Natur-Kautschuk.

Unternehmen, Umweltschützer und Menschenrechts-Organisationen haben in Vancouver ein wichtiges Signal gesendet: Sie haben den nachhaltigen Anbau von Natur-Kautschuk thematisiert, der für die Herstellung von Reifen verwendet wird.

Alle drei Jahre treffen sich mehr als 1000 Unternehmen, Umweltschützer  und Menschenrechtsorganisationen auf Einladung der internationalen Non-Profit-Organisation  FSC (Forrest Stewardship Council) und diskutieren fünf Tage lang über die aktuellen Herausforderungen nachhaltiger Forstwirtschaft. Ihr Ziel: Der Erhalt des Waldes – weltweit! Auf Initiative des FSC wurde jetzt in Vancouver erstmals auch der kontrollierte Anbau von Natur-Kautschuk thematisiert, der vor allem für die Herstellung von Reifen verwendet wird.  

Niels Angel und Vanessa Buchberger, die bei der BMW Group die Nachhaltigkeit im Lieferantennetzwerk verantworten, waren in Vancouver mit dabei und haben die Initiative aktiv unterstützt. Für die beiden steht fest: Der Anfang ist gemacht!

Warum setzen Sie sich ausgerechnet für Kautschuk ein?

Niels Angel: Natur-Kautschuk ist ein Material, das für die Herstellung von Reifen verwendet wird und für das wir – wie auch für alle anderen Materialien in unseren Fahrzeugen –Verantwortung übernehmen. Der Anbau von Natur-Kautschuk ist hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit nicht unkritisch. Es gibt Hinweise, dass auf den Plantagen gegen ökologische und soziale Standards verstoßen werden könnte. Das nehmen wir sehr ernst.

Ein Zertifikat sagt bekanntlich noch nicht viel aus. Warum legen Sie so viel Wert darauf, die Kautschuk-Plantagen vom FSC zertifizieren zu lassen?

Niels Angel: In Vancouver waren Umweltorganisationen wie der WWF und die Rainforest Alliance anwesend, aber auch Unternehmen wie Ikea, Apple, Tetra Pak oder die BMW Group. Ihr gemeinsamer Anspruch ist es, den Regenwald zu erhalten. Damit ist es allen sehr ernst, das war deutlich zu spüren.

Vanessa Buchberger: Wir arbeiten schon seit mehreren Jahren mit dem FSC zusammen. Für das Interieur des BMW i3 haben wir beispielsweise als erster Automobilhersteller ein FSC-zertifiziertes Eukalyptusholz auf den Markt gebracht, das zu 100 Prozent aus zertifizierter Forstwirtschaft stammt. Unsere Vision ist es, einen ähnlichen Standard auch für die Kautschuk-Plantagen zu erreichen.

Das ist offensichtlich nicht ganz einfach. Woran liegt das?

Niels Angel: Internationale Lieferketten sind extrem lang und undurchsichtig.

Das fängt damit an, dass über 80 Prozent des Kautschuks auf sehr kleinen Farmen angebaut wird. Bis zur Reifenproduktion ist es also ein langer, intransparenter Weg. Das macht die Bewertung der Nachhaltigkeit extrem schwierig.

Nachhaltiger Natur-Kautschuk ist aber eigentlich Thema der Reifenindustrie?

Vanessa Buchberger: Das mag vielleicht stimmen, doch letztlich sorgt die Automobilindustrie ja erst für die Nachfrage. Pro Auto werden etwa acht Kilo Natur-Kautschuk benötigt – und das ist nur die Erstausstattung, Winterreifen und Ersatzreifen noch nicht mitgerechnet. Damit ist die Reifenindustrie weltweit für 70 Prozent des gesamten Bedarfs an Natur-Kautschuk verantwortlich. Als Premiumhersteller wollen wir daher auch im Sinne unserer Kunden eine transparente und nachhaltige Lieferkette etablieren.

Niels Angel: In den letzten zwei Jahren haben wir unseren Einfluss als Kunde der Reifenindustrie schon genutzt. Jetzt fordern wir die Firmen aktiv auf, ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen und die Risiken in ihrer Lieferkette zu minimieren. Das ist der erste Schritt. Im nächsten Schritt werden wir dann gemeinsam mit dem FSC sowie anderen Unternehmen und Organisationen länderübergreifende Standards für die Lieferanten festlegen. Wenn uns das gelingt, haben wir viel erreicht.