Laís Passoni
Nachhaltigkeit 23.04.2021 4 Min.
Ideenfabrik für Abfälle.

Eigentlich war es ihr Job, die Mitarbeiter am Werksstandort Araquari in Brasilien mit neuen Uniformen auszustatten. Doch Laís Passoni interessierte sich auch für die Uniformen, die nicht mehr gebraucht wurden. Die 32-Jährige fand heraus, dass diese vorschriftsmäßig entsorgt und verbrannt werden. „Pro Jahr sind das allein in Araquari etwa 6.000 Uniformen, von denen viele von unseren Zeitarbeitern nur ein bis zwei Monate getragen werden“, weiß Laís.

Das wollte sie ändern, bewarb sich mit dem Projekt für das Accelerator-Programm „Innovation for Impact“ der BMW Group und fand mit Grace Marques, Mayara Zetola und Lívia Angelo – einer Umwelt- und Abfalltechnikerin, einer CSR Spezialistin und einer Logistikmanagerin – schnell drei Mitstreiterinnen. Sie gründeten die Ideenfabrik „Upcycle Element“ und machten aus den robusten Uniformstoffen kreative und stylische Alltagshelfer wie Taschen, Rucksäcke, Necessaires und Laptoptaschen.

Allerdings blieb es nicht bei den Uniformen. Ob Kabelbaumbeutel, Sitzgurte oder Lederreste, das Team fand in den Werkshallen der BMW Group noch jede Menge andere Materialien, die sich gut weiterverarbeiten ließen. „Wir haben uns alle Abfälle genau angesehen und katalogisiert“, sagt Grace. Für die Umsetzung holten sie sich die Unterstützung von Funcionárias, einem kleinen lokalen Unternehmen, das – ähnlich wie „Upcycle Element“ – die nachhaltige Wiederverwertung von Industrieabfällen anstrebt und gezielt Frauen beschäftigt, die sich mit Handarbeiten etwas dazu verdienen möchten.

Inzwischen arbeiten 23 Frauen für die Ideenfabrik. Sie waschen die Materialien, trennen sie voneinander und nähen neue Produkte daraus. Allein in den ersten zwei Monaten verarbeiteten sie auf diese Weise 175 kg Uniformen und andere Materialien und stellten mehr als 1.000 Produkte im Wert von über 4.000 Euro her. Die Frauen fertigen auf Nachfrage. Geht eine Bestellung ein, setzt sich Funcionárias mit den Abfalldienstleistern der BMW Group in Verbindung und lässt prüfen, ob genügend Material für beispielsweise 100 Taschen vorhanden ist. Das heißt, Sicherheitsgurte für die Trageriemen, Kabelbäume für den Taschenkörper, Leder für die Details und T-Shirts mit dem Logo der BMW Group.

Laís Passoni
Laís Passoni

„Die Kollegen haben nicht schlecht gestaunt, als sie das erste Mal unsere Taschen und Rucksäcke in der Hand hielten – und haben sie gleich auf Instagram präsentiert. Das war für uns der perfekte Multiplikator“, erzählt Mayara. Die Upcycle-Produkte, die bisher vom Werksmanagement an die Mitarbeiter verschenkt wurden, können jetzt auch käuflich erworben werden. Über das ständig wechselnde Angebot informieren Laís und ihre Kolleginnen im Internet, denn „die Produkte fallen, je nachdem, welche Materialen uns zur Verfügung stehen, immer wieder anders aus“, sagt Lívía.

Beflügelt von viel positiver Resonanz geht es für das Team erst mal zum „One Young World Summit” nach München, wo sich mehr als 1.800 junge Führungspersönlichkeiten austauschen, um sich für eine bessere Gesellschaft und eine nachhaltige Umwelt einzusetzen.

Der „One Young World Summit“ findet auf Einladung der BMW Group als Hauptsponsor, in diesem Jahr vom 22.- 25. Juli in München statt.