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2007
   

12.12.2007
SmartWeb: Die mobile Zukunft für Auto- und Motorradfahrer
Ein Artikel über die erste semantische Antwortmaschine, welche die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht.

Egal in welcher Lebenslage oder an welchem Standort – über Mobilfunk oder WLAN kann man bereits problemlos unterwegs Daten aus dem Internet nutzen. Den Zugriff aufs Internet ins Fahrzeug zu verlagern, ist dagegen noch neu. Seit diesem Jahr bietet BMW als einziger Automobilhersteller zum Beispiel die Google Branchensuche im Fahrzeug an. Damit können Ergebnisse aus der Suchmaschine per Knopfdruck direkt ins Navigationssystem übernommen werden. Das schont die Nerven und spart viel Zeit auf der Suche nach unbekannten Zielen. Doch die Forschung ist sogar schon einen Schritt weiter: „Wo gibt es hier eine Apotheke?“ - „Marienapotheke in 1,2 Kilometern.“ Das hört sich nach einem zwischenmenschlichen Dialog an. Die Frage hat ein Mensch hinterm Steuer gestellt, die Antwort stammt aber vom internetbasierten multimodalen Assistenzsystem SmartWeb. Mit diesem Forschungsansatz wird das Internet nicht nur individuell, sondern mit gezielten Antworten auch ideal für den mobilen Einsatz.

SmartWeb ist „multimodal“, weil der Nutzer seine gewünschten Informationen aus dem Internet nicht nur durch Eintippen einer Frage, sondern auch mittels gesprochener Sprache erhält. So können beispielsweise Parkrauminformationen, Verkehrshinweise, Wettervorhersagen oder Warnmeldungen über den Bordcomputer im Fahrzeug oder als Sprachmitteilung im Motorradhelm ausgegeben werden. Der Dialog mit SmartWeb auf der Suche nach der nächsten Apotheke könnte der Fahrer zum Beispiel mit der Frage fortsetzen: „Wie komme ich dahin? Und vorher möchte ich noch tanken“. Das System zeigt dann die beste Route und die nächste Tankstelle auf der digitalen Karte an.

Die Entwicklung dieser nächsten Generation von Internetdiensten und multimodalen Fahrerassistenzsystemen ist Teil eines Leuchtturmprojekts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). SmartWeb wurde mit 13,7 Millionen Euro gefördert und von 16 Partnern aus Industrie und Forschung umgesetzt. Ergebnisse des auf drei Jahre angelegten Projektes stellte das BMBF auf einer Abschlusspräsentation im Juni 2007 vor: Elf Patentanmeldungen, acht Produktinnovationen, 140 wissenschaftliche Publikationen und die neue sprachgesteuerte Software gingen daraus hervor.

Auch die Entwickler der BMW Group Forschung und Technik und ihre Partner haben sich an dem Forschungsprojekt beteiligt. Unter der Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) ist es ihnen gelungen, Erfindungen aus dem Bereich der Mensch-Technik-Kommunikation in marktrelevante Innovationen für die deutsche Automobilindustrie umzusetzen.


Mobile Informationen für sicheren Straßenverkehr
Wie also funktioniert diese Zukunft im Auto? Das SmartWeb arbeitet mit Spracherkennung und einem offenem Wortschatz. Auf die Anfrage „Ich möchte nach Kleinsendelbach fahren“, identifiziert und klassifiziert das Spracherkennungsmodul unbekannte Wörter. Erst durch ein ganzes Inventar von Wortuntereinheiten wie Laute und Silben sowie ein erweitertes Grammatikmodell kann die Frage vom System verstanden und serverbasiert verarbeitet werden. Als Antwort liefert die Plattform dann einen individuellen Routenplan als Video-, Audio- und/oder Bilddatei. „Basis für die Systemleistung unserer Antwortmaschine SmartWeb ist das Semantische Web, das unsere Software in die Lage versetzt, Internet-Seiten inhaltlich zu verstehen. Auf die Frage „Wer war 1954 Fußballweltmeister?“ liefert SmartWeb keine Flut von Verweisen auf Internetseiten, sondern direkt und prägnant die gewünschte Antwort „Deutschland“, so Prof. Wolfgang Wahlster, Chef des DFKI. Herkömmliche Internetsuchmaschinen liefern auf eine Anfrage eine Linkliste mit den Fundstellen des gesuchten Begriffs. Der Nutzer muss dann selbst nach der gewünschten Information über diese Links weiter suchen. SmartWeb macht es nun möglich direkt die Antwort auf die Frage zu liefern.

Ein weiteres Ziel des Systems ist es, einen hohen Grad an Sicherheit im Straßenverkehr mit und trotz Onlinezugriff zu gewährleisten. Einerseits ermöglicht SmartWeb dem Fahrer auch während der Informationssuche stets beide Hände am Lenkrad zu lassen, weil er mit dem System sprechen kann. Andererseits warnt ihn die entwickelte Software vor möglichen Gefahren vor ihm auf der Straße. „SmartWeb ist mehr als eine Informationsplattform. Es kann die Sicherheit im Straßenverkehr für Auto- und Motorradfahrer sowie Fußgänger verbessern“, so Prof. Ramond Freymann, Geschäftsführer der BMW Group Forschung und Technik.

Motorradfahrer zum Beispiel werden durch visuelle und akustische Signale über lokale Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht. Ebenso wie beim Autofahrer erfolgt die Abfrage über eine Spracheingabe und Ausgabe im Helm. Ein Display am Lenker ermöglicht zudem die haptische Abfrage. „Über einen neuartigen Lenkergriff mit Kraftrückkopplung und der Spracheingabe und Ausgabe im Helm, kann der Motorradfahrer ohne Ablenkung jederzeit Informationen aus dem Internet empfangen. Dabei kann das Menü sogar mit Motorradhandschuhen bedient werden“, erklärt Prof. Freymann. Zusätzlich nutzt das System Daten aus der so genannten Car-to-Car-Kommunikation: Befindet sich ein Motorrad im Sendebereich eines vorausfahrenden oder entgegenkommenden Fahrzeugs, das ebenfalls mit der SmartWeb-Technologie ausgestattet ist, erhält der Motorradfahrer Warnmeldungen, die für seine Fahrzeugklasse relevant sind. Mittels Sprachmitteilung über Kopfhörer im Helm erhält der Fahrer so zum Beispiel Informationen zur Fahrbahnglätte, Ölspuren oder bevorstehende Staus.

Doch auch wer zu Fuß unterwegs ist, kann SmartWeb nutzen. Für Fußgänger, vorzugsweise Touristen, bietet das System nämlich eine Bilderkennung mit Navigation. Der Nutzer kann beispielsweise in der Stadt auf einem Plakat eine Veranstaltungsankündigung abfotografieren und sein Handheld nach dem Weg fragen. Das derzeit prototypisch auf dem Ameo-Smartphone von T-Mobile installierte SmartWeb zeigt einem anschließend den Weg dorthin.

   
   
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