Das Joint Venture der BMW Group und Daimler AG bringt die Mobilität auf das nächste Level.

19. Dezember 2018
ca. 3 Minuten

 

 

Tony Douglas, Leiter Marke Mobilitätsdienstleistungen bei der BMW Group, erzählt gerne Anekdoten: So nutzt seine Mutter in der schottischen Heimat on-demand Busse (sie ruft einfach an, um in die Stadt zu kommen, statt an einer Bushaltestelle zu warten) oder seine Kinder, die verschiedene Beförderungsmöglichkeiten nutzen und eben nicht nur „Papas Taxi“.

Die geschäftlich vermutlich einschlägigste Anekdote aber bezieht sich auf seine ersten Wochen bei der BMW Group und liegt mehr als 15 Jahre zurück. Damals hatte er ein Meeting in der Münchner Innenstadt, zu dem er mit der S-Bahn fuhr. Sein Chef brüllte ihn verärgert an: „Douglas! Sie arbeiten für einen Automobilhersteller. Kommen Sie beim nächsten Mal mit dem Auto zum Meeting.“

Heute würde niemand mehr mit der Wimper zucken, wenn ein Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Meeting käme. Vielmehr würde das Unternehmen seine Mitarbeiter sogar dazu motivieren, die „intelligenteste“ Beförderungsart zu nutzen und sich sogar fragen, ob ein persönliches Meeting notwendig ist oder ob stattdessen nicht eine Telefon- oder Videokonferenz stattfinden könnte. 

Die Zusammenlegung der Geschäftsbereiche für Mobilitätsservices von der BMW Group und der Daimler AG wurde von den relevanten Wettbewerbsbehörden, wie der Europäischen Kommission und der Kartellbehörde in den USA genehmigt. Zu Daimlers Car2go und Moovel werden unter anderem das Carsharing und der On-Demand-Mobilitätsmix der BMW Group hinzukommen. Die Vereinbarung schließt auch kombinierte Ride-Hailing-Dienstleistungen sowie Park- und Lademöglichkeiten für elektrische Fahrzeuge mit ein. Das ist ein interessanter Schachzug, wenn man bedenkt, dass die BMW Group und die Daimler AG seit 100 Jahren erbitterte Rivalen sind. Douglas betont allerdings, dass sie in ihren Kerngeschäften Wettbewerber bleiben: „Wir werden nicht zusammenarbeiten, um Automobile zu bauen.“ 

Die Bündelung ihrer Mobilitätsangebote in einem paritätischen Joint Venture bietet neue Möglichkeiten zur Skalierung der Geschäftsmodelle. „Wir kommen ganz gut zurecht, erreichen aber keine kritische Masse auf dem Markt“, sagt er. „Deshalb nahmen beide Parteien (die BMW Group und die Daimler AG) einander in den Blick und sagten: „Das könnten wir doch zusammen tun, es wäre sinnvoll und würde uns neue Dimensionen eröffnen.“

Diverse Mobilitäts-Services wie mytaxi, ParkNow oder Moovel werden Teil des Joint Ventures.

 

Als die BMW Group vor acht Jahren den Geschäftsbereich Mobilitätsdienstleistungen startete, hatte dieser nur fünf Mitarbeiter. Heute hat der Bereich fast 1.000 Mitarbeiter und mehr als 26 Millionen Kunden. DriveNow ist in neun Ländern tätig und hat BMW und MINI (85 % des Kundenstamms hatten vorher keinen Kontakt mit diesen Marken) neue Kunden zugeführt, ParkNow ist in elf Ländern tätig (in Großbritannien ist es als Parkmobile und als RingGo markengeschützt) und Charging wird in mehr als 100 Ländern angeboten.

Die BMW Group Mobilitätsdienstleistungen bieten mit ChargeNow sowohl Zugang zu öffentlichen Ladestationen als auch anderen OEMs Lade- und Energiemanagementlösungen (zu diesem Zweck gründeten sie mit Digital Charging Solutions ein eigenständiges Unternehmen). Nachhaltigkeit spielt für die Mobilitätsdienstleistungen der BMW Group eine wichtige Rolle. 

Derzeit sind 15 % aus der mehr als 6.000 Fahrzeuge bestehenden DriveNow Flotte elektrisch. Allein in Kopenhagen setzte DriveNow „über Nacht“ 350 BMW i3 ein, was den „gesamte Anblick dieser Stadt veränderte“, sagt Douglas. Und er fügt hinzu: „Wenn die Automobile der nächsten Generation vier- oder fünfmal weiter fahren könnten als derzeit, wäre das sehr hilfreich.“

Die Aktivitäten im Bereich der Mobilitätsdienstleistungen stellen für die BMW Group eine logische Weiterentwicklung dar. Laut Douglas startete die Marke in der „besitzorientierten Wirtschaft“ („Verkauf von Automobilen gegen Barzahlung“), wechselte mit der Einführung der BMW Financial Services im Jahr 1971 zur „finanzierungsorientierten Wirtschaft“ und nimmt jetzt Kurs auf die „bedarfsorientierte Wirtschaft“. 

Letztere ist attraktiv, weil es nicht mehr darum geht, „einem Kunden ein Automobil zu verkaufen.“ Stattdessen „wird ein Automobil im Grunde tausend Mal verkauft“, sagt er. Während große Firmenkunden nicht ganz davon abrücken werden, einem Kunden ein Firmenfahrzeug bereitzustellen, wird die nächste Mitarbeitergeneration nach Douglas‘ Überzeugung, insbesondere im urbanen Raum, Alternativen abrufen.

„Dies muss man als Entscheidung für einen bestimmten Lebensstil und nicht für einen bestimmten Nutzen positionieren. Wir würden immer versuchen, uns als Premium-Anbieter zu positionieren, denn das hat die BMW Group immer getan und damit spielen wir unsere Stärken aus.“

Das vollständige Interview wurde in dem Magazin Fleet News veröffentlicht.

    

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