Südafrikas Biogas-Pionier.

Bis 2020 will die BMW Group für ihr Werk in Südafrika nur noch Strom aus erneuerbaren Energien beziehen. Das könnte klappen – Dank eines mutigen Unternehmers, einer Biogasanlage und 30.000 Rindern.

Als Sean Thomas 2007 im südafrikanischen Bronkhorstspruit mit Bio2Watt an den Start ging, schien der Zeitpunkt für eine Biogasanlage ideal. Eine Viehherde mit rund 30.000 Rindern sowie der Abfall regionaler Lebensmittelhersteller boten eine solide Grundlage für sein Vorhaben – und der Bedarf an erneuerbaren Energien war groß. Denn Südafrikas Wirtschaft litt unter einer Energiekrise und immens ansteigenden Elektrizitätskosten. 

Für Sean, der in Großbritannien aufgewachsen ist und in Frankreich studiert hat, war es daher fast naheliegend, in seiner Wahlheimat in regenerative Energien zu investieren. Da ihm Solar- und Windenergie zu kostenintensiv waren, entschied sich der wendige Firmengründer für eine Biogasanlage, mit der er am Kap „ganz neue Maßstäbe in der Abfallwirtschaft setzen“ wollte.

Bevor Bio2Watt allerdings den ersten Strom produzieren sollte, sollten nicht wie geplant drei, sondern acht Jahre vergehen. „Die Investoren von der Idee zu begeistern – das war wohl die größte Hürde“, erinnert sich der Unternehmer, der für Bio2Watt immerhin ein Gründungskapital von elf Millionen Dollar auftreiben konnte. Sehr viel leichter hatte er es dagegen mit seinem ersten Großkunden, der BMW Group. Für den Automobilhersteller aus München, der in Südafrika seit den 70er Jahren ein Werk in Rosslyn nahe Johannesburg betreibt, kam Sean mit seinem Start-up genau zum richtigen Zeitpunkt. „Wir waren auf der Suche nach einem Anbieter für grüne Energie“, sagt Kavish Boodhram, Energiemanager bei der BMW Group in Rosslyn. Dort hatte man sich nämlich das Ziel gesetzt, bis 2020 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Und das in einem Land wie Südafrika, das bei seiner Energieproduktion seit Jahren auf Kohle setzt und zu den weltweit größten CO2-Emissionsproduzenten gehört. 

So exotisch Seans Biogasanlage für Afrika zu sein schien, den Energieexperten der BMW Group dürfte sie schnell gefallen haben. Denn Bio2Watt verwandelt täglich mehr als 300 Tonnen Reste von Bio-Lebensmitteln sowie Abfälle aus der Landschaft in methanhaltiges Biogas, und gewinnt daraus Energie. „Alles was es für diesen Prozess braucht, ist Abwasser aus den Verschmutzungsdämmen der Farmen – „womit wir nicht aus den knappen Trinkwasserressourcen des Landes schöpfen – und Bakterien“, sagt Sean. Die Biomasse, die bei dem Fermentierungsprozess übrig bleibt, kann anschließend als Bio-Dünger auf den Feldern verwendet werden. „Damit reduzieren wir den Einsatz von Chemiedünger und die Nährstoffe im Boden profitieren“, sagt Sean nicht ohne Stolz. Doch bevor die Produktion beginnen konnte, mussten er und sein neuer Kunde bei den zuständigen Banken und Behörden viel Überzeugungsarbeit leisten. Für den Verkauf privater Energie gab es in Südafrika nämlich noch keine klaren regulatorischen Rahmenbedingungen.

Seit Ende 2016 produziert Bio2Watt für die BMW Group Bio-Strom und deckt den Bedarf des Werks damit schon heute zu etwa 33 Prozent. BMW SA und Bio2Watt untersuchen gerade, inwiefern sich die Biogasanlage erweitern lässt, um diesen Anteil zu erhöhen. „Schließlich wollen wir bis 2020 von dem staatlichen Energiebetreiber unabhängig sein“, sagt Kavish. Kein Problem für Sean, der theoretisch genügend Abfälle zur Verfügung hat, um den Output seiner Biogasanlage um mindestens 50 Prozent zu erhöhen. Schon in den nächsten Jahren will er kräftig investieren, noch mehr Abfall nutzen, die Umwelt sauber halten und über 50 Megawatt grüne Energie für den gesamten afrikanischen Kontinent generieren. Tatsächlich kommen die Anfragen für seinen Bio-Strom bereits aus ganz Afrika. Der unerschrockene Bio-Pionier will expandieren, denn noch sind die Margen in seinem Abfall-Strom-Geschäft zu niedrig, um wirklich lukrativ zu sein. In Rosslyn wird man ihm dabei die Stange halten, so viel ist sicher!