Dr. Carl Friedrich Eckhardt

Mehr Lebensqualität und bessere Mobilität.

In ihrer Strategie-Abteilung Urbane Mobilität arbeitet die BMW Group an einer lebensfreundlichen, nachhaltigen Mobilität für unsere Städte von Morgen. Dr. Carl Friedrich Eckhardt erklärt, welche Konzepte die meisten Vorteile bringen.

 

Hallo Herr Dr. Eckhardt, Sie sind Mitarbeiter der Strategie Urbane Mobilität der BMW Group. Trotzdem regen Sie an, dass ein Teil der Stadtbevölkerung, der ein Fahrzeug besitzt, es wieder verkauft. Das ist ein recht ungewöhnlicher Ansatz für einen Fahrzeughersteller …

Moment! Das soll keine simple Anregung sein - auch wenn die Idee zeigt, dass wir deutlich über das Fahrzeug an sich hinausdenken. Ich habe mit diesem Gedankenanstoß etwas anders, deutlich Konstruktiveres gemeint: Wir wissen, dass etwa die Hälfte der Menschen, die in Innenstadtquartieren wohnen, ihr Fahrzeug kaum nutzen und es auch eher als funktionales Fortbewegungsmittel ansehen. Wohlgemerkt, das gilt auch bereits für die Generation der heutigen PKW-Besitzer und nicht nur für die viel zitierten jungen Generationen. Wenn wir diesen Menschen also ein Angebot machen, bei dem eine hohe Verfügbarkeit an Automobilität weiterhin gewährleistet ist, ist allen geholfen. Wir setzen also darauf, den Willigen den Weg zu bereiten.

Sie spielen damit vor allem auf Carsharing-Angebote an.

Ja, ein Teil der Parkplätze könnte dann als privilegierter Abstellplatz für Carsharing-Fahrzeuge genutzt werden, ein anderer Teil steht für andere Verkehrsmittel oder als neu gewonnener Lebensbereich  zur Verfügung. Und das, obwohl die Bewohner weiterhin genauso mobil sein können wie bisher. Aber zurück zu Ihrer Frage: Uns geht es nicht darum, jemanden Aufzufordern oder Vorschriften zu machen. Wir entwickeln Angebote, die den Anwohnern und der Stadt zugutekommen, aber auch der BMW Group – eine Win-Win-Win-Lösung. Und der Ausbau von SHARE NOW ist ein Teil davon.

Sie gehen davon aus, dass dank derartiger Angebote sowohl die Lebensqualität als auch die Qualität der Mobilität in den Städten steigen kann – und dass trotz deutlichem Bevölkerungswachstums in den Städten.

Wir können den öffentlichen Raum nachhaltiger und sinnvoller nutzen. Ein Kernproblem des innerstädtischen Verkehrsflusses ist die Ineffizienz seiner Steuerung. Das begünstigt Staus und Parkplatzprobleme massiv. Diese Ineffizienz aber lässt sich eindämmen und beseitigen. Carsharing ist dabei nur ein Baustein. Ein zweiter Aspekt ist die Nutzung der Fahrzeuge in der Stadt. Gerade zu den Stoßzeiten sind rund 80% nur mit dem Fahrer besetzt. Deshalb könnten Einsitzer die individuelle Mobilität sogar stärken, weil sie bedeutend flächeneffizienter sind. Drittens ist auch Ride Sharing / Pooling ein Teil der Lösung, bei dem sich via App mehrere Personen koordinieren, um ein größeres Fahrzeug gemeinsam zu nutzen.

Sie gehen davon aus, dass wir unsere Bewegungsfreiheit trotz des Bevölkerungsanstiegs in den Großstädten nicht einschränken müssen?

Wenn wir eine ernstzunehmende, konsequente und anhaltende Veränderung erreichen wollen, werden wir das nicht mit der Aufforderung zum Verzicht schaffen. Wir müssen die Menschen weiterhin begeistern und die für sie passenden Angebote entwickeln. Die Möglichkeiten, die uns die von der BMW Group formulierte ACES-Strategie dafür geben, sind immens. Mit Angebotsinnovationen allein wird das allerdings nicht gelingen. Die Rahmenbedingungen müssen sich auch verbessern, weil insbesondere die Stadt- und Regionalplanung sowie die Art und Weise, wie Städte mit knappen öffentlichen Flächen umgehen, selbst Ursachen der Verkehrsprobleme sind.

ACES steht für Automatisiertes Fahren, Connectivity, Elektrifizierung und Services.

Richtig. Die Entwicklungen für eine nachhaltige Stadt der Zukunft haben bereits vor ein paar Jahren begonnen. Es gibt bereits sehr viele Fahrzeugmodelle, welche emissionsfreies Fahren ermöglichen. Und es werden immer mehr. Car Sharing ist in vielen Städten ebenfalls bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Allein mit diesen beiden Bausteinen kann eine Stadt schon einige Verbesserungen auf den Weg bringen.

Hinzu kommen die Chancen, die sich aus der Vernetzung der Fahrzeuge sowohl untereinander als auch mit Infrastrukturen ergeben. Oder nehmen Sie ein intelligentes Parkraummanagement, welches infolge der Digitalisierung den Autofahrern ein hochwertiges Versprechen ermöglicht, rasch einen Parkplatz zu finden, und mit der Eliminierung des Parkdrucks gleichzeitig auch der Allgemeinheit viel Gutes tut. Sie sehen, eine Stadt muss nicht auf autonomes Fahren warten, aber damit wird alles noch besser, keine Frage.

Zur nachhaltigen Umsetzung gehört natürlich auch Kommunikation und Austausch mit Politikern, Verwaltungen, den Verbänden, der Forschung und vor allem der Bevölkerung. Sie wollen deshalb das Denken „out oft the box“ weiter fördern.

Die BMW Group bietet dafür beispielsweise zahllose Veranstaltungen, Meetings, Workshops und Diskussionsrunden an – rund um den Globus. Denken Sie unter anderem an die BMW Group Dialogues, die uns immer wieder in Weltmetropolen führen, um über die Gestaltung der Städte von Morgen zu reden. Wir suchen aber auch die Kooperation mit Partnern aus Städten und Industrie im Rahmen der deutschen Plattform Urbane Mobilität oder dem europäischen EIT Urban Mobility