Cultural Infusion.

Die kulturelle Vielfalt der Menschen kann ein gigantischer Antriebsmotor für die Entwicklung unsere Städte sein. Der Australier Peter Mousaferiadis will dieses Potenzial erschließen – mit Hilfe der BMW Group.

Wie vielen Nationalitäten begegnen Sie, wenn Sie in die Kantine gehen? Wie viele Sprachen sind zu hören, wenn Sie einen Spaziergang machen? Und wie viele andere Kulturen gibt es in ihrem Viertel? Und das in zweiter, dritter oder vielleicht auch vierter Generation? Fragen wie diese lassen sich schwer beantworten. Auch, weil entsprechende Statistiken kaum geführt werden.

Das aber ist ein Fehler, glaubt Peter Mousaferiadis, Gründer der australischen NGO „Cultural Infusion“. Sein Argument: Laut UNESCO haben rund 75 Prozent aller Konflikte auf der Welt eine kulturelle Dimension. Kultur sei ein potenzieller Reibungspunkt, den wir kennen müssen, um ihn produktiv zu nutzen, sagt er. Denn kulturelle Verschiedenheit kann auch die entscheidende Grundlage sein, um Neues und Großartiges zu schaffen. Bestes Beispiel dafür sei unser medizinisches System, ein ‚Best of‘ aus europäischer, jüdischer und arabischer Kultur. 

Auch Unternehmen können und sollen dieses kulturelle Potential ausschöpfen. Etwa, um auf neue Zielgruppen zuzugehen, um auf demografischen Wandel oder Migration zu reagieren. Oder, um Ideen und Zusammenarbeit in den Teams zu unterstützen. Um das zu fördern, hat Cultural Infusion den Ancestry Atlas entwickelt - ein Informations-Portal, mit dessen Hilfe die kulturelle Vielfalt eines Unternehmens „gemessen“ werden kann. Dafür sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter online einige Fragen zu ihrem kulturellen Hintergrund beantworten. Aus diesen Informationen entsteht dann eine aussagekräftige „Diversity Map“. Mit ihr können Unternehmen besser einschätzen, ob sie die Potentiale, die die Verschiedenartigkeit bietet, schon umfassend genutzt haben und wo Verbesserungen möglich sind.


Um den Einsatz des Ancestry Atlas vorzustellen und Möglichkeiten zu diskutieren, wie kulturelle Vielfalt Gesellschaft und Unternehmen weiterbringen kann, war Mousaferiadis auf Einladung der BMW Group im April in Berlin. Hier fand das jährliche Alumni-Meeting des Intercultural Innovation Award statt. Der Award ist eine in dieser Form einmalige Kooperation der United Nations Alliance of Civilizations (UNAOC) und der BMW Group. Jahr für Jahr werden hier Projekte prämiert, die interkulturelle Kommunikation und Bildung fördern. Peter Mousaferiadis und Cultural Infusion wurden im Jahr 2013 ausgezeichnet.

„Für mich bedeutete dieser Preis nicht nur eine wichtige finanzielle Förderung meiner Initiative, sondern vor allem auch den Zugang zu einem weltweiten Netzwerk aus engagierten Führungspersönlichkeiten“, betont er. Die Auszeichnung durch den Intercultural Innovation Award habe wichtige Türen geöffnet, um die interkulturelle Verständigung fortzuführen.

Als ausgebildeter Dirigent hat Peter Mousaferiadis viel über Menschen gelernt. Wie sehr sie ein harmonisches Zusammenspiel verbindet beispielsweise. Oder, welche gemeinsamen Leistungen möglich sind. Und wie wichtig der Klang jeder einzelnen der verschiedenartigen Stimmen dabei ist. Aber eben auch, dass es entscheidend ist, auf Misstöne zu achten, um das Miteinander zu verbessern. Deswegen habe er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Erfahrungen aus dem - im positiven Sinne - „kulturellen Durcheinander“ produktiv zu nutzen, um Missverständnissen vorzubeugen und Kreatives entstehen zu lassen. „Gerade im Zeitalter der Urbanisierung sei es wichtig, die unterschiedlichen kulturellen Prägungen von Menschen zu kennen. „Städte sind Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen. Es wäre grob fahrlässig, diese Kulturen einfach so nebeneinander stehen zu lassen, ohne Bewohnern eine Anleitung zu geben wie sie mit „den anderen“ umgehen“, betont Mousaferiadis. Nachhaltige Stadtentwicklung habe deshalb nicht nur eine ökologische, sondern vor allem eine kulturelle Dimension. Mit Cultural Infusion wolle er diesen Gedanken vorantreiben.

So hat Cultural Infusion beispielsweise Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen dafür gewonnen, in Schulen zu gehen und dort Workshops für kulturelle Bildung durchzuführen. Heute arbeiten in ganz Australien bereits Hunderte dieser Kultur-Botschafter für Cultural Infusion. Längst aber ist seine Idee von den Schul-Workshops auch auf andere Bereiche übergesprungen: Cultural Infusion bewegt sich mittlerweile auf dem Niveau eines professionellen Veranstalters und richtet Events zur interkulturellen Förderung für Unternehmen und Städte weltweit aus – beispielsweise anlässlich des indischen Farbenfests, des islamischen Ramadan oder des chinesischen Neujahrstags. Unzählige Workshops sind es mittlerweile jährlich, an denen meist mehrere hundert Personen teilnehmen. Und alle haben ein eindeutiges Ergebnis: Die Vielfalt macht den Unterschied.