Mann hält Vortrag vor Publikum

Der Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit.

Wie können Städte nachhaltiger gestaltet werden? Gibt es vielleicht bereits existierende Lösungen vor Ort? Und was kann der einzelne Bürger dafür tun? Das untersucht Leonardo Maldonado in seinem Südamerika-Projekt CITIES CAN B.

Auf der ganzen Welt kämpfen Städte mit den Herausforderungen, die in den „Zielen zu einer Nachhaltigen Entwicklung“ aufgelistet sind – etwa „Sauberes Wasser und Verbesserung der Hygiene“, „Verantwortungsvoller Konsum und Produktion“ oder „Gesundheit“. Leonardo Maldonado und Tomás de Lara, beide Gründer von CITIES CAN B, wollen dazu beitragen, die Situation spürbar zu verbessern. In Rio de Janeiro, Santiago de Chile und Mendoza fördert der Chilene nachhaltiges Engagement auf gleich zweifache Weise: Zum einen, indem er ökologisch und sozial agierende Startups und Unternehmen mit NGOs und Regierungen zusammenbringt. Und zum anderen, indem er Einwohnerinnen und Einwohner dazu auffordert, sich selbst an Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit zu beteiligen. Unterstützt werden Initiative und er dabei von der BMW Foundation Herbert Quandt.

Den Namen „CITIES CAN B“ hat Leonardo Maldonado nicht ohne Hintergedanken gewählt: „B-Cities halten ihre Nachbarn dazu an, ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Einfluss ernstzunehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Nachbar eine Person, ein Unternehmen, eine NGO oder die lokale Regierung ist.“ Das Label „B“ inspiriert von einem Begriff aus der Wirtschaft. „Unternehmen, die ihren Fußabdruck ernst nehmen, messen und verbessern, können sich als „B-Corps“ zertifizieren lassen. Maldonado will deshalb erreichen, dass auch Städte Verantwortung für ihren Fußabdruck übernehmen und sich dadurch zu „CITIES CAN B“ werden.  

„Wir vermitteln eine wichtige Botschaft“, betont der Unternehmer: „Jeder Einzelne kann etwas für die nachhaltige Entwicklung seiner Stadt tun“. In Santiago de Chile sind die Auswirkungen dieser Botschaft nicht zu übersehen. „Mein Müll ist dein Müll, lass uns Verantwortung übernehmen“ oder „Für Mensch und Umwelt sollten wir bewusster sein“ steht in großen Buchstaben auf Stadtbussen, an Häuserwänden oder auf Informationsplakaten der Stadt. „Wir hatten zur Einsendung einprägsamer Nachhaltigkeits-Botschaften aufgerufen und über 1.000 Appelle erhalten, von Kindern ebenso wie von Senioren und Seniorinnen“, erzählt Maldonado. Ausgewählte Sätze wurden anschließend von lokalen Künstlern gestaltet und machen die Stadt nun nicht nur bunter. Sie erinnern die die Einwohner auch daran, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.

Auch die ansässigen Firmen nimmt CITIES CAN B in die Pflicht. „Vor allem die großen Unternehmen haben Einfluss auf die sozialen und ökologischen Entwicklungen. Wichtig ist, dass sie diese Verantwortung auch wahrnehmen“, sagt Maldonado. Seine Einschätzung kommt nicht aus der hohlen Hand – Maldonado kennt den Einfluss der Wirtschaft. Der 53-Jährige war seit dem Abschluss seines Architekturstudiums selbst an der Gründung mehrerer Firmen beteiligt, in denen er heute zum Teil noch aktiv ist. Über CITIES CAN B fordert er die Unternehmen jetzt auf, ihren sozialen und ökologischen Fußabdruck zu messen. Genutzt dafür wird das B Impact Assessment. Dieses Tool soll ab 2020 auch bei den Vereinten Nationen eingesetzt werden, um den Beitrag von Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu erfassen. Dazu gehören etwa Fragen zur Überwachung der Müllproduktion, des Einsatzes erneuerbarer Energien oder die Unterstützung von Mitarbeitern, wenn sie sich sozial engagieren wollen.

Aber CITIES CAN B fordert nicht nur. Die Initiative unterstützt alle Akteure in der Stadt, die sich um einen nachhaltigeren Lebensraum bemühen. In Kooperation mit den lokalen Behörden und anderen gesellschaftlichen Akteuren entwickelt das Projekt Geschäftsmodelle, die eine Stadt lebenswerter machen. Beispielsweise will die argentinische Stadt Mendoza auf Initiative von CITIES CAN B nun nur noch mit Unternehmen zusammenarbeiten, die einen positiven Einfluss auf die nachhaltige Entwicklung der Stadt haben.

Was aber können globale Unternehmen wie die BMW Group von diesem Ansatz lernen? „Wir müssen es schaffen, alle Beteiligten zu mehr Engagement zu bewegen. Unternehmen wie die BMW Group sollten deshalb verstärkt mit anderen Akteuren an einen Tisch kommen“, fordert Maldonado. Ein wichtiger Schritt dabei sei das Responsible Leaders-Netzwerk der BMW Foundation Herbert Quandt. Führungskräfte kommen hier für eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft zusammen und inspirieren sich gegenseitig. Leonardo Maldonado ist selbst Teil dieses Netzwerkes und nutzt seine Verbindungen, um seine Projekte weiter voranzubringen. „Bis in unseren Städten eine umfassende Nachhaltigkeits-Strategie etabliert ist, wird es wohl noch dauern“, meint er. „Aber jeder kleine Erfolg macht eine Stadt nachhaltiger und lebenswerter, und kann inspirierend auf andere Städte wirken.“