One Conference

Nachhaltiger Auftritt.

Dass Fußmatten vor allem aus Kunststoff bestehen, ist aus vielerlei Gründen sinnvoll. Aber muss dieser Kunststoff immer neu produziert werden? Ein junges BMW Team hat ein Konzept entwickelt, um das zu vermeiden.

Sie zählen zu den Dingen, die wir wenig beachten und viel mit Füßen treten: Fußmatten. Dabei gehören sie zu den wesentlichen Utensilien eines Fahrzeugs. Dank ihrer Widerstandsfähigkeit und „Aufnahmebereitschaft“ sorgen sie dafür, dass der Innenraum unter unseren Füßen sauber bleibt oder zumindest leichter zu reinigen ist. „Ein Problem aber ist, dass Fußmatten aus mehreren Materiallagen mit verschiedenen Kunststoffgemischen bestehen, die nicht mehr getrennt und recycelt werden können“, erklärt Anna Goldhofer.

Die 26-Jährige ist eine von drei jungen Expertinnen für Einkauf beziehungsweise Entwicklung, die sich bei der BMW Group zum Team „Polycycle“ zusammengeschlossen haben. Zusammen mit ihren beiden Mit-Initiatorinnen Lena Kupijai und Julia Graf hat sie sich zwei, sehr konkrete Ziele gesetzt: Erstens den Bedarf an neuem Kunststoff für Fußmatten auf möglichst null zu reduzieren und stattdessen Plastikmüll beispielsweise aus den Weltmeeren so aufzubereiten, dass er für die Produktion der Matten genutzt werden kann. Und zweitens einen Weg zu finden, wie bei der Produktion anfallende Reste und abgenutzte Fußmatten aus Altfahrzeugen wieder recycelt werden können.

„Natürlich muss die Matte weiterhin höchsten Anforderungen genügen. Aber ihre im Vergleich einfache Produktion ist ideal für weitere Schritte zu mehr Nachhaltigkeit unserer Fahrzeuge. Außerdem können wir Erfahrungen sammeln für einen noch deutlich umfangreicheren Plan: Unsere Vision ist, den gesamten Innenraum eines Fahrzeugs in einen möglichst geschlossenen Materialkreislauf überführen zu können“, sagt die 28 Jahre alte Lena Kupijai.

Um das Projekt voranzutreiben, nutzte das Team das Accelerator-Programm „Business for Purpose“ der BMW Group. Hier haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit, eigene Ideen und Initiativen so weiterzuentwickeln, dass sie im Unternehmen umgesetzt werden können. „Wir agieren dabei eine Zeit lang fast wie ein Start-up, mit dem Vorteil, dass wir auf der Unterstützung des Unternehmens aufbauen können“, sagt Kupijai.

Als „Start-up“ hat Polycycle bereits nach wenigen Monaten viel erreicht: Durch den Einsatz unter anderem von aus dem mehr gefischten Kunststoffnetzen werden bei Fußmatten für kommende Produktionslinien der BMW Group über 4.000 Tonnen Plastik eingespart. Das entspricht etwa 5,1 Millionen Liter Erdöl und erspart der Umwelt fast 90 Prozent des bei der Produktion normalerweise anfallenden Kohlendioxids.

Auch bei dem eigentlichen Ziel, alte Fußmatten zu recyceln und neue daraus zu gewinnen, ist Polycycle einen entscheidenden Schritt weiter. Das Team hat gemeinsam mit Herstellern Fußmatten entwickelt, die so aufgebaut sind, dass ein Kreislauf entstehen kann. Deshalb können nun auch Verschnitte, also bei der Produktion anfallende Überreste, vollständig wiederverwertet werden. „Aus technischer Sicht steht einer umfassenden Kreislaufwirtschaft für Millionen an produzierten Fußmatten nun also nichts mehr im Weg“, sagt Goldhofer. Doch noch muss eine weitere, hohe Hürde überwunden werden. Denn die alten Fußmatten sind weltweit verteilt und werden noch nicht gesondert gesammelt. Erst wenn auch hier eine Lösung gefunden ist, kann ein länderübergreifendes Recycling starten.

Präsentieren konnte Polycycle die Ergebnisse des Projekts auf dem One Young World Summit (OYWS) in London vor über 2.000 Teilnehmenden aus 190 Ländern. OYW ist eines der wichtigsten internationalen Treffen von jungen Talenten und Führungspersönlichkeiten, die die Zukunft aktiv mitgestalten und neu denken wollen. Zum Netzwerk gehören dabei auch Musiker wie Bob Geldof, der Friedensnobelpreisträger Professor Muhammad Yunus, die Primatenforscherin Jane Goodall oder die Schriftstellerin Jane K. Rowling.