Mobil mit Weitblick.

Zu viele Fahrzeuge in den Städten können die Verkehrswege so belasten, dass die Mobilität der Menschen eingeschränkt wird. Besonders akut sind die Probleme in den Metropolen Chinas. Mit ReachNow CarPooling stellt die BMW Group den eigenen Mitarbeitern in China nun ein nachhaltiges Mobilitätskonzept zur Verfügung. Im Erfolgsfall kann dieses Modell auch in anderen Regionen Schule machen.

China ist in vielen Disziplinen Weltmeister. Und zu Recht stolz darauf. Über manche Entwicklungen freuen sich Einwohner und Gäste hingegen weniger: Rund ein Drittel der am meisten verstopften Metropolen der Welt liegen in China. Allein in der Hauptstadt Peking ist die Zahl der Fahrzeuge in den vergangenen Jahren um das Vierfache gestiegen. Heute sorgen 5,6 Millionen Autos dafür, dass die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit eines PKW bei nur noch 34 Stundenkilometer liegt. Oftmals dauert es bis 22 Uhr oder länger, bis der Verkehr wieder normal fließt. Kurz: Für Autofahrer in Chinas Metropolen gehört der Stau zum Alltag.

„Nur rund 1,3 Prozent der Bevölkerung Chinas hatte vor 20 Jahren ein eigenes Auto. Diese Quote ist bis heute auf 14 Prozent gestiegen“, sagt Joe Pattinson, der Leiter von Mobility Service bei BMW China. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Mit einem gestiegenen Einkommen wollen mehr und mehr Chinesen ein Auto für sich selbst besitzen – auch Einwohner der Großstädte. Wenn aktuelle Vorhersagen sich als korrekt erweisen und jeder zweite Einwohner einer Großstadt ein eigenes Auto fährt, wird das zu einem Verkehrskollaps führen. Zu viel Individualmobilität könnte dann sogar zu einem Stillstand des gesamten Verkehrs führen.

Eine Möglichkeit, dem drohenden Infarkt entgegenzuwirken, ist das effizientere Auslasten der Fahrzeuge. Car-Pooling ist dabei ein cleverer, aber mitunter auch kompliziert durchzuführender Ansatz. Denn Menschen, die sich schon länger kennen, müssen sich zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen. Sie teilen eine Anfahrt zur Arbeit oder bringen gemeinsam ihre Kinder zur Schule. Ein anderer Ansatz ist das spontane Organisieren von Fahrgemeinschaften via App.

Deshalb hat die BMW Group nun einen eigenen Service entwickelt. „ReachNow CarPooling“. Er ist verfügbar für die mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Peking, Shenyang und Shan Hai. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Technologie-Abteilung des Standortes China (DU-D-CN) und Brilliance, einem chinesischen Automobil-Hersteller. Beide haben sich zur BMW Brilliance Automotive (BBA) zusammengeschlossen.[AK1]

Allerdings ist das ein Ansatz, der „im Hinblick auf Wartezeit und das Matching der Fahrtgruppen Herausforderungen mit sich bringt“, betont Andy Liao, Mobility-Forscher der BMW Group Technik-Abteilung China. Häufig brauchen solche Services schlicht zu lange, um Fahrtgruppen zu vermitteln. Niemand will eine halbe Stunde oder länger herumstehen und warten, bis er von einem verfügbaren Auto eingesammelt wird. Manchmal kommt am Ende sogar überhaupt keine Fahrgruppe zustande.

Deshalb müssen Wege gefunden werden, wie der Service verbessert beziehungsweise intelligenter werden kann. Die BMW Gruppe entwickelt daher einen Algorithmus, der die täglichen Mobilitäts-Muster der eigenen Mitarbeiter am Standort China mit der Hilfe von Big Data „erlernt“.

Das System weiß dann basierend auf vergangenen Fahrten im Voraus, wohin Passagiere fahren und wann die Passagiere eingesammelt werden wollen. Mit Hilfe komplexer Berechnungen kann das System auch prognostizieren, welche Fahrer und welche Beifahrer eine Route zu einem ähnlichen Zeitpunkt teilen wollen. So kann „ReachNow CarPooling“ potentielle Fahrer und Mitfahrer zusammenbringen, noch bevor irgendein Mitarbeiter von BMW auch nur den Service aufgerufen hat, um eine Anfrage zu senden.

„ReachNow CarPooling“ bietet auch Vorteile für Menschen, deren Lizenz für die Nutzung des eigenen Autos in ausgewählten Bereichen der Stadt temporär ungültig geworden ist. In Peking beispielsweise dürfen Fahrzeuge, deren Registrierung mit bestimmten Ziffern endet, aus ökologischen Gründen an manchen Tagen nicht eingesetzt werden. Weil solche Richtlinien sich ständig ändern, ist es schwierig hier den Überblick zu behalten. Zudem ist es umständlich dann jedes Mal eine Alternative zu organisieren. „ReachNow CarPooling“ erinnert diese Nutzer deshalb jeweils einen Tag vor dem Fahr-Verbot an das Problem und bietet als Alternative andere Fahrzeuge aus dem eigenen Pool an.

Dass BMW Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun beim Pendeln zur Arbeit Verkehrsraum sparen und gleichzeitig die Umwelt schützen, ist aber nur der offensichtlichste Mehrgewinn von „ReachNow CarPooling“. „Die BMW Gruppe versucht auch, einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung zu erzielen“, sagt Byron Han, Vorsitzender der BBA Handelsgesellschaft. Denn haben Mitarbeiter mit der modernen Version der Mitfahrgelegenheit erst einmal positive Erfahrungen gemacht, ist zu erwarten, dass sie auch in ihrem Privatleben versuchen werden, Fahrten häufiger über Gemeinschaften zu organisieren. Auf diese Weise können sie eine führende Rolle übernehmen, eine intelligentere und nachhaltigere Mobilität in der Stadt zu etablieren.