Future Forum

Nachhaltige Öko-Power?

Wie umweltverträglich sind Batterien für Elektromotoren? Und wo kommen die Rohstoffe dafür her? Eine Diskussion mit internationalen Experten in der BMW Welt in München gibt wichtige Antworten.

Seit Oktober vergangenen Jahres veranstaltet die BMW Group regelmäßig ein Future Forum, bei dem Experten über nachhaltige Visionen zur Zukunft der Mobilität und die zu lösenden Probleme diskutieren. Eine der wichtigsten Themen dabei: die Leistungsfähigkeit und die nachhaltige Produktion und Entsorgung der Akkumulatoren in den Elektrofahrzeugen. Beteiligt an dieser Fachdiskussion waren Dr. Matthias Buchert (Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität Öko-Institut), Michael Baumann, Managing Director, TWAICE (Analyse-Software für Batterien), Dr. Matthias Dohrn, Senior Vice President Global Precious & Base Metal Services, Chemieunternehmen BASF sowie Andreas Raith, Leiter Batterietechnologie Projekt und Sören Mohr, Leiter Weiterentwicklung E-Antriebe - Stationäre Batteriesysteme - Battery 2nd Life (beide BMW Group).

Frage: Werden auch in Zukunft genügend nachhaltig gewonnene Rohstoffe für Elektrobatterien zur Verfügung stehen?

Matthias Buchert: Wir am Öko-Institut gehen davon aus, dass der Anteil batteriegetriebener Fahrzeuge in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Der Bedarf an Kobalt, Lithium, Nickel, Mangan und Graphit ist also hoch. Parallel dazu ist der Abbau dieser Rohstoffe aber oft mit ökologischen und sozialen Problemen vor Ort verbunden. Ein Beispiel ist das Gewinnen von Lithium aus Salzseen in Chile, Argentinien und Bolivien, weil es mit einer weiteren Verknappung des Wassers in der Region verbunden ist. Und beim Abbau von Kobalt können Verletzungen von Menschenrechten sowie Arbeits- und Umweltstandards nach wie vor nicht ausgeschlossen werden.

Matthias Dohrn: Problematisch ist die Situation auch bei Nickel, das zunehmend knapp wird. Auch dieser Rohstoff wird in Gegenden abgebaut, in denen unter anderem sichergestellt sein muss, dass nachhaltige Renaturierungsmaßnahmen eingeleitet werden, um die Landschaft zu schützen.

Andreas Raith: Die BMW Group beobachtet die Abbau-Situation sehr kritisch und zieht Konsequenzen: Lithium und Kobalt werden wir für unsere kommende Generation an Batterien selbst einkaufen. Dabei geht es uns nicht allein um die möglicherweise knapper werdende Verfügbarkeit, sondern auch um nachhaltige Förderbedingungen. Wir haben deshalb als wohl erster Automobilhersteller weltweit direkte Kontrakte mit nachweislich nachhaltig arbeitenden Minengesellschaften geschlossen. Zudem werden wir Kobalt aus dem Kongo wir in den kommenden Jahren nicht einsetzen, weil hier ein ökologischer und sozialer Abbau nicht gewährleistet ist. Parallel dazu bemühen wir uns gemeinsam mit anderen Unternehmen, die Situation nach und nach zu verbessern. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass Hunderttausende von Menschen und teilweise ganze Familien davon leben, auch in Zukunft artisanalen Bergbau betreiben zu können.

Frage: Wie nachhaltig ist die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge?

Sören Mohr: Bei der Produktion unserer BMW i Fahrzeuge setzt die BMW Group schon seit langem auf Ökostrom – beispielsweise auf Wasserkraft in der Karbonfaserfertigung und auf Windkraft in unserem Werk in Leipzig. Und auch in der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten versuchen wir maximal nachhaltig zu arbeiten.

Michael Baumann: Unabhängig von der eigentlichen Herstellung gilt: Eine Batterie ist erst dann nachhaltig, wenn wir eine möglichst hohe Qualität gewährleisten können. Denn nur so erreichen wir eine maximale Nutzungszeit und können Elektromobilität so ökologisch wie möglich gestalten.

Andreas Raith: Im Bereich Langlebigkeit haben wir bei der BMW Group sehr positive Erfahrungen gemacht. Unabhängig davon, ob die Elektrofahrzeuge von uns kommen oder einem anderen Fahrzeughersteller: Wir konnten bei fast allen elektrisch betriebenen PKW beobachten, dass die Batterien deutlich länger halten als ursprünglich erwartet. Das geht so weit, dass sie in der Regel mindestens über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs und darüber hinaus genutzt werden können.

Frage: Wie gut sind Elektrobatterien recycelbar?

Matthias Dohrn: Bei BASF haben wir dafür Analysen und Prognosen erstellt. Das Ergebnis ist eindeutig: Wir rechnen damit, dass die Recyclingquote der Bestandteile einer Batterie in zwei Jahren auf 72 Prozent und in fünf Jahren auf 97 Prozent gestiegen sein wird.

Sören Mohr: Batterien, die heute aus einem BMW oder MINI ausgebaut werden, haben in der Regel noch ein zweites Leben: Sie werden von uns weiter für stationäre Zwecke eingesetzt, selbst wenn das Fahrzeug längst nicht mehr auf der Straße fährt. Generell können wir schon heute einen Großteil der Rohstoffe aus den Batteriezellen zurückgewinnen. Allerdings rechnen wir erst  in den kommenden Jahren mit steigenden Zahlen für Batterien im Recycling, weil erst dann die ersten größeren Margen tatsächlich an ihrem Lebensende angelangt sind. Und bis dahin werden wir in der Lage sein, die Rohstoffe fast ausnahmslos wieder zurückzugewinnen.