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2007
   

25.06.2007
Gurt? Aber sicher!
Der Sicherheitsgurt ist seit vielen Jahren fester Bestandteil in jedem Auto, doch leider für einige Insassen noch immer nicht selbstverständlich. Dabei gefährden nicht angegurtete Personen nicht nur sich selbst sondern auch andere.

Seit 1976 gibt es in Deutschland die Anschnallpflicht im Auto. Sie hat wesentlich zur Reduzierung von Verletzungen und Getöteten bei Unfällen beigetragen: Während die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer in Deutschland im Jahr 1970 noch bei ca. 20.000 lag, waren es im Jahr 2004 rund 5.800, trotz nahezu verdreifachtem Fahrzeugbestand. Trotzdem gurten sich laut einer Statistik des Gesamtverbands deutscher Versicherer (GDV) nur 90 Prozent aller Autofahrer an. Erschreckend ist auch, dass nach Angaben des GDV nicht einmal ein Viertel aller Insassen in Deutschland auf den Rücksitzbänken angegurtet sind. Darüber hinaus werden auch Kinder und Hunde im Auto nicht ausreichend oder gar nicht gesichert. Nicht angegurtete Personen auf Rücksitzen haben bei einer Kollision mit zwei- bis zweieinhalb mal so schweren Verletzungen zu rechnen wie angegurtete.

Einige Autofahrer sind sogar der Auffassung, sie könnten sich bei einem Unfall mit den Händen abstützen. Eine grobe Fehleinschätzung, wie Crashtests zeigen. Denn bereits bei minimaler Aufprallgeschwindigkeit treten Kräfte auf, die ein Mensch unmöglich auffangen kann. „Bei einem Aufprall von nur 15 km/h gegen eine Mauer beispielsweise entstehen Kräfte, die dem Achtfachen des Körpergewichts entsprechen. Somit gefährden nicht angegurtete Insassen nicht nur sich selbst, sondern auch andere Personen,“ weiß Edmund Hautmann, Leiter Konstruktion Gurte bei der BMW Group. Tests zeigen, dass der Sicherheitsgurt bei Frontalkollisionen den größten Schutz bietet. Auch bei Unfällen, bei denen sich das Fahrzeug überschlägt, mindert der Gurt die Verletzungsgefahr erheblich. Nicht gesicherte Insassen können leichter aus dem Auto geschleudert werden und sind dadurch einem höheren Verletzungs- und Todesfallrisiko ausgesetzt als gurtgesicherte.

Gurt ist nicht gleich Gurt: Je nach Anzahl der Punkte, an denen der Insasse mit der Karosserie verbunden ist, teilt man die Gurte in Zwei- bis Sechspunkt-Gurte ein. Der bekannteste Gebrauch ist seit den 1930er Jahren der Zweipunkt-Beckengurt im Flugzeug. Der heute übliche Dreipunkt-Gurt im Auto beginnt mit dem Gurtaufroller, z.B. unten in der B-Säule verbaut, geht über den Gurtumlenker und dem Oberkörper zum Gurtschloss an der Innenseite des Sitzes und von dort über das Becken zum Endbeschlag an der Außenseite des Sitzes. Seit 1949 gibt es den Beckengurt im Fahrzeug, zehn Jahre später folgte der Dreipunktgurt, wie er in vergleichbarer Form auch heute noch verwendet wird. Der Dreipunkt-Sicherheitsgurt bietet den Fahrzeuginsassen neben einem angenehmen Anlegekomfort eine ausgezeichnete Rückhaltung im Oberkörper- und Beckenbereich. Ergänzend werden weitere Systeme angeboten, wie z.B. der pyrotechnische Gurtstrammer am Gurtschloss, am Gurtautomaten und/oder am Endbeschlag und Gurtkraftbegrenzersysteme. Zusätzlich zum Gurtsystem tragen Airbags zur optimalen Rückhaltung der Insassen im Crashfall bei. Gurtstrammer werden über das Airbagsteuergerät ausgelöst. Dabei hat der Gurtstrammer in der Regel eine niedrigere Auslöseschwelle als der Frontairbag, d.h. er löst unter Umständen bei einer Kollision aus, bei der die Unfallschwere für eine Auslösung des Frontairbags noch nicht genügt. Bei Auslösung spannen die Strammer das Gurtband mit Hilfe kleiner pyrotechnischer Treibladungen vor, ziehen locker sitzendes Gurtband ein und koppeln die Insassen so besser an ihren Sitz an.

Das Sicherheitsgurtsystem besteht natürlich aus mehr als dem reinen Gurtband. Dazu zählen auch das Schloss und die Schlosszunge, Endbeschläge, Umlenker, und der Gurtautomat, der das Band aufrollt und bei Rückhaltebedarf blockiert. Die bereits erwähnten Gurtstramm-Systeme bestehen aus bis zu zwei Strammern pro Gurt (z.B. nur Schlossstrammer oder Schlossstrammer und Endbeschlagstrammer). Außerdem können mit den modernen Systemen die Gurtkräfte während des Unfalls durch adaptive Gurtkraftbegrenzer entsprechend des Gewichts der Insassen und der Schwere des Crashs eingestellt werden.



Airbag und Gurt gehören zusammen
Der Gurt bildet in vielen Unfallszenarien die Basis der Rückhaltung, der Airbag ergänzt sehr effektiv die Schutzwirkung. Die Auslösezeiten des Gurtsystems mit Gurtstrammer und Kraftbegrenzer sind mit denen des Airbags aufeinander abgestimmt. Edmund Hautmann: „Moderne Schutzvorrichtungen können nur im gemeinsamen Zusammenspiel ihre volle Wirkung entfalten.“ Nach einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) reduzieren der Sicherheitsgurt und der Airbag gemeinsam das Risiko bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet zu werden um 65 Prozent.

Für Automobilhersteller ist der Einbau von Gurten für die Vordersitze seit 1970 vorgeschrieben, seit 1979 auch für die Rücksitze. Und: Seit Juli 2004 müssen in Deutschland alle neu zugelassenen PKW auf allen Sitzen mit Dreipunktgurten ausgerüstet sein. Der bis dahin in der Mitte übliche Beckengurt ist nicht mehr zulässig. Viele Automobile verfügen über Systeme, die die Insassen mit Ton- oder Lichtsignal an den Sicherheitsgurt erinnern. Im Rahmen der EuroNCAP (Beurteilung der Crash-Sicherheit der Fahrzeuge) werden für solche Erinnerungssysteme Punkte vergeben, die die Gesamtbeurteilung verbessern können.

Doch bevor der Gurt in das Fahrzeug eingebaut wird, muss er nach strengen gesetzlichen und Fahrzeughersteller-Vorgaben zahlreiche Tests bestehen. Diese Prüfungsverfahren werden zum einen beim Zulieferer durchgeführt, zum anderen hat die BMW Group ein eigenes Gurtlabor, in dem in enger Kooperation mit den Zulieferern weitere Entwicklungen rund um den Sicherheitsgurt vorangetrieben werden.

Auch wenn die Automobilindustrie die Sicherheit der Fahrzeuge ständig verbessert: Jeder Autofahrer sollte selbst regelmäßig prüfen, ob mit den Gurten im Auto alles in Ordnung ist. Rollt sich der Gurt nicht mehr automatisch auf, muss er umgehend von entsprechendem Fachpersonal überprüft werden. Auch nach jedem Unfall muss das Gurtsystem unbedingt von ausgebildetem Fachpersonal überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden.

   
   
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