BMW i3 im Grünen

Nachhaltigkeit stellt alles in Frage.

14. August 2019
ca. 3 Minuten

Um die Welt zu verändern, reicht emissionsfreie Mobilität nicht aus. Das ist auch der Grund, warum die BMW Group mit dem BMW i3 erstmals ein komplett nachhaltiges Serienfahrzeug entwickelte. Eine Pionierarbeit, die „von uns allen ein völlig neues Denken erforderte“, sagt Daniela Bohlinger, die für alle Markenstudios aus dem Design der BMW Group das Thema Nachhaltigkeit vorantreibt.

Nachhaltigkeit komplett durchdacht: Der BMW i3 verkörpert eine neue Haltung zur Mobilität. Frau Bohlinger, welches Ziel verfolgten Sie bei der Material-Entwicklung für das Interieur-Design?

Daniela Bohlinger: „Wir wollten der Nachhaltigkeit ein Gesicht geben. Es auch im Innenraum mit allen Sinnen erlebbar machen.“

Nach welchem Prinzip gingen Sie und Ihr Team vor?

Daniela Bohlinger: „Nachhaltiges Design sucht neue Antworten. Und die fanden wir, indem wir alles in Frage stellten. Beispiel: Müssen wir Leder mit Chrom gerben? Woher kommen unsere Hölzer? Können wir Polyester aus Rezyklaten verwenden?“

Welchen Maßstab legten Sie bei den neuen Materialien an?

Daniela Bohlinger: „Zwei Punkte gaben die Richtung vor: Fügt sich das Material harmonisch in das Innenraumkonzept ein. Stimmt also die Material-Orchestrierung. Und entspricht der Lebenszyklus des Materials unserem Nachhaltigkeits-Anspruch: von der Entstehung – primär in Europa – über die Verarbeitung und den Transport bis zur Wiederverwertung, also dem Recycling. Gerade unser ganzheitlicher Ansatz erforderte von allen ein völlig neues Denken.“

Daniela Bohlinger
2 BMW i3 in der Stadt

 

 

Abfall hat immer Potenzial.

Dann steigen wir doch mal in den BMW i3 ein und machen es ganz konkret: Das Leder beispielsweise ist zu 100% mit dem natürlichen Extrakt von Olivenblättern gegerbt. Warum?

Daniela Bohlinger: „Olivenblätter gerben umweltschonend und auch das Leder hatte sehr wenig Behandlung. Wir achteten aber darauf, dass es seine Atmungsaktivität und die Weichheit eines Anilin gegerbten Leders beibehält. Die Olivenblätter werden bei der Ernte übrigens als Abfall gesehen. Ich wiederum sehe darin ein großes Potenzial.“

Auch die Verwendung von Kenaf steht beim BMW i3 im Fokus beispielsweise als Türverkleidung oder als Träger der Instrumententafel: Wie kamen Sie auf Kenaf?

Daniela Bohlinger: „Kenaf ist ein Material, das wir schon lange als Trägermaterial kennen – was im Normalfall mit einer Kunststoff haut verkleidet ist. Beim BMW i3 gingen wir einen komplett neuen Weg und setzten Kenaf erstmals großflächig ein.“

Das klingt fast revolutionär: ein Material aus der zweiten Reihe in die erste zu bringen.

Daniela Bohlinger: „Genau! Mit Kenaf nämlich ersetzten wir erdölbasiertes Kunststoff und reduzierten dadurch auch das Gewicht des BMW i3. Denn die Naturfaser, die übrigens aus einer Malvenpflanze gewonnen wird, ist bis zu 30 % leichter als konventionelles Material.“

Auch ein wichtiges Thema sind die Sitze: Sie arbeiten bei den Sitzbezügen zu 40% mit zertifizierter Schurwolle. Warum?

Daniela Bohlinger: „Schurwolle ist schnell nachwachsend und als Wollmischung atmungsaktiv. Sie reguliert also die Temperatur zwischen Körper und Sitzfläche und hält die Sitze bei hohen Temperaturen angenehm kühl. Und das bedeutet: Je größer der Klimakomfort desto seltener muss die Sitzheizung oder die Klimaanlage ran. Das wiederum spart Energie und verbessert die Reichweite.“

Besonders erstaunlich ist für uns die Interieurleiste aus Eukalyptusholz, die Sie für die 1. Generation der BMW i3 Fahrzeuge einsetzten: Der Baum kann also mehr als Hustenbonbon?

Daniela Bohlinger: „Viel mehr sogar: Der Eukalyptusbaum ist von Natur aus resistent gegen Feuchtigkeit und benötigt deshalb rund 90% weniger Oberflächenveredelung. Außerdem zählt er mit einer Höhe von 60 m zu den am schnellsten nachwachsenden Baumarten. Die Hölzer stammten aus FSC-zertifizierten Plantagen in Portugal.“

Innenraum des BMWi3
Innenraum des BMWi3

Von der iberischen Halbinsel zurück zu Ihrem Schreibtisch in München: Welche Materialien beschäftigen Sie aktuell und warum?

Daniela Bohlinger: „Materialien aus dem Reagenzglas sind für mich gerade überaus spannend. Da steckt meiner Meinung nach viel Zukunft drin. Das gilt übrigens auch für 3D-druckbare Materialien.“

Bei der Wirtschaftlichkeit hört die Nachhaltigkeit schnell auf: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

Daniela Bohlinger: „Ich gehe Dinge an – mit Sinn und Verstand. Nennen Sie es die Politik der kleinen Schritte. Mit dem BMW i3 leisteten wir ohne Frage Pionierarbeit, die auch alle anderen Marken der BMW Group nachhaltig prägt. Jetzt schon.“

Noch eine persönliche Frage zum Schluss: Hat die Arbeit am BMW i3 auch Sie verändert?

Daniela Bohlinger: „Absolut. Ich denke und lebe heute anders. Ethisch vertretbar, wenn Sie so wollen. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen und enkelkindertauglich handeln – ob beruflich oder privat.“

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