Zeichnung von Fahrrädern der Zukunft

Zukunft auf zwei Rädern.

Fahrräder werden die Mobilität in der Stadt der Zukunft wesentlich mitbestimmen. Neue Funktionen machen den einstigen „Drahtesel“ zum smarten, elektrisch betriebenen i-Bike mit viel Komfort.

In den Städten der Zukunft werden Menschen wohl noch häufiger unterwegs sein wollen als heute. Dabei werden es neben Öffentlichen Verkehrsmitteln, Autos, Scootern und Fußgängern vor allem die Fahrräder sein, die das Verkehrsgeschehen in den Metropolen wesentlich mitbestimmen.

Nur: Das Fahrrad, wie wir es kennen, dürfte es dann kaum noch sein. Denn nicht nur das optische Erscheinungsbild wird deutlich moderner, wie das Beispiel des von der Fachwelt als richtungsweisend beschriebenen BMW Active Hybrid E-Bike zeigt. Es sind vor allem die „inneren Werte“, die das Bike von einem ehemaligen Transportesel zu einem künftig smarten Hinbringer und Begleiter machen.

„Im Moment ist das E- Bike noch auf der Suche nach der neuen Form“, erklärt Evgueni Maslov, Lead Designer bei der BMW Group Tochter Designworks. Er vergleicht die Entwicklung mit der Entstehungsgeschichte des Automobils: Erste Entwürfe sahen damals noch aus wie die Pferdekutschen, aus denen Autos entstanden waren, bevor sich ihr modernes Design herauskristallisierte. Und auch beim Fahrrad erinnere Vieles an den „Drahtesel“ von früher, aber neue Entwicklungsschritte stünden bevor. „Wir stecken im Moment noch in einem Hybridstatus zwischen klassischem Fahrrad und dem, was später vielleicht das E-Bike der Zukunft sein kann“, sagt er.

Aufgabe von Designworks, das seinen Hauptsitz in Kalifornien hat und weitere Studios in Europa und Asien betreibt, ist es unter anderem, als Impulsgeber für nachhaltige Mobilitätskonzepte für die BMW Group und weitere Unternehmen zu fungieren. Dass das Fahrrad dabei eine bedeutende Rolle übernehmen wird, steht für die Design- und Kreativberatung außer Frage. Das weiterentwickelte Rad werde ein integraler Bestandteil der Stadt der Zukunft sein – einer Stadt, die nicht nur intelligent vernetzt, sondern vor allem auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner ausgerichtet ist.

Auf dem Weg zum Fahrrad der Zukunft ist das E-Bike, das erst vor wenigen Jahren das  über reine Muskelkraft angetriebene Rad abgelöst hat, nur ein Zwischenschritt. Denn schon bald werden wir mit unserem dann intelligenten, neuen „i-Bike“ fahren, wenn es die Strecke in das Büro, die Schule oder zu Verabredungen und Veranstaltungen zulässt. Von einem „digitalen Pferd“ spricht Maslov spaßhaft, trifft damit aber wohl auch den Kern der künftigen zweirädrigen Fortbewegungsalternative. Denn vom Navigationsgerät über die nächsten Verbindungen der Öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Weg zum Car-Sharing-Wagen oder dem Parkplatz – das Rad ist ein intelligenter, führender Begleiter. Ähnlich wie einzelne Assistenzsysteme im Auto nutzt es dafür digitale Assistenten: Es hat die aktuellen Wetterprognosen parat, erinnert sich an die Streckengewohnheiten seines Besitzers und „denkt“ mit – während der Fahrt und danach. Und vielleicht übernimmt es als Teil unseres Smart Home auch eine Sicherheitsfunktion und überwacht mit Hilfe von Kameras und Sensoren den Eingang.

Designworks unterstützt deshalb auch heute schon Startups wie beispielsweise Rydies in München, das die Digitalisierung und Vernetzung von Mobilitätsangeboten für das Fahrrad und im übergreifenden Micro-Mobilitybereich vorantreibt. Hier werden Konzepte konkret umgesetzt und Erfahrungen für die „Velocity“ der Zukunft gesammelt.

„Natürlich ist das intelligente, umfassend mitdenkende Fahrrad noch Zukunftsmusik. Aber das Rad wird mehr und mehr Teil der vernetzten Mobilität werden“, sagt Evgueni Maslov von Designworks. Im Unterschied zum Auto aber werde die Vernetzung bei Zweirädern andere Akzente setzen: Während intelligente Technologie für Fahrzeugfahrer mehr Komfort auch abseits des eigentlichen Unterwegsseins ermöglicht, fokussiere sich die Entwicklung des i-Bikes auf ein stärkeres Zusammenrücken von Rad und Fahrer. Alle Fahr-Funktionen sind dann konsequent auf das Vorwärtskommen ausgerichtet. Entertainment- und weitere Komfortfunktionen werden beim Fahrrad schon allein deshalb nicht zu finden sein, weil das autonome Fahren den vierrädrigen Fahrzeugen vorbehalten bleibt.   

Trotz dieser Unterschiede arbeiten Fahrradentwickler mit der Automobilindustrie zusammen. „Das Fahrrad ist gerade dabei, als Teil des übergreifenden Mobilitäts-Ökosystems ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Insbesondere im Bereich der zuverlässigen und sicheren Vernetzung kann die Fahrradindustrie viel von den Erfahrungen der BMW Group und der gesamten Automobilbranche lernen“, betont Sonja Schiefer, Direktorin des Münchner Studios von Designworks.

Hinzu kommt: Wurden Auto und Fahrrad bislang oft als „Gegner“ im Straßenverkehr aufgefasst, dürften beide Beförderungsmittel zukünftig eng zusammenarbeiten. Dank der Vernetzung und moderner Fahrzeugkommunikation könnte das Auto Fahrräder dann vor Hindernissen warnen und das Fahrrad sich entwickelnde Stausituationen melden. Auf diese Weise würde einem neuartigen, partnerschaftlichem Verhältnis der Weg bereitet. Zugunsten eines in jeder Hinsicht positiven Klimas in der Stadt.