Kunterbunte Weltverbesserer.

Die farbenfrohen Körbe aus Ghana, Uganda, Madagaskar und Bangladesch sind weit mehr als ein Gruß aus fernen Ländern. Jedes der kunstvollen Handarbeiten erzählt auch die persönliche Geschichte der Frau, die sie hergestellt hat – und die die Chance nutzt, mit ihrer Arbeit der Armut zu entkommen.

Jeder einzelne Korb ist etwas Besonderes, keiner ist wie der andere, jeder ganz individuell. So wie die Frauen, die sie hergestellt haben. Sie heißen Memuna, Immaculate, Shuchitra oder Nirupama Saha, kommen aus Ghana, Uganda, Madagaskar und Bangladesch und sind bitterarm. Jedem Flechtwerk ist ein Foto der Weberin beigefügt, ein kleiner Text mit ihrer ganz persönlichen Geschichte und die Möglichkeit, mit ihr über eine geschützte Onlineregistrierung in Kontakt zu treten.

Es sind positive, starke Geschichten, die Mut machen und den Frauen Respekt zollen, weil sie eine Chance bekommen haben – und diese auch nutzen. Theresa Carrington, die das Blessing Basket-Projekt 2002 gründete, weiß was es heißt, arm zu sein, Entbehrungen zu erleben und auf sich selbst gestellt zu sein. Das war ihre Kindheit. Doch die US-Amerikanerin hat auch erlebt, was es heißt, den Menschen um sie herum nicht gleichgültig zu sein. Und so waren es vor allem die Briefe von Freunden und Bekannten, die ihr vor Jahren aus einer Lebenskrise halfen und sie ermutigten weiterzumachen. Diese Anteilnahme und Fürsorge, die sie in jener Zeit umgab, habe sich für sie angefühlt wie ein „blessing basket“, erinnert sie sich. Eine Erfahrung, die sie wenig später weitergeben wollte und mit der sich – davon ist sie zutiefst überzeugt – auch die Armut in der Welt bekämpfen lässt. Über eine Onlineplattform vernetzte sich die ehemalige Journalistin und erhielt für ihre Idee schnell überall auf der Welt Zuspruch.

The Blessing Basket Project war geboren, mit einem simplen, aber wirkungsvollem Programm, in dem die Frauen ein Handwerk erlernen, wie beispielsweise das Körbe flechten. Durch den Verkauf ihrer Fair-Trade-Produkte erhalten sie eine bis zu sechsmal höhere Bezahlung als normalerweise üblich. Das Geld soll den Frauen als Startkapital dienen, mit dem sie nach etwa drei Jahren und zusätzlichen Schulungen selbst ein Unternehmen gründen und führen können. So wie Memuna aus Ghana, die mit einem eigenen Lebensmittelladen nicht nur eine solide Lebensgrundlage für sich und ihre vier Kindern geschaffen hat, sondern mit weiteren Läden auch noch fleißig expandiert.

Carrington erkannte schnell, dass sie mit ihrem Projekt vor allem die Einstellung der Männer zu den Frauen änderte. „Handarbeiten sind in den meisten Ländern der Welt Frauen vorbehalten. Als Teilnehmerinnen des Blessing Basket-Programms verdienen sie damit aber plötzlich Geld und tragen zum Lebensunterhalt bei“, sagt Carrington. „Das steigert das Ansehen der Frauen. Die Männer hören auf sie zu bedrohen und ihre Töchter zu verkaufen – und beginnen stattdessen, sie zu unterstützen.“ Acht Männer hat Carrington in Bangladesch schon in ihr Programm aufgenommen.

„Es sind die kleinen Dinge, mit denen sich die Welt verbessern lässt“, sagt Carrington. Mit ihrem non-profit Projekt The Blessing Basket erreicht sie schon heute mehr als 3.500 Handwerkerinnen in sieben Ländern. Doch das ist erst der Anfang. Carrington hat noch viel vor und sie weiß, die Kommunikation und Öffentlichkeit zu nutzen. Allein durch den Verkauf der Handarbeiten stellte sie über das Internet in aller Welt mehr als 160.000 Kontakte zwischen den Weberinnen und deren Kunden her. Als sie sich 2016 mit ihrem Projekt für den Intercultural Innovation Award bewarb, tat sie auch das sehr bewusst, um ihr Projekt, wie sie selbst sagt, „auf eine neue Flugbahn zu heben“. Der von der BMW Group und der United Nations Alliance of Civilisations (UNAOC) verliehene Award, mit dem sie auch auf ihrer Homepage (www.blessingbasket.com) wirbt, ermöglichte es Carrington, ihre Idee „der kleinen Gesten“ in der Welt zu verbreiten. Sie wurde zu Seminaren und zu Podiums-Diskussionen eingeladen, sprach bei der BMW Group vor mehr als 2.000 Menschen, erhielt Standing Ovations und entwickelte ihre Idee zügig weiter. Um künftig noch mehr Frauen die Chance zu geben, auf eigenen Beinen zu stehen, wird sie demnächst neben Körben, Rucksäcken, Schürzen und Kaffee auch Schals und Tücher aus Indonesien ins Angebot nehmen und über ihren Online-Shop sowie auf den Märkten und in der Umgebung ihrer Heimatstadt St. Louis, Missouri, anbieten. Und auch die neuen Artikel werden die Handschrift einer Frau tragen, die Mut hat und Hoffnung macht.

Weitere Informationen zum Intercultural Innovation Award finden Sie hier: https://interculturalinnovation.org/the-award/about-the-award/