Urban mobility

Nachhaltig entwickeln.

Die BMW Group ist Gründungspartner der Plattform „Urban Mobility“ des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT). Im Interview erklärt Christian Steiner, Konzernstrategie Nachhaltigkeit und Mobilität, die Vorteile dieser Initiative für die Entwicklung der Städte.

Hallo Herr Steiner, mit der Gründung von „EIT Urban Mobility“ will die Europäische Union die Mobilität in den Städten Europas deutlich verbessern …

... und wir wollen die EU dabei unterstützen. Als Fahrzeughersteller und Technologie-Anbieter haben wir Know-how rund um den Globus erworben. Wir können dazu beitragen, praktikable, komfortable, finanzierbare und ineinandergreifende Lösungen für unsere Städte der Zukunft zu entwickeln und umzusetzen. Innovative Lösungen alleine reichen aber nicht aus. Sie müssen eingebettet sein in Rahmenbedingungen, welche auf Nachhaltigkeit getrimmt sind, um ihre Vorteile für die Menschen und lebenswertere Städte zu entfalten. Uns ist wichtig, gemeinsam mit Städten ganzheitliche Lösungen zu skalieren, welche diese Wechselwirkungen abbilden. Mit der Gründungsveranstaltung von EIT Urban Mobility im November in Barcelona haben wir begonnen, passende Ideen und Konzepte dafür auszuarbeiten und einzubringen.

Warum engagiert sich die BMW Group so stark für die Weiterentwicklung der Städte?

Weil hier immer mehr Menschen leben wollen und es immer enger wird. Wir benötigen intelligente Ansätze, um den vorhandenen Raum sinnvoll zu nutzen. Nur so können wir die Lebensqualität in unseren Städten verbessern und zugleich auch die Mobilitätsqualität. Mit Engagements wie beispielsweise jetzt für EIT Urban Mobility wollen wir die langjährige Arbeit und Erkenntnisse des Kompetenzzentrums Urbane Mobilität der BMW Group nun auch verstärkt international einbringen.

Die BMW Group arbeitet bereits seit Jahren mit Städten rund um den Globus zusammen, um deren individuelle Probleme kennenzulernen und Lösungen auszuarbeiten.

Mit EIT Urban Mobility können wir nun zusätzlich eine Organisationsstruktur nutzen, auf der der Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen unterschiedlichen Partnern organisiert wird. An der Plattform sind 16 Städte, 18 Universitäten und Forschungsinstitute sowie 17 ausgewählte Industriepartner beteiligt. Und wir ziehen letztlich alle an einem Strang.

Mann hält Vortrag

Einige Ideen etwa zur Parkplatznot, zum Car Sharing oder dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs liegen bereits auf dem Tisch der Stadtverwaltungen. Warum fällt den Städten die Bewältigung der urbanen Mobilitätsherausforderungen so schwer?

Das liegt an der Art und Weise, wie Städte funktionieren und agieren: Oft werden dort auf politischen Druck schnell umsetzbare Einzellösungen für aktuelle Probleme präferiert. Eine gesamtheitliche und vor allem eine strategische Herangehensweise an die eigentlichen Ursachen kommt fast immer zu kurz und es werden stattdessen meist nur einzelne Symptome bekämpft. Dazu kommt noch das historisch gewachsene Verständnis von der Stadt mit ihrem Zentrum, um das sich alles gruppiert. Dabei könnte beispielsweise eine Stadt der Zukunft die Situation unter Umständen entzerren, wenn man sie als Region mit verteilten Satelliten begreift, die ihrerseits Wohn- und Arbeitsplätze, Bildungsstätten, Sportmöglichkeiten und kulturelle Angebote bereithalten. Aber gerade bei so grundsätzlichen Überlegungen wird der Vorteil der Plattform sichtbar: Hier arbeiten Stadtplaner, Wissenschaftler und Unternehmen wie die BMW Group in einem Konsortium zusammen, um umfassende Lösungen gemeinsam in die Tat umzusetzen.

Eine Dezentralisierung würde unter Umständen auch den öffentlichen Nahverkehr verbessern.

Ein Beispiel: Warum sollte man nicht zwischen den üblichen, radialen Strukturen des ÖPNV neue „On-Demand Mobility“-Angebote“ noch viel stärker unterstützen und fördern? Diese könnten die Angebotslücke im ÖPNV schließen! Und warum machen immer noch so wenig Städte den Weg frei für eine stärkere Bepreisung von Straßennutzungen und von knappem Parkraum?

Die BMW Group hat mit derartigen Ideen und Initiativen bereits Erfahrungen gemacht.

In Rotterdam beispielsweise haben wir gemeinsam mit der Stadt und weiteren Partnern ein Konzept entwickelt, bei dem Plug-in-Hybride, wo immer möglich, bei der Einfahrt in die Stadt automatisch auf elektronischen Antrieb umschalten: Lärm- und CO2-Emissionen machen an der Stadtgrenze also halt. Wir unterstützen auch moderne, nachfrageorientierte Anreizsysteme, zum Beispiel eine dynamische Bepreisung von Verkehrswegen oder Parkplätzen nach Flächenbedarf und Emissionen. In Berlin haben wir Konzepte erprobt, wie Bewohnern ein individuell zusammenstellbarer Mobilitätsmix zur Verfügung gestellt werden kann, der zur attraktiven Alternative zum eigenen Auto wird - gerade wenn es sich um ein älteres Fahrzeug mit womöglich noch hohen Emissionen. Was wir über EIT Urban Mobility erreichen wollen, ist das gemeinsame Denken, Vorgehen und Pilotieren auch revolutionärer Mobilitätsideen. Denn es gibt nicht nur bei uns eine Vielzahl von Blaupausen, die Teil der gesuchten Lösungen werden können.