Im Gespräch über Kunden, Digitalisierung und die Freude an elektrifizierter individueller Mobilität.

05. März 2019
ca. 5 Minuten

Pieter Nota, Mitglied des Vorstands der BMW AG, zuständig für Vertrieb und Marke BMW sowie Aftersales BMW Group, hat eine klare Zukunftsvision: Für ihn dreht sich alles um den Kunden und die im Rahmen der Digitalisierung neu geschaffenen Möglichkeiten. Die BMW Group arbeitet hin auf eine digitale, emotionale und elektrifizierte Zukunft der individuellen Mobilität. Wir haben uns mit Pieter Nota darüber unterhalten, warum eine einheitliche Strategie, starke Kundenvorteile und eine Fokussierung sowohl auf vollelektrische als auch auf Plug-in-Hybridfahrzeuge für die Zukunft wichtig sind.

 

Herr Nota, Sie leben mit Ihrer Familie seit über einem Jahr in München. Was gefällt Ihnen besonders gut?

Pieter Nota: Obwohl ich Niederländer bin, liebe ich die Berge und genieße die Nähe zu den Alpen. Früher war unser Weg zum Skifahren deutlich länger. Und unsere Kinder freuen sich, dass es jetzt im Winter auch Schnee direkt vor der Haustüre gibt, das kannten sie bisher nicht.

 

Die Automobilindustrie befindet sich im Wandel, und gleichzeitig sind die Marktbedingungen herausfordernd. Wie hebt sich BMW in Zukunft vom Wettbewerb ab?

Pieter Nota: Zwei Aspekte sind hier entscheidend: Zum einen geht es darum, unsere bereits heute starke Marke noch prägnanter darzustellen. Das war eines unserer Fokusthemen im vergangenen Jahr. Freude ist das, was unsere Marke verkörpert. Freude ist hochemotional, universell und zeitlos. Aber wie sich die Welt um uns herum verändert, so wandelt sich Freude von der „Freude am Fahren“ zu einer weiter gefassten „Freude an individueller Mobilität“. Ich sehe hier für uns eine Schlüsselrolle inmitten der enormen Veränderungen, die derzeit in unserer Branche stattfinden. Zugleich müssen wir uns stärker vom Wettbewerb differenzieren. Deshalb haben wir das Profil unserer Marke nachgeschärft und die Markenwerte mit noch stärkerem Fokus angepasst. Darüber hinaus müssen wir den Fokus auf unsere Kunden legen und die Kundenorientierung auf ein neues Niveau bringen. Die Digitalisierung bietet uns genau dafür neue Möglichkeiten.

 

Können Sie uns dafür ein Beispiel geben?

Pieter Nota: Insgesamt streben wir eine dauerhafte digitale Beziehung mit dem Kunden an. In der Vergangenheit haben wir dem Kunden ein Auto verkauft, und abgesehen vom Aftersales war damit die Kundenbeziehung bis zum nächsten Autokauf erst einmal abgeschlossen. Wir wollen weg von einzelnen Transaktionen, hin zu einer dauerhaften Verbindung, und pflegen das Verhältnis zum Kunden heute daher digital. Wir gestalten den Dialog beim Kauf oder dem Leasing des Fahrzeugs sehr bewusst und halten den Kontakt zum Kunden konstant aufrecht. Gemeinsam mit Peter Schwarzenbauer und seinem Team liefern wir ein Ökosystem, in dem der Kunde alle Produkte, Services und Dienstleistungen gebündelt als eine nahtlose Erfahrung erlebt und dabei seine individuelle Kundenidentität behält.

 

Welchen Vorteil bringt das für unsere Kunden?

Pieter Nota: Die Kunden sollen nicht jedes Mal von neuem erklären müssen, was sie bereits gesehen oder gehört haben, sondern wir holen sie passgenau in ihrer Lebensrealität ab. Das ist für die Kunden sehr angenehm, und wir wissen genauer, welche Angebote für sie passen. Und diese Kenntnisse spielen wir an die Kollegen im Design und in der Entwicklung zurück. Schließlich ist das Marketing- und Vertriebsressort die Stimme des Kunden im Unternehmen. Wenn wir die vorhandenen Daten innerhalb unserer Organisation gemeinsam und intelligent nutzen, schaffen wir enorme Potenziale. Das betrifft im Übrigen auch die Zusammenarbeit mit unseren Händlern.

 

Bei den Kundenwünschen und -anforderungen ist eine Wandlung zu einer nachhaltigeren Mobilität zu beobachten. Wie sehen Sie das?

Pieter Nota: Wir sind einzukunftsorientiertes Unternehmen, und unsere langfristige Strategie ist nachhaltige Mobilität.Seit Jahrzehnten liegt unser Fokus auf umweltfreundlicheren, effizienteren Technologien und der Bewältigung von Herausforderungen, vor die uns die zunehmende Urbanisierung und die weiter wachsenden Ballungszentren stellen.
Eine moderne Gesellschaft fordert verantwortungsvolle Konzepte. Der Erfolg unseres Unternehmens beruht an dieser Stelle darauf, dass wir uns langfristig verpflichtet haben, die entsprechende Verantwortung zu übernehmen.
Zukunftsorientierte Unternehmen stellen ihre eigenen Maßnahmen in Frage und treiben Veränderungen voran. Sie realisieren Innovationen zum Vorteil ihrer Kunden, so dass sich deren Lebensqualität verbessert. Und sie bereiten sich schon heute darauf vor, auch morgen noch wettbewerbsfähig zu sein.
Als Pionier im Bereich E-Mobilität ist die BMW Group seit mehr als fünf Jahren, also seit der Einführung des BMW i3, im Markt erfolgreich. 
Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen.

 

Welche Highlights hat BMW auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf präsentiert?

