„Da kochen die Emotionen hoch“.

Die BMW Group engagiert sich seit der ersten Saison als Partner für die Formel E. 2019 starten die Münchner mit einem Werksteam in der Elektro-Rennserie und setzen damit ein klares Signal: Die Zukunft ist elektrisch. Doch das ist nicht die einzige Botschaft.

Ein Gespräch mit Jens Marquardt, der als BMW Motorsport Direktor auch das Formel-E-Projekt verantwortet.

Im Sommer flitzten die ersten E-Rennwagen durch die Häuserschluchten von New York. Es scheint, als sei die Elektromobilität nicht mehr aufzuhalten.

Das war in der Tat ein großes Spektakel. Auch wenn das Rennen nicht in Manhattan stattfand, sondern im Industriehafenviertel in Brooklyn. Die Kulisse in Hongkong ist ähnlich beeindruckend. Die Strecke verläuft direkt durch den Hafen, an den bekanntesten Wolkenkratzern der Millionenstadt vorbei. Das wäre mit der Formel 1 nicht denkbar gewesen.

Zu laut?

Definitiv. Ein Rennwagen mit einem 8-Zylinder-Motor hat bis zu 20.000 Umdrehungen. Das ist ein Geräuschpegel, brachial! Doch die Zeiten sind ja auch bei der Formel 1 vorbei.

Wirklich viele Zuschauer lockt die Formel E aber noch nicht auf die Tribünen.

Das sehe ich anders. Die Formel E gibt es ja erst seit drei Jahren. Bei den ersten Rennen hatten wir etwa 3.500 Zuschauer, heute sind es im Schnitt etwa 20.000. Das geht in die richtige Richtung. Die Tribünen in New York und Hongkong sind deutlich kleiner und lassen gar nicht mehr Zuschauer zu. Vielleicht finden demnächst auch Nachtrennen statt. Das ist gerade so eine Idee. Fest steht: Die Stimmung ist großartig. Die Menschen merken gerade, dass E-Mobilität genauso emotional sein kann wie das konventionelle Fahren mit Verbrennungsmotor.

Inwiefern?

Beide Serien – sowohl die Formel 1 als auch die Formel E – stehen für Motorsport auf höchstem Niveau. Die Fahrer müssen hier wie da in kürzester Zeit und unter hohem Druck Entscheidungen fällen. Bei der Formel E kommt es zusätzlich darauf an, mit der Energie zu taktieren. Ich kann Ihnen versichern: Da kochen die Emotionen hoch.

Das ist aber sicherlich nicht der einzige Grund für das Engagement der BMW Group.

Wir befinden uns gerade in einer spannenden Phase – sowohl im Rennsport als auch bei den Serienfahrzeugen. Der Nachhaltigkeitsaspekt rückt immer stärker in den Vordergrund. Das war schon 2009 beim Formel-1-Abschied ein wichtiges Thema. Unser Engagement im Elektro-Rennsport ist für uns nicht die Abkehr vom Motorsport, sondern vielmehr die Hinwendung zu mehr Nachhaltigkeit – auch auf der Rennstrecke.

Sie nutzen die Formel E auch als Technologielabor für die Serienfahrzeuge?

Die Entwicklung seriennaher Technologien ist die Triebfeder für den BMW i Motorsport. Interessant ist, dass die Grenzen zwischen der Serien- und der Rennsport-Entwicklung mehr denn je verschwimmen. Dieselben Ingenieure, die für die Antriebe der BMW i Modelle verantwortlich sind, entwickeln nun unseren Formel-E-Antrieb für die Saison 5 und darüber hinaus. Der Technologie-Transfer ist allgegenwärtig.

Jetzt mal abgesehen vom Motor, was unterscheidet den Elektro-Rennwagen von einem herkömmlichen Elektro-Fahrzeug?

Die Formel-E-Rennwagen sind wie immer im Motorsport darauf ausgelegt, im vorgegebenen Rahmen am Limit unterwegs zu sein. Über die Fahrzeugabstimmung haben die Ingenieure eine zusätzliche Stellschraube. Und der Fahrer ist natürlich auch in der Formel E von großer Bedeutung. In den kommenden Jahren werden wir in der Formel E ganz sicher eine spannende Entwicklung beim Design der Rennwagen sehen. Das wird die Zuschauer begeistern.

Wie nachhaltig sind die Fahrzeuge?

Die Formel E bietet die perfekte Plattform, um die Entwicklung zukunftsweisender Technologien in den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltige Energieversorgung und E-Mobilität voranzutreiben. Während des Rennbetriebs produzieren Formel-E-Fahrzeuge keinerlei CO2-Emissionen. Der Ladevorgang der Rennwagen ist ebenfalls CO2-emissionsfrei. Die Ladestationen für die Fahrzeug-Batterien werden mit einer Kombination aus Solarzellen und so genanntem Aquafuel-Glycerin betrieben. Noch ist das komplett CO2-emissionsfreie Betreiben der gesamten Plattform Formel E nicht möglich, aber die Serie befindet sich in jedem Fall auf dem richtigen Weg.