group im Werk Landshut hat nun auch die Aluminium Stewardship Initiative (ASI) bestätigt. Die ASI ist eine international agierende Organisation, die von Umwelt- und Industrieverbänden, Aluminiumproduzenten und verarbeitenden Unternehmen getragen wird und sich für eine ökologisch und sozial verantwortungsvolle Wertschöpfungskette einsetzt. Nach gründlicher Prüfung ist laut ASI erwiesen, dass die Leichtmetallgießerei im Werk Landshut einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Werkstoff Aluminium verfolgt. Die Leichtmetallgießerei des Werks Landshut ist deshalb gemäß dem Nachhaltigkeitsstandard der ASI nach dem Kriterium „Material Stewardship“ zertifiziert worden. Und es soll noch weitergehen, betont Standortleiter Kasperowski: „Die BMW Group ist nun mit Aluminiumlieferanten und Recyclingpartnern im direkten Austausch, um die ASI-Zertifizierung ab der Fördermine sukzessive auf den gesamten Wertstoffkreislauf auszudehnen.“