Ein Dach aus Zucker und Flachs.

NOAH soll das „nachhaltigste Auto der Welt“ sein. Konstruiert wurde es von 30 Studierenden aus den Niederlanden. Jetzt haben sich Experten der BMW Group mit den Nachwuchsingenieuren getroffen. Das Ziel: Sich auszutauschen und gegenseitig inspirieren zu lassen. 

Es wirkt ein bisschen wie ein zu heiß gewaschenes und deswegen geschrumpftes Stadtauto, was da vor dem Werksgelände der BMW Group in München steht: Klein, knubbelig und blau ist das Auto. Es hört auf den Namen NOAH und ist der Prototyp eines „World’s first circular Car“. Entstanden ist diese fahrende Zukunftsvision in einem Studienprojekt an der TU Eindhoven in den Niederlanden. 22 Studierende unterschiedlicher Disziplinen haben über ein Jahr lang an diesen Prototypen getüftelt und geschraubt. Das Ziel: Herauszufinden, wie ein Fahrzeug konzipiert sein sollte, um so nachhaltig wie irgend möglich produziert zu werden. Grund genug also für ein Treffen mit den Nachhaltigkeits-Experten der BMW Group. 

Der NOAH zeigt vor allem Neuerungen bei der Auswahl der Materialien für Karosserie und Innenausstattung: „Wir setzen beispielsweise auf Bioplastik. Dieses Material kann aus Zucker gewonnen werden und ist damit besonders nachhaltig“, betont Cas Verstappen vom studentischen Projektteam. In Kombination mit stabilisierendem, pflanzlichem Flachs entstünden daraus sogenannte „Sandwich Panels“, die für den Bau dieses Öko-Wagens ideal seien. „Im Vergleich zu Aluminium und Karbon brauchen unsere Materialien nur ein Sechstel der Energie in der Herstellung“, betonen die Studenten. „Besonders bemerkenswert ist aber auch, dass das Team neben dem Werkstoff ein Konzept für die Verwertung und den Wiedereinsatz der recycelten Materialien entwickelt hat“, unterstreicht Jury Witschnig, Leiter Produktnachhaltigkeitsstrategie bei der BMW Group. Die Studierenden hätten mit ihrem Engagement und ihren Ideen viel Grundlegendes erreicht. 

Beim Vergleich des studentischen Prototypen mit Konzepten, die bei BMW in den Schubladen liegen, wird allerdings auch schnell klar: Während BMW Kosten, Serienproduktion, Zulassung, Komfort und Verkehrssicherheit im Blick haben muss, sind die Studierenden freier darin, den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit zu legen. Gerade aber wegen ihrer - in diesem Bereich teils radikalen - Kreativität ernten die Studierenden aus Eindhoven bei den Münchner BMW-Experten viel Respekt: „Das Interesse, das Können und der Mut, eigenständig ein mobiles Konzept zu entwickeln und mit dem Wissen der BMW Group abzugleichen, sind für uns alle ein Gewinn“, betont Jury Witschnig. Im Austausch mit einem jungen, kreativen Team könne auch ein Unternehmen die die BMW Group immer wieder Neues lernen. 

Auch den Studierenden hat die Begegnung mit den Nachhaltigkeitsexperten wichtigen Erfahrungen vermittelt. „Für uns war es neben der Anerkennung unserer Ideen wichtig zu sehen, wie umfangreich und vielschichtig die Expertise gerade im Bereich Nachhaltigkeit bei der BMW Group ist“, sagt Verstappen. In den Fachgesprächen sei auch klar geworden, wie viel hinter den Kulissen erprobt und weiterentwickelt wird: „BMW stellt neue Technologien erst dann vor, wenn sie hundert Prozent Marktreife erreicht haben. Von den Innovations -und Versuchsstadien bekommt die Öffentlichkeit deshalb kaum etwas mit.“ Aber gerade deshalb wollen die Studierenden nun mit den Experten der BMW Group in Kontakt bleiben: Vielleicht könne man sich ja gegenseitig weiter bei der Entwicklung nachhaltiger Fahrzeuge unterstützen. Letztlich sei das Ziel ja das Gleiche.