Mobilität während der Pandemie: weniger und anders.

Wie wirken sich Katastrophen wie die aktuelle Corona-Pandemie auf den Verkehrsfluss unserer Städte aus? Gibt es Mobilitätsgewinner und welche Schlussfolgerungen sollten die Städte ziehen? Eine aktuelle Studie der BMW Group gibt darauf Auskunft.

Im Mittelpunkt der Analyse „Urban Mobility / Regulation after Covid-19“ stehen die aktuellen Entwicklungen von Metropolen in China, den Vereinigten Staaten von Amerika sowie der Europäischen Union. Hier zeichnen die Datenexperten der BMW Group fast überall ein vergleichbares Bild: Seit Auftreten von Covid-19 ist das Mobilitätsverhalten der Menschen deutlich zurückgegangen. Im März beispielsweise um 48 Prozent. Mit über 80 Prozent machten sich die Auswirkungen beim Transport- und dem Flugverkehr am deutlichsten bemerkbar.

Aber auch der Rückgang bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs war, beziehungsweise ist eklatant: In allen Regionen ist die Zahl der Fahrten mit U-Bahnen oder Bussen um bis zu zwei Drittel zurückgegangen. Auf das eigene Fahrzeug hingegen wollten nur rund 46 Prozent verzichten. „In der Regel hängt diese Entwicklung damit zusammen, dass viele Menschen auf das gemeinsame Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel verzichten und auf andere Formen der Mobilität zurückgreifen. Der Gang zu Fuß und vor allem das Fahrradfahren stehen in Europa dabei im Mittelpunkt“, betont Monika Dernai, die für die Analyse verantwortlich ist. 

Mittlerweile zeige sich zwar wieder ein Trend hin zur Rückkehr zu normalen Mobilitätsmustern, sagt die BMW Expertin. Allerdings lassen sich aus den Daten noch weitere, aufschlussreiche Entwicklungen ablesen. Denn in allen Märkten scheinen die Erfahrungen der „Massenflucht“ aus den öffentlichen Verkehrsmitteln weiterhin zu einer Bevorzugung individueller Mobilität zu führen. Vor allem in den Vereinigten Staaten kommt hinzu, dass sich die Häufigkeit der Fahrten zum beziehungsweise vom Arbeitsplatz zugunsten von mehr Home Office-Lösungen verringern könnte. „In Europa hingegen ist die Präsenzkultur noch zu ausgeprägt, dass sich Home Office Arbeitsplätze schnell signifikant auf das Mobilitätsverhalten auswirken werden“, vermutet Dernai.

Gerade in Europa dürfte sich aber auch ein Trend verfestigen, der sich schon vor dem Ausbruch der Pandemie abgezeichnet hat: Städte werden ihre Anstrengungen Richtung Umweltschutz ausweiten. Denn die aufkommende Klimakrise und die (für Verkehr und Luftqualität) positiven Auswirkungen der aktuell deutlich reduzierten Mobilität haben den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit weiter verstärkt. Deshalb, so Dernai, werden in Europa beispielsweise Verbesserungen und Erweiterungen der Radverkehrsinfrastruktur deutlich beschleunigt umgesetzt werden. Erste Ansätze zeichnen sich schon heute ab. Zudem dürften Regelungen, die emissionsarme Fahrzeuge bevorzugen, verstärkt ins Blickfeld der Stadtverantwortlichen gelangen. Lösungen wie das E-Car-Sharing oder die Chancen durch automatisiertes Fahren und eine digitalisierte, intelligentere Verkehrsführung werden dann immer wichtiger.

Die aktuelle Analyse „Urban Mobility / Regulation after Covid-19“ ist Teil regelmäßiger Untersuchungen zum Mobilitätsverhalten in rund 25 Metropolen. Die Studien stehen den Städten als Diskussionsgrundlage für Experten- und Bürgergespräche zur Verfügung.