Perfektes Timing.

Im sonnigen Kalifornien testet BMW i mit dem Service „Charge Forward“ die Zukunft des Ladens von Elektroautos. Dieser setzt darauf, viel Sonnenenergie zu nutzen und das öffentliche Stromnetz stabil zu halten. 

Dem BMW i3 von Brenda Bodine ist es egal, wann er lädt. Er kann warten. Ebenso wie Brenda. Allerdings legt die umweltbewusste Kalifornierin Wert darauf, dass sowohl ihr Stromer in der Garage als auch sämtliche Geräte in ihrem Haus mit Grünstrom versorgt werden. Um Lastspitzen im öffentlichen Stromnetz zu vermeiden, lädt ihr BMW i3 daher manchmal erst dann, wenn Brenda schläft und der allgemeine Stromverbrauch niedrig ist. Am frühen Morgen, wenn Brenda mit ihrem BMW i3 zur Arbeit fahren will, ist das Fahrzeug längst geladen.

Möglich macht dies das Pilotprojekt „Charge Forward“, das BMW i gemeinsam mit dem lokalen Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) in der Bay Area testet. Ziel ist es, möglichst viel Sonnenenergie zu nutzen und das öffentliche Stromnetz stabil zu halten. „Hier können Elektrofahrzeuge nicht nur als Energiespeicher, sondern auch als Flexibilitätsreserve einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Adam Langton, der bei der BMW Group das Projekt verantwortet. Und das funktioniert so: Brenda hat in ihrer „Charge-Forward“-App hinterlegt, wann sie ihren BMW i3 das nächste Mal fahren will. Kommt es in der Zeit, in der das Elektrofahrzeug an der Ladestation steht, zu einer hohen Auslastung des Stromnetzes, schickt der Netzbetreiber ein Signal an die „BMW i Charge Forward Ladesteuerung“. Über eine von der BMW Group betriebene Softwarelösung wird der Ladevorgang daraufhin für eine Weile unterbrochen und erst dann wieder fortgesetzt, wenn dem Stromnetz keine Überlastung mehr droht. Kein Problem für Brendas kleinen Stromer, der ohnehin nicht die komplette Parkzeit benötigt, um seinen Speicher wiederaufzuladen. Ähnlich flexibel reagiert die Ladesteuerung, wenn die Sonne gerade scheint und besonders viel erneuerbare Energie vorhanden ist.

Brenda selber bekommt davon kaum etwas mit. Sie kann das Fahrzeug immer dann nutzen, wenn sie es braucht.  „Und – sie kann sicher sein, dass ihre persönlichen Fahrzeugdaten nicht an Dritte weitergeleitet werden“, so Langton. Soll heißen, PG&E sendet ausschließlich die Signale „laden unterbrechen“ oder „laden“ an die von der BMW Group betriebene Ladesteuerung, die die Befehle dann an das Fahrzeug weitergibt.

Als die BMW Group vor zwei Jahren für das Pilotprojekt in der Bay Area nach ersten Testpersonen suchte, zögerte Brenda nicht lange. Ihren Stromer mit sauberer Energie zu laden und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende zu leisten – das gefiel der Kalifornierin. Brenda ist dabei geblieben und mit ihr fast 400 weitere BMW Kunden. 2017 ging das „Charge Forward“- Projekt in die zweite Testphase, jetzt folgt das Feintuning. „Erste serienreife Angebote für die Fahrer von BMW i und MINI Electric Fahrzeugen sind bereits in Arbeit“, sagt Joachim Kolling, Leiter Energiedienstleistungen bei der BMW Group in München.