Milchbauer in Sambia steht neben seinem Fahrrad

In Bewegung setzen.

Durch die Initiative micromobility werden Milchbauern in Sambia Kleinstkredite zum Kauf von Fahrrädern zur Verfügung gestellt. So können sie ihre Milch zu den Molkereien bringen. Initiiert und durchgeführt wird das Projekt von drei Mitarbeitern der BMW Bank.

Sambia ist eines der ärmsten Länder der Welt. Mehr als die Hälfte der insgesamt rund 17 Millionen Einwohner muss von wenigen US-Dollar pro Tag leben. Jeder zweite gilt als unterernährt. Trotzdem versuchen die Menschen in dem im südlichen Afrika gelegenen Binnenland mit viel Engagement, ihre Lage zu verbessern. Dazu gehören auch Milchbauern rund um die Hauptstadt Luska. Viele von ihnen haben zwar Land und eine eigene Kuhherde. Um die täglich produzierte Milch zu verkaufen, muss sie aber auf schnellstem Weg zur Molkerei gebracht werden – denn ohne Kühlung und Weiterverarbeitung verdirbt frische Milch in dem tropischen Klima innerhalb weniger Stunden. Viele der Bauern und ihre Familienmitglieder müssen sich deshalb Tag für Tag auf einen langen Fußmarsch über staubige und nicht befestigte Straßen machen. LKWs, Autos oder Motorräder haben sie nicht. Und selbst Fahrräder können sich die Bauern in der Regel kaum leisten.

Hier setzt die Idee des BMW-Projekts „micromobility“ an, das von Florian März, Vittorio Guerrero Mercado und Kilian Kaiser entwickelt und durchgeführt wird. Die Mitarbeiter der BMW Bank in München haben ein System aufgebaut, wie sich die Milchbauern vor Ort durch sogenannte „Mikrokredite“ die dringend benötigten Fahrräder finanzieren können. Mikrokredite sind Kleinstkredite, die von Banken normalerweise gar nicht bearbeitet geschweige denn bewilligt werden.

Über ein von dem jungen Team aufgebautes und mit Mitteln der BMW Group abgesichertes System erhalten die Bauern nun einen Kleinstkredit für spezielle Fahrräder, der in der Regel innerhalb eines Jahres zurückgezahlt werden kann. „Weil die Effektivität beim Transport um 25 bis 30 Prozent steigt, erhöht sich auch das Einkommen der Farmbetriebe deutlich, was die Tilgung erleichtert“, sagt Florian März.

Die Fahrräder werden vom weltweit für sein soziales Engagement anerkannten World Bicycle Relief produziert, einer internationalen Hilfsorganisation, die Menschen in ländlichen Entwicklungsländern eine größere Mobilität ermöglichen will. „Die Räder sind einfach gehalten, aber speziell auf die Situation vor Ort ausgerichtet“, erklärt März. Sie sind im Vergleich zu herkömmlichen Rädern deutlich robuster, um Schlaglöcher und steinigen Boden zu überstehen, die Tragkraft allein des Gepäckträgers liegt bei 100 Kilo, um auch größere Mengen transportieren zu können. Außerdem sind Lager und Getriebe so ausgelegt, dass sie durch den Staub auf den Wegen nicht geschädigt werden. „Wir wollten die Gewähr dafür haben, dass das Fahrrad trotz intensiven Gebrauchs auch nach Jahren noch im Einsatz sein kann“, ergänzt Vittorio Guerrero Mercado.

Die Rückzahlung der Raten hat das Team so einfach wie möglich organisiert: Die Molkereien behalten einen kleinen Teil der Erlöse, den die Bauern bei Milchverkauf an sie erzielen ein und führen das Geld dann direkt an ihren Dachverband Dairy Association of Zambia (DAZ) ab, der seinerseits den Nachweis dafür führen muss, dass die Gelder korrekt abgerechnet werden. Genutzt wird dafür unter anderem ein Tool, das von der schwedischen Botschaft in Sambia entwickelt und verantwortet wird. Über diese Software werden vor allem betriebswirtschaftliche Geldbewegungen im Molkereiwesen genau abgebildet.

„Im Moment starten wir mit rund 100 Fahrrädern, die über Mikrokredite finanziert werden“, betont Kilian Kaiser. Sobald aber diese 100 Räder gekauft und dann – idealerweise nach einem Jahr – die Kredite abgezahlt sind, steht das Geld wieder für neue und jährlich weitere „Runden“ zur Verfügung. Auf diese Weise soll ein Kreislauf in Gang gebracht werden, der später immer mehr Bauern das Nutzen von Fahrrädern ermöglicht.

Geht es nach dem BMW Team, soll damit aber noch kein Endpunkt erreicht sein. „Wir wollen ein System in Bewegung setzen, um mit Hilfe von Mikrokrediten Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagt Kaiser. Dass es im Moment Fahrräder für Milchbauern in Sambia sind, sei ideal. Letztlich gehe es aber vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln, damit in Zukunft auch weitere Ideen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BMW Group oder anderer Unternehmen effektiv umgesetzt werden können.