Mobilität wird flexibler und individueller.

Wie werden sich unsere Verkehrsmittel ändern? Und wie stark werden wir sie nutzen? Zu Beantwortung dieser Fragen entwickelt ein Team um Dr. Irene Feige vom Institut für Mobilitätsforschung in München umfassende Szenarien.

Hallo Frau Feige, was sind die Aufgaben des Instituts für Mobilitätsforschung?
Wir wollen grundlegende Fragen zur Mobilität von morgen beantworten. So können wir einen Beitrag dazu leisten, langfristig eine nachhaltige Mobilität zu sichern. Dafür arbeiten wir intensiv mit renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit zusammen.

Das Institut für Mobilitätsforschung ist Teil der BMW Group. Trotzdem beschäftigen Sie sich umfassend nicht nur mit Automobilen und Motorrädern, sondern mit allen Arten der Mobilität. Sei es zu Wasser, zu Lande oder in der Luft.
Es gibt ja auch nicht nur die eine Mobilität. Wir müssen die Zusammenhänge sehen und herausarbeiten. Hinzu kommt: Die Mobilität ändert sich, denn Arbeitswelt und Lebensstile der Menschen wandeln sich teils drastisch.

Eine Konstante aber scheint bestehen zu bleiben: Wir werden weiter viel unterwegs sein.
Ja, das belegen unsere Statistiken. Die tägliche ‚Unterwegszeit‘ ist mit achtzig bis neunzig Minuten am Tag seit rund 100 Jahren weltweit verhältnismäßig stabil. Und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht grundlegend ändern.

Allerdings könnten berufliche Fahrten ausbleiben, weil die Menschen verstärkt im Home Office arbeiten.
Das ist schon richtig. Aber das wird durch ein Mehr an Freizeit-Mobilität wieder ausgeglichen. Was sich aber ändert ist die Wegstrecke, die die Menschen in dieser Zeit zurücklegen. Und die Zahl der Möglichkeiten, welche Mobilitätsmittel sie dabei wählen und vor allem: wie sie diese wann kombinieren.

Gibt es ein zentrales Thema, das die Mobilität von Morgen prägen wird?
Zentral wird auch in Zukunft der Wunsch und die Möglichkeit sein, flexibel und individuell unterwegs zu sein. Ein gutes Beispiel für mögliche Veränderungen in diesem Bereich sind öffentliche Verkehrsmittel: Warum sollte beispielsweise ein Bus den ganzen Tag dieselbe Linie abfahren, wenn die Nutzungszeiten unterschiedlich sind? Mit autonom fahrenden Flotten von Kleinbussen und Robotertaxen wird es möglich werden, Routen „live“ zu gestalten und die Menschen dort abzuholen und hinzubringen, wo und wann es für sie am sinnvollsten ist. Deutlich zunehmen wird in Regionen mit hoher Verkehrsdichte aber auch der Anteil derjenigen, die einfach zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad oder einem Scooter unterwegs sind. Städte in Nordeuropa aber auch New York haben hier eine Vorreiterrolle übernommen. In Dänemark zum Beispiel werden heute schon zwei Drittel der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Gibt es auch Mobilitätsangebote, deren Bedeutung sich nicht verändern wird?
Das gilt zum Beispiel für den Schienenverkehr. U-Bahnen, S-Bahnen und Züge sind sehr effiziente Verkehrsmittel. Zentrales Fortbewegungsmittel aber ist und bleibt das Automobil …  

… Aber zumindest in den Regionen mit hoher Verkehrsdichte sind die Straßen oft überfüllt!
Viele Staus lassen sich künftig durch die verbesserte Koordination der Fahrzeuge über elektronische Leitsysteme vermeiden. Außerdem werden die sich weiterentwickelnden Möglichkeiten und Vorteile zum Teilen von Fahrzeugen verstärkt genutzt. Hinzu kommt, dass sich die Belastung durch Fahrzeuge etwa von Logistikunternehmen und Zulieferern grundlegend reduzieren wird:  Wenn diese Verkehrsteilnehmer künftig mit den leisen Elektrofahrzeugen unterwegs sind, können sie den Großteil der Aufgaben auch nachts erledigen. Ähnliches gilt für Dienstleistungsunternehmen wie etwa die Müllabfuhr. Sie arbeiten zunehmend automatisiert und könnten so den Großteil ihrer Arbeit ebenfalls über Nacht ausführen.

Was bedeuten diese Szenarien für die Weiterentwicklung von Unternehmen wie der BMW Group?
Es wird wichtig bleiben, nicht nur an den Fahrzeugen der Zukunft zu arbeiten, sondern auch an der Effizienzsteigerung des Verkehrs generell mitzuwirken. Ein gutes Beispiel dafür ist die intensive Zusammenarbeit mit Städten zur Ausarbeitung von Infrastrukturlösungen, wie sie die BMW Group ja schon seit Jahren pflegt.