BMW Werk Chennai

Leidenschaft beim Umweltschutz.

Die Wasserversorgung ist derzeit ein akutes Problem in Indien. Die BMW Group am Standort Chennai entwickelt deshalb neuartige Ansätze, um Wasser zu sparen und die Einstellung der Mitarbeiter langfristig zu ändern.

Wochenlange, nicht enden wollende Regenfälle, dazu Sturm und eine anhaltend hohe Luftfeuchtigkeit. Eigentlich ist das nichts, worüber man sich freut. Schon gar nicht, wenn man in Indien lebt: Monsun heißt hier das Wetterphänomen, und der Regen fällt noch intensiver, noch endloser aus als im Rest der Welt. Normalerweise, denn in den vergangenen Jahren war das anders. Drei Jahre in Folge hat der Monsun nun schon wesentlich weniger Regen gebracht als sonst. Die Folgen: Sinkende Grundwasserspiegel und Wasserknappheit. Vermögende Menschen decken sich mit teurem Tafel-Wasser aus den Supermärkten ein  während finanziell schwächer gestellte Personen sehen müssen, wo sie bleiben. Manche Schulen unterrichten nur noch jeden zweiten Tag, weil das Wasser für die Kinder fehlt. Dennoch, so berichten Betroffene, sei in der Bevölkerung lange noch nicht angekommen, dass man mit dem vorhandenen Wasser sparsam umgehen müsse.

Aber nicht nur die Politik ist zum Handeln aufgefordert. Auch die BMW Group spielt eine Schlüsselrolle. Sie betreibt im südostindischen Chennai am Golf von Bengalen ein hochmodernes Werk. Elf verschiedene BMW Modelle werden hier produziert, darunter die BMW 3 Serie, die BMW 5 Serie, die BMW 6 Serie Gran Turismo, die BMW 7 Serie, BMW X1, BMW X3, BMW X4, BMW X5, BMW X7 und MINI Countryman.

Die BMW Group will nun helfen, die Situation zumindest zu entschärfen - soweit dies für ein einzelnes Werk möglich ist. Dazu gehört nicht nur der bewusste, achtsame Umgang mit Trinkwasser, sondern auch die Sensibilisierung der Kollegen.

Thomas Dose, seit einigen Monaten Managing Director des Werkes Chennai der BMW Group, hat das Ausmaß erkannt und will das Problem auf verschiedenen Ebenen angehen. Er sagt: "Im Werk Chennai der BMW Group hat Nachhaltigkeit oberste Priorität. Deshalb sind alle Werksprozesse auf maximale Ressourcenschonung ausgelegt. In Chennai kann Wasserknappheit ein ernsthaftes Problem sein. Wir haben kontinuierlich an langfristigen Lösungen gearbeitet, um dem entgegenzuwirken und die Auswirkungen durch verantwortungsvolles Handeln zu minimieren. Wir können die Regenfälle zwar nicht kontrollieren, aber wir können beispielsweise versuchen, den Konsum intelligent zu lenken. Aber nicht nur das Management unternimmt Schritte, um mehr Nachhaltigkeit einzuführen. Auch die Mitarbeiter spielen eine wichtige Rolle: Sie können eine Haltung vorleben, die zu mehr Umweltschutz führt.“

„Wasser ist eine kostbare Ressource und dieses Jahr hatten wir eine schwere Dürre mit fast 200 Tagen ohne Regen. Viele der sieben Millionen Einwohner in der Stadt leiden“, konstatiert Ramakrishnan Muralidaran, Manager für Nachhaltigkeits- und Umweltthemen der BMW Group.

Das Werk selbst baut seine technischen Maßnahmen auf drei Säulen auf: Die Nutzung von Regenwasser, das Einsparen von Frischwasser und die Wasser-Aufbereitung. Für die Nutzung von Regenwasser sind über das gesamte Werksgelände verteilt Regenwasser-Auffangbecken installiert. Über 340.000 Liter Wasser können so gesammelt werden. Um den Frischwasserverbrauch zu reduzieren, wurden im gesamten Werk die alten, konventionellen Wasserhähne durch sensorgestützte Armaturen ersetzt, die den Wasserlauf automatisch stoppen, wenn sie keine Hand mehr registrieren.

Auch bei der Wasser-Aufbereitung ist das BMW Werk Chennai erfolgreich. Prozesswasser, das zur Produktion genutzt wird, kann nun in der werkseigenen Aufbereitungsanlage vollständig recycelt werden, um es anschließend wieder in den Prozess zurückzuführen. Und das beim Säubern anfallende Abwasser wird wiederaufbereitet, damit es für die Gartenarbeit genutzt werden kann:  „Das Werksgelände hat eine Grünfläche von insgesamt 7,7 Hektar - das entspricht ungefähr der Größe von zehn Fußballfeldern. Diese Fläche und weitere 2.000 Bäume in einem grünen Gürtel um das Werksgelände herum leiden genau wie die Bewohner der Millionenmetropole unter der Dürre. Sie müssen täglich bewässert werden, um zur nachhaltigen Kühlung des Bereichs beitragen zu können.“ Für die Zukunft sei außerdem geplant, das aufbereitete Wasser zur Spülung in den Toiletten einzusetzen.

Insgesamt haben alle drei Säulen zusammen dazu geführt, dass der Wasserverbrauch von Fast 42.000 Kiloliter in 2016 auf rund 29.000 Kiloliter in 2018 gefallen, also um mehr als 30 Prozent gesunken ist.

Aber nicht nur beim Wassersparen, auch in anderen Bereichen der Nachhaltigkeit will die BMW Group in Indien ein Vorbild sein. „Die Papierbecher im Kantinenbereich sind tabu, längst nutzen wir wiederverwendbare Porzellanbecher“, so Muralidaran. „Außerdem ermutigen wir die Mitarbeiter auf ihren Lebensmittelverbrauch zu achten: Jeden Tag zeigen wir die Menge der auf den Teller gelegten und dann doch nicht gegessenen Lebensmittel in der Kantine an. Mit diesem direkten Feedback hoffen wir, dauerhaft Sensibilität für Nachhaltigkeit zu wecken. Auch über den Arbeitsalltag hinaus.“

Für die Zukunft plant das BMW Werk in Chennai zusätzliche Maßnahmen, um die Umwelt noch effizienter zu schützen. Von derzeit 50 Prozent CO2-frei gewonnener Energie will das Werk in naher Zukunft auf 100 Prozent kommen. Dafür prüfen Experten derzeit eine Weiterentwicklung und Verbesserung der Solaranlage auf den Werksdächern.

Auch die Wasserknappheit der Region wird wohl weiterhin Thema mit hoher Priorität bleiben: Das Team der BMW Gruppe am Werk Chennai bereitet derzeit beispielsweise ein Injektionsbrunnenprojekt vor. Bei dieser Art von Brunnen wird kein Wasser entnommen, sondern im Gegenteil dem Boden gezielt zugeführt, um den Grundwasserpegel wieder zu normalisieren.