Menschen präsentieren Laufsteg-Mode aus Produktionsabfällen auf einer Bühne

Laufsteg-Mode aus Produktionsabfällen.

Die Schauspielerin Jutta Speidel kennt und genießt den großen Auftritt. Beim Bauhaus-Festival ihrer gemeinnützigen Initiative HORIZONT wusste sie die Produktionsabfälle, die ihr die BMW Group zur Verfügung gestellt hatte, daher auch perfekt in Szene zu setzen.

Als Rabia die Bühne betritt hört sie ihren Rock leise rascheln und knistern. Das findet sie lustig, doch Lachen ist in der Choreographie der kleinen Modenschau nicht vorgesehen. Trotzdem kann der 10-Jährigen jeder ansehen, wie sehr sie ihren Auftritt genießt und wie stolz sie auf ihre eigene Kreation ist – bestehend aus einer Radkappe, vielen Kabeln und Verpackungsfolien. Material, das ihnen die benachbarte Produktionsstätte der BMW Group in München zur Verfügung gestellt hat. Zwei Tage lang hat Rabia daran gearbeitet, zusammen mit den anderen Kindern, die so wie sie, mit ihren Müttern im HORIZONT-Haus leben.

Es ist ein offenes, modernes Haus im Norden von München, das den Frauen und ihren Kindern nicht nur ein bezahlbares Zuhause bietet, sondern auch ein vielfältiges soziokulturelles Angebot. Bereits vor über 20 Jahren gründete die Schauspielerin Jutta Speidel die gemeinnützige Initiative HORIZONT, die heute u.a. von der BMW Group unterstützt wird. Die Initiative, die seit ihrer Gründung mehr als 2.200 obdachlose Kinder und Mütter in ein selbstbestimmtes Leben begleitete, ist eine Herzensangelegenheit der 65-jährigen Schauspielerin. Aktuell sind 74 Frauen mit ihren Kindern in zwei HORIZONT-Häuser untergebracht.

Die kleine Werksstatt des neuen Hauses, das Restaurant sowie die Bühne für kulturelle Veranstaltungen sollen auch von den Anwohnern und ihren Kindern genutzt werden können. „Wir verstehen uns als Ort der Begegnungen“, betont Speidel. Und genau so war auch das Bauhaus-Festival anlässlich des 100. Bauhausjahres gedacht, zu dem Interessenten, Sponsoren und Nachbarn geladen waren. „Offen, experimentell und gestalterisch, das waren nicht nur die Männer der Bauhausbewegung. Viele tolle und kreative Denkanstöße kamen vor allem von den Frauen und haben bis heute Gültigkeit“, sagt Speidel, die für das Festival auch einige ihrer Kolleginnen, wie Carolin Fink oder Irina Wanke, in ihrem neuen Haus am Domagkpark begrüßen konnte.

Ein bisschen von dem Freigeist der Bauhäusler sowie deren Faible für rauschende Themenpartys bekam an diesem Wochenende auch Rabia zu spüren, als sie und die anderen Kinder in ihren Kostümen aus Kabeln und Verpackungsfolie die kleine Bühne des Horizont-Hauses verließen, um gemeinsam mit Jutta Speidel, den Zuschauern und Künstlern über den noch nicht ganz fertig gestellten Bauhaus-Platz vor dem Haus und schließlich durch den Garten zu tanzen.