Nachhaltiger Grip.

Der Bedarf an Naturkautschuk wächst weltweit. Vor allem in Reifen ist dieser Naturstoff unverzichtbar. Gemeinsam mit anderen Unternehmen und NGOs arbeitet die BMW Group deshalb seit langem an einer Verbesserung der Anbaubedingungen. Mit der Gründung der Global Platform for Sustainable Natural Rubber ist nun der entscheidende Schritt gelungen.

Wenn ein Fahrzeug nach Kriterien wie Qualität, Fahrfreude und Nachhaltigkeit produziert werden soll, dann gilt das von „Kopf bis Fuß“ – also auch für die Reifen und den darin enthaltenen Naturkautschuk. Gerade hier wird immer offensichtlicher, wie wichtig es ist, auf eine ökologische Produktion dieses Rohstoffs zu achten.

Naturkautschuk ist zwar ein nachwachsendes Produkt. Es wird aus der Pflanzenmilch der Kautschukbäume gewonnen. Aber das geschieht leider meist in Monokulturen in Südost-Asien. Und das auf einer Fläche von mittlerweile über acht Millionen Hektar, also ungefähr der Größe Österreichs. Zudem werden über 80 Prozent auf sehr kleinen Höfen angebaut. „Deshalb ist es schwierig für Reifenhersteller und deren Abnehmer, die jeweiligen sozialen und ökologischen Anbaubedingungen nachzuvollziehen“, sagt Vanessa Buchberger, zuständig für den nachhaltigen Einkauf der BMW Group. „Es muss verhindert werden, dass sich die Produktionsbedingungen von Naturkautschuk immer mehr der von Palmöl annähern und in den betroffenen Regionen zu schwierigen und undurchschaubaren sozialen und ökologischen Bedingungen führen“, fordert sie. Die BMW Group beziehe Naturkautschuk zwar nur indirekt, also über die Reifenhersteller. Aber Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette gehören zur Unternehmensphilosophie. Deshalb engagiere sich die BMW Group auch in diesem Bereich seit Jahren.

Naturkautschuk ist derzeit noch unersetzbar. Wegen seiner Natürlichkeit, seiner hohen Elastizität und seiner Widerstandsfähigkeit ist es für die Produktion von Schuhen oder Schnullern ebenso wichtig wie für Reifen. Allerdings ist die Reifenindustrie der mit Abstand größte Verwerter: Etwa drei Viertel des weltweit produzierten Naturkautschuks wird für die Reifenproduktion genutzt: Rund 20 Prozent eines Autoreifens bestehen aus Naturkautschuk. Das entspricht rund zwei Kilogramm je Reifen. Bei Flugzeugreifen liegt der Anteil sogar bei rund 80 Prozent. „Allein für die Fahrzeuge der BMW Group bedeutet das, dass wir jährlich rund 24.000 Tonnen Naturkautschuk für die Bereifung unserer Fahrzeuge benötigen – Ersatzreifen inklusive“, sagt Buchberger.

Seit dem Jahr 2015 hat sich die BMW Group darum bemüht, Reifenzulieferer zu mehr Nachhaltigkeit zu verpflichten. Gemeinsam mit anderen Unternehmen, Institutionen und NGOs arbeitet sie nun intensiv daran, Mechanismen zu schaffen, die eine Überprüfung der eingeleiteten ökologischen und sozialen Maßnahmen ermöglichen.

Nach einem Vorbereitungstreffen im Oktober ist es im März diesen Jahres nun (endlich) gelungen, nahezu alle Player der Naturkautschukverarbeitung zusammen mit Vertretern gesellschaftlicher Institutionen und NGOs an einen Tisch zu bekommen und auf einer Gründungsversammlung in Singapur die unabhängige Global Platform for Sustainable Natur Rubber ins Leben zu rufen. Initiiert wurde die Entwicklung der GPSNR von den CEOs des Reifenindustrieprojekts Tire Industry Project (TIP) des World Business Council für nachhaltige Entwicklung (WBCSD). Im WBCDS arbeiten über 200 weltweit führende Unternehmen zusammen, um Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeit voranzutreiben.

Aktuell beteiligt an der GPSNR sind über 40 Organisationen und Institutionen. Darunter vor allem Reifenhersteller, Lieferanten, die Automobilindustrie und NGOs, die sich international für die Umwelt und verbesserte Arbeitsbedingungen einsetzen. Die BMW Group ist als einziges Automobilunternehmen auch im Exekutivkomitee vertreten.

„Gemeinsam wollen wir jetzt ein ganzes Bündel an Aufgaben und Problemen angehen, die im Zusammenhang mit der nachhaltigen Herstellung von Naturkautschuk stehen“, betont Buchberger. Dazu gehören beispielsweise Regelungen für soziale Arbeitsbedingungen, für Landrechte, zur Korruptionsbekämpfung und für nachhaltiges Wassermanagement sowie deren Überprüfbarkeit. Auch haben sich alle Beteiligten verpflichtet, Initiativen gegen Entwaldung zu ergreifen sowie mehr Transparenz in die teilweise langen und komplexen Lieferketten zu gewährleisten.

Eines der ersten Ziele dabei ist es, Strategien und Ziele zu definieren. Zudem haben sich alle Gründungsmitglieder verpflichtet, verbesserte soziale und ökologische Bedingungen einzuhalten und auch bei Geschäftspartnern auf mehr Nachhaltigkeit zu drängen.