Geteilt und geparkt.

Staus und Smog sind in China nicht das einzige Problem. Ein weiteres sind die Parkplätze – ohne die auch das CarSharing nicht funktioniert. In der 14 - Millionenstadt Chengdu setzt die BMW Group daher jetzt mit einer neuen Elektro-Flotte auf andere Lösungen.

In China teilt man gerne, auch Fortbewegungsmittel. Den Anfang machten die Fahrräder. Innerhalb weniger Monate stapelten sich die orangenen, limettenfarbenen und blauen Räder der lokalen BikeSharing-Anbieter an den Straßenecken und fluteten die Metropolen.

Etwa zeitgleich folgte das CarSharing – und löste einen regelrechten Boom aus. Waren 2015 in den chinesischen Millionenstädten gerade mal 14.000 geteilte Autos unterwegs, sind es heute schon mehr als 40.000. Die Hoffnungen der Chinesen sind groß. Aktuellen Studien der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC zufolge hat das CarSharing nämlich das Potenzial, den Verkehrsinfarkt in ihrem Land zu verhindern. So könnte die Zahl der Fahrzeuge (Stand: rund 180 Millionen) wegen des andauernden wirtschaftlichen Aufschwungs schon in zehn Jahren mit 310 Millionen ihren Höchststand erreichen – und Dank CarSharing bis 2030 wieder auf rund 280 Millionen Fahrzeuge sinken.

Doch ganz so einfach ist es nicht, denn all die geteilten Fahrzeuge der inzwischen mehr als 40 Sharing-Anbieter haben eines gemeinsam: sie müssen geparkt werden. Allerdings sind die Parkmöglichkeiten in den meisten Großstädten durch fehlende Stadtplanung und schlechte Verkehrsführung stark eingeschränkt, wenn nicht sogar unmöglich.

Trotzdem wagt sich die BMW Group –  gemeinsam mit dem chinesischen CarSharing-Anbieter Evcard –  auf den asiatischen Markt. Bereits im Dezember gingen die Münchner in der Millionenstadt Chengdu, im Südwesten Chinas, mit einer rein elektrischen CarSharing-Flotte an den Start. Dabei machen sie mit ihrer 2016 in  den USA eingeführten CarSharing-Marke ReachNow einiges anders als die chinesische Konkurrenz. So gibt es für die 100 BMW i3 der Flotte feste Parkplätze, „an denen die Kunden ihre Fahrzeuge abholen und auch wieder abstellen können“, sagt Joe Pattinson, der bei der BMW Group China die Mobility Services verantwortet. Auf den Parkplätzen können die Fahrzeuge an den von Evcard zur Verfügung gestellten Ladesäulen auch geladen werden. „Um es den Kunden möglichst einfach zu machen,  haben wir die Parkplätze gleichmäßig in der ganzen Stadt verteilt und werden deren Anzahl auch weiterhin kontinuierlich erhöhen“, sagt Pattinson. Dass ReachNow etwas teurer ist als lokale Mobilitätsdienste wie Didi oder Lyft, ist für die BMW Group kein Hinderungsgrund. „In China ist man sehr statusbewusst“, weiß Pattinson. Von daher sei man gerne bereit, für ein hochwertiges und sauberes Premiumfahrzeug auch mal etwas mehr zu zahlen.

Der Zielgruppe entsprechend wurden die ersten 25 Parkstationen für die 100 BMW i3 platziert: in attraktiven Wohngebieten, vor Bürogebäuden großer Unternehmen, vor Regierungsgebäuden sowie vor Fünf-Sterne-Hotels. Pattinson, der auch selber gerne voll elektrifiziert durch seine Wahlheimat stromert, ist sich sicher: „Die Chinesen werden die kleinen umweltbewussten, leisen Stadtflitzer lieben – gerade wegen ihres Premiumanspruchs“.