Pieter Nota: Wir haben neue Modelle im Luxussegment vorgestellt, wie etwa den neuen BMW 7er. Einen besonderen Fokus haben wir dabei auf den neuen BMW 7er Plug-in-Hybrid gelegt. Dieses Modell ist das perfekte Beispiel dafür, dass Luxus und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Insgesamt haben wir in Genf vier neue Plug-in-Hybrid-Modelle präsentiert: Den BMW 3er und 7er sowie den X3 und X5. Zusammen mit dem BMW 2er und dem 5er repräsentieren sie unsere vierte Generation der Plug-in-Hybride mit einer vollelektrischen Reichweite von bis zu 80 Kilometern. Wir befinden uns mit hoch attraktiven SUVs inmitten der größten Modelloffensive in der Geschichte der BMW Group. Und hier spielen Hybridfahrzeuge und E-Mobilität eine entscheidende Rolle.
Betrachten wir zum Beispiel den BMW X3 xDrive30e - unseren allerersten als Plug-in-Hybridfahrzeug angebotenen BMW X3. Wie bereits angekündigt, führen wir im nächsten Jahr den vollelektrischen BMW iX3 ein. Das bedeutet, dass der BMW X3 der erste BMW ist, der mit drei verschiedenen Antriebssystemen erhältlich sein wird: mit einem hocheffizienten Verbrennungsmotor, als Plug-in-Hybridfahrzeug und vollelektrisch.
Der BMW X3 zählt zu unseren meistverkauften Modellen weltweit, und die Kunden wählen diejenige Antriebstechnologie aus, die ihren Ansprüchen am besten entspricht.
Das nenne ich einen echten kundenzentrierten Ansatz!

 

Braucht man wirklich ein Plug-in-Hybridfahrzeug? Warum konzentrieren Sie sich nicht auf vollelektrische Fahrzeuge?

Pieter Nota: Wir konzentrieren uns auf beide, vollelektrische und Plug-in-Hybridfahrzeuge, um den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Es gibt nicht die eine Lösung, die für alle Kunden funktioniert.Plug-in-Hybridfahrzeuge sind perfekt für Menschen, die in der Woche kürzere Distanzen lokal emissionsfrei zurücklegen und am Wochenende in aller Ruhe längere Fahrten unternehmen wollen, ohne das Fahrzeug aufladen zu müssen.Hybridfahrzeuge leisten einen sehr konkreten und positiven Beitrag zur Emissionsverringerung. Sie sind eine konkrete Maßnahme zur schnellen Verbesserung der Luftqualität im urbanen Raum. Laut einer Studie des renommierten deutschen Fraunhofer Instituts fahren Hybridfahrzeuge mit einer Mindestreichweite von 60 Kilometern ebenso häufig im Elektromodus wie rein batterieelektrische Fahrzeuge. Mit anderen Worten: Ihr Potenzial für eine CO2-Reduktion ist genauso groß. Die Hybridtechnologie hat durchaus ihren Platz. Mittlerweile bieten wir unseren Kunden in jedem Segment Plug-in-Hybridfahrzeuge an. Mit der Erweiterung der Palette unserer Plug-in-Hybridfahrzeuge bekennen wir uns klar zur Bedeutung diese Technologie neben dem vollelektrischen Antrieb.

 

Wie sieht die „Elektrifizierungsstrategie“ der BMW Group aus?

Pieter Nota:Unsere Zukunft ist auf definitiv elektrisch. Wir haben früh in Elektromobilität investiert und sind gut aufgestellt. Bis zum Ende dieses Jahres wollen wir weltweit mindestens 500.000 elektrifizierte Fahrzeuge der BMW Group auf den Straßen haben. Derzeit sind wir in Europa Marktführer bei vollelektrischen und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Bis zum Jahr 2025 werden wir mehr als 25 elektrifizierte Modelle in unserem Sortiment haben, darunter 12 vollelektrische. In diesem Jahr nehmen wir mit dem MINI Electric wirklich Fahrt auf. Und für BMW folgt im nächsten Jahr der iX3, dann 2021 der i4 ebenso wie unser neuer Innovationsführer, der iNEXT. 
Künftig legen wir unsere Produktionsstandorte in der ganzen Welt so aus, dass wir sämtliche Antriebsstränge an den selben Montagebändern bauen können. Diversität und Flexibilität spielen eine wichtige Rolle. Nicht nur das: Seit mehr als einem Jahrzehnt investieren wir sehr viel Geld für Forschung und Entwicklung im Bereich der Batterietechnologie. Derzeit bauen wir unsere Kompetenz noch weiter aus, indem wir unser ganzes Know-how im Kompetenzzentrum Batteriezelle in München bündeln, das im Sommer eröffnet wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt der E-Mobilität ist der Ladevorgang. Daher sind wir an vielen Unternehmungen zur Umsetzung einer guten Ladeinfrastruktur beteiligt, wie an IONITY und CHARGE NOW, einem der weltweit am schnellsten wachsenden öffentlichen Ladestationsnetze. 

 

Was macht, kurz gesagt, ein elektrifiziertes Fahrzeug der BMW Group so einzigartig?

Pieter Nota: BMW hat vor allem den stärksten Markenkern in der Branche: FREUDE. Mit Fahrzeugen wie dem BMW i8 Roadster haben wir gezeigt, wie emotional E-Mobilität sein kann. Alle unsere elektrifizierten Fahrzeuge bieten eine unschlagbare Kombination aus richtungsweisender Technologie, herausragendem Design, einem Fokus auf Nachhaltigkeit und einem 360-Grad-Ansatz. Individuelle Mobilität ist unsere Leidenschaft: Jedes unserer Fahrzeuge bietet ein emotionales Erlebnis und pure Freude am Fahren. Das macht uns einzigartig.

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