Mit Wasserstoff in die Zukunft.

Rund 500 Gabelstapler im us-amerikanischen Werk der BMW Group in Spartanburg fahren mit Wasserstoff. Die Anschaffungen sind Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Niederlassung. Denn der Antrieb mit Wasserstoff ist hier sogar sinnvoller als ein Elektroantrieb.

Das Tanken ist im Werk der BWM Group in Spartanburg ist mitunter etwas Besonderes: Denn wer hier – im Gegensatz zur normalen Tankstelle – den Tankstutzen falsch ansetzt vernimmt sofort ein geräuschvolles „Pffft“. Und das zwar‘s. Mehr passiert nicht. Beziehungsweise: Mehr darf auch nicht passieren. Erst, wenn die Zapfsäule absolut fest und gesichert eingerastet ist, wird der Tankmechanismus aktiviert.

Das hat einen guten Grund: Denn der Wasserstoff, der in Spartanburg in die Tanks der dort eingesetzten rund 500 Gabelstapler und Schlepper gefüllt wird, steht unter einem Druck, wie er auch in über 3.500 Meter Wassertiefe herrscht – rund 350 Bar. Die exakte Koppelung beim Tanken ist also zwingend

Elektrisch betriebene Gabelstapler sind in der Industrie schon lange Standard. Gerade im Indoor-Betrieb liegen die Vorteile von sauberem Antrieb und der Vermeidung von Abgasen auf der Hand. Dass Gabelstapler aber nicht nur mit Batterie (oder gar mit Diesel) betrieben werden können, zeigt ihr Einsatz bei der BMW Group in South Carolina. Und er beweist auch: Ein wasserstoff- betriebener Flurfahrzeug ist umweltfreundlicher als sein batteriebetriebener „Zwilling“ - ohne an Leistungsfähigkeit einzubüßen.

Der Wasserstoff wird flüssig in das Werk Spartanburg geliefert. Rund 60.000 Liter passen in die Fässer, die neben dem Energie-Zentrum gelagert werden. Der flüssige Wasserstoff wird in einem Zerstäuber in einen gasförmigen Zustand gebracht, mit dem Gabelstapler und Schlepper betankt werden.

Denn äußerlich unterscheiden sich die Gabelstapler kaum. Doch die chemischen Prozesse, die sich im Innern der Fahrzeuge abspielen, sind grundverschieden. Statt auf den Zerfall von Elementen in Akkus zu setzen, verwandeln sich bei den neuen Gabelstaplern Wasserstoff und Sauerstoff zu Strom, Wärme und Wasser. Dieser Vorgang wird auch "kalte Verbrennung" genannt und bringt zunächst einige technische Herausforderungen für die Ingenieure mit sich.

„Die entstehende Wärme wird durch einen speziellen Umbau der Gabelstapler und Schlepper mit einem Lüfter abgeführt“, erklärt Cleve Beaufort, Energie-Manager für die Region Amerika. „Außerdem mussten wir die Fabrikhallen mit speziellen Gassensoren und Rauchmeldern ausstatten, damit durch die Wasserstoff-Behälter kein neues Sicherheitsrisiko entsteht.“

Die Maßnahmen haben sich gelohnt: Zum einen profitiert die Umwelt. Es müssen keine Akkus mehr produziert werden. Das Risiko entfällt, dass im Falle eines Lecks Batteriesäure auslaufen könnte. Auch müssen keine alten Akkus mehr entsorgt werden. Außerdem wird Zeit eingespart: Während der Tausch der Akkus 20 Minuten dauert und die gealterten Batterien in Deponien entsorgt werden müssen, ist es dank des Wasserstoff-Antriebs möglich, eine Einheit in nur drei Minuten zu betanken. So wird wertvolle Zeit in der eng getakteten Produktion gewonnen. Der Wasserstoff wird zudem größtenteils in „grünen“ Verfahren hergestellt. Über das Netzwerk des Herstellers Linde werden nachhaltige Ressourcen für den Gewinn des Wasserstoffes genutzt. 

Aber auch das Werk in Spartanburg profitiert. Zum einen, weil dank des schnellen Tankvorgangs die Fahrer ihre Fahrzeuge auch „spontan“ zwischen zwei Einsatzfahrten vollständig auftanken können. Und zum anderen, weil „wir durch den Wechsel zu Wasserstoff eine Menge Platz sparen konnten“, erklärt Beaufort: „Diese Fläche nutzen wir nun für Produktion und Logistik.“

Mittlerweile sind die Wasserstoff-Gabelstapler so zuverlässig im Einsatz, dass die positiven Erfahrungen nun auch an andere Werke der BMW-Group weitergegeben werden sollen.